Arnold Studeregger Lawinenexperte: "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht"

Lawinenexperte Arnold Studeregger war schon immer im Schnee zu finden. Nun kann er sich hier auch beruflich austoben.

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Mittlerweile macht Arnold Studeregger sogar ab und zu im Süden Urlaub. Sein Herz aber wird immer für den Schnee schlagen: Seit mittlerweile 15 Jahren als Lawinenwarner bei der ZAMG. Natürlich gibt es hier unvergessliche Momente. Zum Beispiel: Das erste Mal, als er Lawinenwarnstufe 5 ausgeben musste. Hier erinnert er sich an diesen arbeitsreichen Winter zurück.

Ich wurde am 1. Februar 2005 Vollzeit angestellt und am Folgetag habe ich schon Lawinenwarnstufe 5 in der Steiermark ausgeben müssen. Das ist die höchstmögliche Stufe. Es ist schon ein spezielles Gefühl, weil man weiß, dass eine Kette an Vorsorge- und Warnmaßnahmen ausgelöst wird. Da hängt unter anderem die Landeswarnzentrale und auch das Bundesheer dran. Ich war aber zu dieser Zeit bereits erfahren, ich war unter anderem schon zwei Jahre als Wetter- und Lawinenmelder auf der Planneralm für den Lawinenwarndienst tätig. Ich war also bei der Warnung an sich sehr sicher. Das war allgemein ein spannendes Jahr – 2005 haben wir innerhalb von 72 Stunden über 200 registrierte Lawinen auf Infrastruktur gehabt. So viele Lawinen wie in diesem Winter habe ich bisher in der Steiermark nicht mehr gesehen.

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Was sieht der Arbeitsalltag eines Lawinenwarners aus?
Lawinenwarner erheben alle lawinenrelevanten Daten. Das beginnt damit, dass man mit den Lawinenkommissionen und den Wetter- und Lawinenmeldern telefoniert. Zusätzlich werden die Messdaten der meteorologischen Messstationen am Berg interpretiert. Lawinenwarner sind aber auch draußen im Gelände unterwegs, graben Schneeprofile und machen Schneedeckentests. Sie sind aber auch bei der Lawinenunfallerhebung, gemeinsam mit der Alpin- und Flugpolizei mit dabei. Man macht also auch Flüge, um im Zuge des Katastrophenschutzes die Lawinenaktivität zu beobachten. All diese Daten fließen in den so genannten Lawinenlagebericht, der täglich erstellt wird. Sehr viele Daten als Input und ein paar Zeilen als Output.

Hat sich ein Winter besonders in ihr Gedächtnis eingebrannt?
Vor zehn Jahren war ich der erste auf der Lawine, wo ich leider nur noch einen Toten bergen musste. Das hinterlässt schon seine psychischen Spuren.

Info

Arnold Studeregger (45) arbeitet als Lawinenwarner bei der ZAMG. Er hat in Graz Umweltsystemwissenschaft studiert und ist gerichtlich beeideter Sachverständiger für Meteorologie, Alpinistik und Lawine.
Die Skala der Lawinenwarnstufen reicht von 1 bis 5. Die höchste und sehr selten ausgerufene Gefahrenstufe ist 5.

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