Spätestens als die – komisch untertitelten Jodler – durch die Prärie stauben und dazu Abahachi (Bully Herbig) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) auftauchen, stellt sie sich ein: die Wiedersehensfreude. Ein erstes Schmunzeln. Wo er sei, fragt Ranger. „Hinter dir, du Zipfelklatscher!“ Nach einem „Servus!“ fallen sie sich in die Arme. „Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit“, schmachtet der eine. „Ich glaub, das war am Montag“, kontert der andere. Was für ein wärmender Willkommensgruß zum Comeback!

Eines gleich vorweg: In diesem sanften und versöhnenden Tonfall geht es die nächsten 88 Minuten weiter. 24 Jahre nach dem Kinohit „Der Schuh des Manitu“ mit mehr als 11,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern wagt sich Entertainer Herbig noch einmal in den Wilden Westen. Wo einst die Schenkelklopfer-Gags mit den Pferden um die Wette galoppierten und man kein Fettnäpfchen mit dem Schlagwort „kulturelle Aneignung“ ausließ, fällt die Fortsetzung der Western-Parodie zahm, beinahe zärtlich aus. Diese selbsternannten alten Männer sind sich in Teil zwei ihrer Endlichkeit bewusst – als Entertainer und Menschen.

Ähnlich aufgebaute Geschichte

Die wie beim Vorgänger ähnlich aufgebaute Geschichte kommt in Gang, als ein Zugführer – er beherrscht das Pfeifen wie eine Dampflok – angeschossen wird. Wieder einmal. Der Scheriff (Friedrich Mücke) und sein Deputy (Rick Kavanian) sind schon lange hinter einem Duo her, das sich als Abahachi und Ranger ausgeben. Sie werden geschnappt und finden sich am Galgen wieder.

Dort werden sie mit einem Schuss von ihrem alten griechischen Kumpel Dimitri (Rick Kavanian), der in albernem griechischen Dialekt zusammengesetzte Wörter verdreht, gerettet, den Abahachi befreite ein Schuss von einem Mitglied einer neuen trotteligen Gangster-Bande, die per Los folgenden Namen für sich kürt: Die sieben Geißlein. Im Auftrag des Ölbarons Santa Maria (Sky du Mont in seiner angeblich letzten Filmrolle) wollen sie, dass Abahachi ihnen das sagenumwobene Kanu findet. Warum? Weil es Unsterblichkeit verspricht.

Die ganze Aktion enthält – nicht uncharmant – eine ganze Reihe an Missverständnissen und Geständnissen. Abahachi und Ranger beteuern sich stetig wie kleine Bengel ihre Blutsbrüderschaft, nur um zu erkennen, dass sie sich sehr lange angelogen haben. Und: „Sagen‘s bitte net Indianer!“ ist sehr oft zu hören.

Das Derbe, Diskriminierende und Unkorrekte fällt weg

Der Zeitgeist bewirkt plötzlich, dass vieles Derbe, Diskriminierende und Unkorrekte wegfällt. Die Lücke füllt das Drehbuch von Herbig, Tramitz und Kavanian mit Frauenrollen inklusive Redeanteil und Aktionsradius. Mary (Jasmin Schwiers) rettet als Rangers wieder aufgetauchte Tochter das „Odd Couple“ nicht nur einmal. Jessica Schwarz mimt „Der Boss“, als Bandenführerin ist sie – im Gegensatz zu ihren Dialogzeilen – furchteinflößend. Als Schwuler vom Dienst haut Herbig als Abahachis Zwillingsbruder Winnetouch mit klischeehaften Szenen dennoch ganz schön daneben.

Die Botschaft ist klar: Umarme die Unterhaltung und deine Nächsten! Und die „mittelmäßigen Männer“. Das fühlt sich in einigen Szenen an wie die Begegnung mit einem alten, rührenden Ehepaar, das sich zwar stetig ankeift, aber im Herzen doch sehr mag. „Das Kanu des Manitu“ soll wahrscheinlich auch das Angebot für eine Friedenspfeife mit der Welt da draußen sein; mit all dem Krieg, dem Hass, den Krisen. Die Herrenrunde spendiert eine Runde Versöhnlichkeit. Das ist nicht nichts, fühlt sich beim Zuschauen manchmal jedoch auch zahm und ein bisschen lahm an.

Bewertung: ●●●○○