Für Cillian Murphy ist es ein Dank an die Fans, für Serienschöpfer Steven Knight die Erfüllung einer lang gehegten Vision. Vier Jahre nach dem offenen Ende der sechsten Staffel wird die Kultserie „Peaky Blinders“ fortgesetzt. Nach kurzer Zeit im Kino ist „Peaky Blinders: The Immortal Man“ ab Freitag bei Netflix zu sehen. Der Film markiert den Abschluss der Saga um den Gangsterboss Tommy Shelby.

„Die Idee war, etwas zu schaffen, das wie ein Geschenk für die Fans ist“, sagt Hauptdarsteller Cillian Murphy (49) im Interview mit der Deutschen Presseagentur, „ein Geschenk als Zeichen unserer Dankbarkeit für all ihre Hingabe und dafür, dass sie die Serie zu diesem Phänomen gemacht haben.“ Der charismatische Oscar-Gewinner („Oppenheimer“) wurde als innerlich zerrissener Gangster Tommy im dunklen Dreiteiler mit Schiebermütze weltberühmt.

„Wir können Sachen in die Luft sprengen“

Als die erste Folge im September 2013 bei BBC Two auf Sendung ging, war kaum abzusehen, dass sie sich zu einem stilprägenden, globalen Erfolg entwickeln würde. In Deutschland startete die Serie im Juni 2014 unter dem Titel „Peaky Blinders - Gangs of Birmingham“ bei Sky. Inzwischen hält Netflix die internationalen Streaming-Rechte an der BBC-Produktion.

„Menschen, von denen man es vielleicht gar nicht erwarten würde, haben tatsächlich einen Zugang zu dieser Serie gefunden“, sagt Steven Knight (66) im dpa-Gespräch. „Leute wie Snoop Dogg, Asap Rocky oder David Bowie und viele andere sind auf uns zugekommen und haben gesagt: ‚Wir lieben diese Serie.’ Das macht mich an diesem ganzen Projekt wirklich am meisten stolz.“

Dass es im Kino weitergeht, liegt laut Knight daran, dass es mehr Möglichkeiten bietet. „Wir können Sachen in die Luft sprengen, wir haben ein etwas größeres Budget.“ Ein Film sei aber auch eine Herausforderung, weil er für sich allein funktionieren muss. „Man muss sehr gezielt vorgehen. Man hat nicht den Luxus, mehrere Handlungsstränge parallel zu erzählen.“

Birmingham im Zweiten Weltkrieg

„Peaky Blinders: The Immortal Man“ beginnt einige Jahre, nachdem wir Tommy Shelby (Cillian Murphy) das letzte Mal gesehen haben, vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Gealtert und gezeichnet von Verlust und Trauma lebt der einstige Clan-Chef zurückgezogen auf dem Land. Der Gewalt und den Machtkämpfen hat er den Rücken gekehrt. Doch er wird wieder hineingezogen.

„Er steckt gerade ein wenig fest, er ist mitten in der Midlife-Phase und blickt zurück auf sein Leben“, erklärt Murphy. Tommy plagen Visionen der vielen Menschen, die er über die Jahre verloren hat. „Die ersten 20 Minuten sind wie eine Geistergeschichte.“

In Birmingham leitet nun sein Sohn Duke Shelby („Saltburn“-Star Barry Keoghan) die Geschäfte der Peaky Blinders. Unter ihm hat sich die Gang verändert. Sie ist brutaler, rücksichtsloser und folgt nicht mehr dem alten Kodex. Als sich Duke mit den falschen Leuten auf ein Geschäft einlässt, macht sich sein Vater auf den Weg und kehrt in sein altes Revier zurück.

Topstars erweitern die Besetzung

Neben dem wieder mal grandiosen Barry Keoghan wird die Besetzung um weitere prominente neue Gesichter erweitert. Rebecca Ferguson („Dune“) spielt die mysteriöse Romafrau Kaulo Chirklo. Die Schwester von Zelda, Dukes gestorbener Mutter, kommuniziert angeblich mit Geistern und meint, Tommy von seinen Dämonen befreien zu können. Hollywood-Veteran Tim Roth („Reservoir Dogs“) spielt den Faschisten Beckett, der mit den Nazis kooperiert.

Steven Knight ließ häufig reale historische Ereignisse in die Handlung von „Peaky Blinders“ einfließen. Auch dieses Mal. Bei „The Immortal Man“ ist die Aktion Bernard ein wesentlicher Teil des Plots – eine gigantische Falschgeldoperation der Nazis, die die britische Wirtschaft destabilisieren sollte.

Den emotionalen Kern der Story um Familie, Loyalität und Trauma bildet das Verhältnis von Tommy und Duke – den Konflikt zwischen Vater und Sohn. Mit den irischen Stars Cillian Murphy und Barry Keoghan treffen zwei der charismatischsten Darsteller der Gegenwart aufeinander. Das allein macht den Film, der auch für „Peaky Blinders“-Neulinge funktioniert, sehenswert.

Das Ende für „Peaky Blinders“?

Der Abschluss der Tommy-Shelby-Saga bedeutet nicht das Ende von „Peaky Blinders“. Eine Nachfolge-Serie ist Berichten zufolge schon in Planung. Für Steven Knight, der jetzt das Drehbuch für den nächsten James-Bond-Film schreibt, schließt sich mit „Peaky Blinders: The Immortal Man“ jedoch ein Kreis.

Der 66-Jährige erinnert sich noch an niedrige Zuschauerzahlen zu Beginn der Ausstrahlung. „Hätte ich damals gesagt, dass mal so etwas daraus wird, wäre es reine Fantasie gewesen“, sagt er. „Aber ich habe nach der ersten Staffel in einem Interview gesagt, dass die Serie mit einem Film enden wird, der im Zweiten Weltkrieg spielt. Und das haben wir gemacht.“