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Lehre in der PandemieSSI Schäfer: "Viele unserer Lehrlinge meiden Veranstaltungen oder Partys"

Bettina Prossnigg, Lehrlingsbeauftragte bei SSI Schäfer über das Lehrlings-Recruiting in Zeiten der Coronakrise.

Bettina Prossnigg SSI Schäfer
Bettina Prossnigg © 
 

Wie sehen die größten Veränderungen im Recruiting, aber auch in der Lehrlingsausbildung allgemein seit der Coronakrise aus?

Die größte Veränderung ist natürlich, dass das persönliche Gespräch von einem Telefonat oder Videotelefonat ersetzt wird. Generell wird vieles, was zuerst im persönlichen Gespräch besprochen wurde, nun durch Telefonate oder Emails erledigt. Auch wurden unsere Schulungen im Rahmen der Lehrlingsacademy auf den Herbst verschoben.

Haben Sie auf digitale Lösungen gesetzt?

Ja, wir haben Online Schulungen angeboten und persönliche Gespräche per Videotelefonie oder Onlinemeetings durchgeführt.

Beeinflussen digitale Lösungen – Bewerbung per Videokonferenz – den Bewerbungsprozess und den so wichtigen ersten Eindruck? 

Jein. Natürlich sehe ich mein Gegenüber bei einer Videokonferenz, und kann beobachten wie es auf Fragen reagiert, doch die Körpersprache ist doch nur auf ein gewisses Sichtfeld bei der Videotelefonie eingeschränkt. Gerade bei Lehrlingen ist uns der erste persönliche Eindruck (Begrüßung, Händeschütteln, Körpersprache …) besonders wichtig.

Wie wichtig ist der persönliche Kontakt zu Lehrlingen?

Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig. Gerade junge Menschen sind von der digitalen Welt geradezu umringt. Soziale und persönliche Kontakte kommen hier oft zu kurz oder finden kaum mehr statt. In der Lehrausbildung sind daher persönliche Gespräche und auch persönliche Trainings im Rahmen der Lehrlingsacademy sehr wichtig, und diese möchten wir auch nicht durch digitale Möglichkeiten ersetzen.

Welche Veränderungen haben sich bezahlt gemacht und bleiben? Welche werden wieder verworfen?

Wir möchten unsere Online-Schulungsplattform durch neue Inhalte erweitern und diese ergänzend in der Lehrausbildung oder auch Weiterbildung von Mitarbeitern nutzen.

Haben Sie Vorkehrungen für den Herbst getroffen?

Wir haben bereits Vorkehrungen bezüglich der Räumlichkeiten getroffen, damit wir wieder persönliche Trainings in Kleingruppen abhalten können. Unser oberstes Ziel ist es, die Lehrlingsausbildung so gut wie möglich ohne große Einschränkungen im Unternehmen zu gewährleisten. Die Lehrlinge sollen trotz der Coronakrise die bestmögliche Ausbildung bekommen, und dies kann nicht nur durch digitale Lösungen garantiert werden, sondern vorwiegend durch die persönliche Betreuung und Schulung durch unsere Ausbilder.

Sie sind nahe an den Lehrlingen dran: Wie gehen junge Menschen mit der derzeit allgemein vorherrschenden Unsicherheit um?

Ich finde, dass die Jugend sehr gut mit dieser Unsicherheit umgeht. Wenn ich an unsere Lehrlinge denke, kann ich sagen, dass sie sich sehr mit dem Thema Coronavirus auseinandersetzen. Sie halten sich brav an die Sicherheitsmaßnahmen und -empfehlungen. Viele unserer Lehrlinge meiden von sich aus, große Veranstaltungen oder Partys in ihrer Freizeit, da sie niemanden gefährden möchten. Diese Einstellung freut uns natürlich sehr.

Stichwort Fachkräftemangel: Denken Sie, dass die Coronakrise, die Suche nach Lehrlingen erleichtern oder erschweren wird?

Wir haben trotz Coronakrise sehr gute neue Lehrlinge finden können. Die einzige Erschwernis ist, dass man bei den Schnupperpraktika und persönlichen Bewerbungsgesprächen besonders auf die Sicherheitsregeln und Hygienemaßnahmen achten muss.

Denken Sie, dass diese Krise Einfluss auf das allgemeine Image des Lehrberufs haben wird?

Nein.

Nun noch eine allgemeine Frage: Haben Sie Tipps für Bewerber? Wie kann man im Bewerbungsprozess punkten?