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Bruno GanzSchauspieler stirbt mit 77 Jahren

Bruno Ganz ist in der vergangenen Nacht verstorben. Er galt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler der Gegenwart.

INTERVIEW: SCHAUSPIELER BRUNO GANZ
INTERVIEW: SCHAUSPIELER BRUNO GANZ © (c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
 

Wie die FAZ berichtet, ist Bruno Ganz, einer der größten Schauspieler der Gegenwart, in der vergangenen Nacht verstorben. Der Schweizer Schauspieler starb in den frühen Morgenstunden im Kreise seiner engsten Familie an den Folgen seiner Krebserkrankung, wie seine Agentin Patricia Baumbauer mitteilte. Bis zuletzt habe er "intensiv und voller Freude an Projekten gearbeitet". Erst im Sommer des Vorjahres war bekannt geworden, dass der Schauspieler an Darmkrebs erkrankt war.

Als Junge war er schüchtern

Mit ihm hat die Film- und Theaterwelt einen ihrer größten Mimen verloren. Bruno Ganz wuchs in Zürich-Seebach als Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer Italienerin auf. Die Schauspieler-Karriere wurde ihm aber nicht in die Wiege gelegt. "Als Junge war ich krankhaft schüchtern", erzählte er in seinen späteren Lebensjahren. Ein Lehrer hatte seinen Eltern - der Vater war Arbeiter, die Mutter stammte aus einer äußerst armen Familie in Oberitalien - erklärt, Bruno sei "zurückgeblieben". Weil er lieber aus dem Fenster schaute und träumte, blieb er sitzen und machte nie die Matura.

Der Wunsch, selbst auf der Bühne zu stehen

Dafür entdeckte Ganz die Schauspielerei: bei seinem ersten Bühnenauftritt im Konfirmationsunterricht. Schon vor der Matura beschloss er, Schauspieler zu werden. Der vielfach ausgezeichnete Darsteller begann seine Karriere am Theater, wo er mit Regisseuren wie Peter Zadek und Claus Peymann zusammenarbeitete. Die von Ganz mitbegründete Berliner Schaubühne wurde in den 1970er Jahren zum Mittelpunkt des europäischen Theaterlebens. Dort spielte er unter anderem die Titelrolle in Ibsens „Peer Gynt“.

Bruno Ganz: 1941-2019

Bruno Ganz (zweiter von links) mit Sofie Grabol, Lars Von Trier und Matt Dillon beim Filmscreening von "The House that Jack Built" bei den Filmfestspielen Cannes 2018.

(c) APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT (ANNE-CHRISTINE POUJOULAT)

In dem Horrorstreifen mimte er den Gesprächspartner eines Serienkillers...

(c) APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT (ANNE-CHRISTINE POUJOULAT)

In "Der Trafikant" von Nikolas Leytner (2017) schlüpfte Ganz in die Rolle von Sigmund Freud.

(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Die Dreharbeiten fanden 2017 in Wien statt.

(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Im Schweizer 'Heidi'-Film nach den Romanen von Johanna Spyri verkörperte Ganz 2015 den Almöhi.

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Die Besetzung war ein wahrer Coup, erzählte der damals 74-jährige Schweizer doch mit wenigen Worten und kleinen Gesten sehr viel.

(c) AP (Markus Schreiber)

„Heidi“ sei ein National-Epos in der Schweiz, "es gab keinen Grund, dass ich dazu nein sagen würde", lautete die Reaktion des Charakterdarstellers damals auf das Rollenangebot (Quelle: BZ).

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Bruno Ganz bei der Präsentation des Films "Remember" beim Filmfestival Venedig (2015).

(c) AP (Andrew Medichini)

2014 schlüpfte er bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises in die Rolle des Laudators.

(c) APA/dpa/Michael Kappeler (Michael Kappeler)

Hier ist er mit seiner Crew beim Berliner Filmfestival 2014 zu sehen.

(c) APA/EPA/JOERG CARSTENSEN (JOERG CARSTENSEN)

In der schwarzen Komödie "Kraftidioten" spielte er einen Mafiaboss.

(c) APA/EPA/JOERG CARSTENSEN (JOERG CARSTENSEN)

Bruno Ganz und Iris Berben bei der Berlinale 2012

(c) EPA (JENS KALAENE)

Hier posierte der Schauspieler mit Senta Berger vor der Deutschlandpremiere des Kinofilms 'Satte Farben vor Schwarz' (2011) auf dem Roten Teppich.

(c) dapd (Volker Hartmann)

Großes Aufsehen erlangte Bruno Ganz 2004 in "Der Untergang".

(c) dpa/dpaweb (A3322 Constantin Film)

In dem von Bernd Eichinger produzierten Film verkörperte er Adolf Hitler.

(c) AP
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Erfolg vor der Kamera

Neben der Bühne erlangte Ganz ab den 1970er-Jahren auch im Film Bekanntheit. Mit 19 Jahren spielte er seine erste Filmrolle, den Kammerdiener, in "Der Herr mit der schwarzen Melone". Er drehte u.a. mit Wim Wenders „Der amerikanische Freund“ und „Himmel über Berlin“, 2000 war er in „Brot und Tulpen“ zu sehen.

2004 sorgte er als Adolf Hitler für Aufsehen

Den Nazi-Diktator im Film "Der Untergang" (Drehbuch von Bernd Eichinger) mimte er verstörend, unheimlich und gleichzeitig lebensecht und nachvollziehbar (siehe Video). Beigetragen hat sicher, dass es den Maskenbildnern nicht schwer fiel, Ganz tatsächlich wie Hitler aussehen zu lassen. Ihn habe es "umgehauen, wie sehr ich Hitler ähnlich sah", sagte der Schauspieler am Rande der Dreharbeiten. "Wenn ich ein Deutscher wäre, könnte es gut sein, dass ich das nicht spielen würde."

Er drehte mehr als 80 Filme

2008 spielte er im ebenfalls von Eichinger produzierten Baader-Meinhof-Komplex den BKA-Präsidenten Horst Herold. Mehr als 80 Filme drehte er insgesamt, zuletzt war er in dem Horror-Thriller "The House that Jack Built" von Lars von Trier zu sehen, der im Mai 2018 beim Filmfestival in Cannes uraufgeführt wurde. 

Seit "Der Untergang" hatte sich Ganz vor Rollenangeboten aus aller Welt kaum retten können. Doch er blieb wählerisch, spielte, worauf er wirklich Lust hatte - darunter mit Liam Neeson den Hollywood-Thriller "Unknown Identity" (2011). Auch wenn Ganz abwechselnd in Berlin, Venedig und Zürich lebte, blieb er seiner Heimat immer treu.

Vom Almöhi bis zu Sigmund Freud

Auch als Schauspieler: 2014 gab er mit Bravour für eine Neuverfilmung die Schweizer Altherren-Paraderolle - den Großvater des Alpenmädels Heidi. "Den Alpöhi zu spielen", sagte er augenzwinkernd Reportern des Schweizer Fernsehens, "ist doch eine patriotische Pflicht." Noch 2017 spielte Ganz in der Verfilmung von Robert Seethalers Erfolgsroman "Der Trafikant" den Psychoanalytiker Sigmund Freud.

Zufriedener Rückblick aufs Leben

Ganz blickte 2017 zufrieden auf seine Karriere zurück: "Wenn man so eine Arbeit gefunden hat, dann ist das schon ein Geschenk", sagte der Schweizer der "NZZ". "Ich habe die Zeit gut verbracht." Er bereue seine Alkoholexzesse. Mit Anfang 60 habe er aufgehört zu trinken. "Ich bin froh, dass sich die Menschen, die mir nahestehen, nicht mehr mit dem betrunkenen Bruno Ganz quälen müssen."

Im Sommer 2018 sollte Ganz bei den Salzburger Festspielen den Erzähler in der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" spielen. Dazu kam es nicht mehr. Die Proben musste er auf dringenden ärztlichen Rat abbrechen. 

Kommentare (4)

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KarlZoech
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Mit Iffland-Ring-Träger Bruno Ganz trat ein ganz Großer für immer von der Bühne ab!

Er möge seine ewige Ruhe haben.

Seine Biographie zeigt auch, dass auch Menschen ohne Matura viel erreichen und Großes leisten können.
Und ich bin jetzt gespannt darauf, welchen Schauspieler er als nächsten Träger des Iffland-Ringes nominiert hat! Bruno Ganz wurde seinerzeit von Josef Meinrad nominiert - Meinrad traf eine ausgezeichnete Wahl!

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lieschenmueller
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Man sollte im Trauerfall keine Wortspiele treiben, aber dass ein GANZ Großer ging, ist leider Tatsache

Exzellent natürlich in "der Untergang", aber ich fand ihn genauso wunderbar in "Giulias Verschwinden" mit Corinna Harfouch, wo es ums Älterwerden, nämlich um den 50. Geburtstag einer Frau ging. Einfach herrlich war er in "Vitus", als Großvater eines hochbegabten Buben.

Schade, dass er nicht mehr unter uns weilt.

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KarlZoech
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@ lieschenmueller: Ich stimme Ihnen - wie so oft - voll zu.

Naja, ich hätte auch schreiben können, ein "maximal" Großer, doch war das sich ergebende Wortspiel ja absolut positiv und wertschätzend?
Ich schätze Bruno Ganz unendlich, und wenn er schon in einem Film mitspielt, so ist dieser Film für mich schon allein wegen Bruno Ganz sehenswert. Gleich geht es mir mit Oskar Werner, alleine schon dessen Stimme....! Daher verschlinge ich regelrecht auch Filme mit Oskar Werner, dem - so wie Bruno Ganz - würde ich wohl sogar mit Begeisterung zuhören, würden sie aus dem öffentlichen Telefonbuch vorlesen.

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lieschenmueller
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@KarlZoech

Ja, Bruno Ganz hatte eine absolut außerordentliche Sprechstimme. Und ein klein wenig hörte man den Schweizer durch. Ich mag das sehr. Schauspielerinnen etwa wie die großartige Birgit Minichmayr - wenn sie z.B. in einer Talkshow ist, hat das leider total abgelegt und klingt total bundesdeutsch und ihre österreichische Herkunft ist sprachlich null vorhanden. In einem Film, der bei uns spielt, kramt sie dieses Weiche, das in der österreichischen Sprache enthalten ist, zwar wieder raus, aber auch nur da.

Oskar Werner in Jules und Jim - einer meiner Lieblingsfilme. Er spielte auch eine Episode in Columbo. Damals sah ich das erste mal im Leben eine Digitaluhr :-) So in den 70er-Jahren.

Ich liebe auch die Stimme von Axel Milberg. Sie enthält eine schöne Klarheit.

Bezüglich Telefonbuch vorlesen - ich habe es mit Hörbüchern versucht. Leider bin ich so gar nicht der Typ dafür und nach 10 Minuten, egal wer liest, im Land der Träume. So spannend kann der Inhalt gar nicht sein und die Stimme schön, dass Vorlesen nicht eine einschläfernde Wirkung auf mich hätte. Schade, ist aber leider so.

Ich habe sie dann verschenkt. Diejenigen hören sie auch oft beim Autofahren. DAS wäre erst was bei mir .........

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