Das erste Mal Psychologin Kerstin Kulterer-Prodnik: "Meine Arbeit ist eine Forschungstour"

Psychologin Kerstin Kulterer-Prodnik erzählt von ihrer ersten Therapiesitzung und warum Psychologie und Couch zusammengehören.

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Psychologin Kerstin Kulterer-Prodnik Villach November 2019 Kerstin Kulterer-Prodnik
© Markus Traussnig
 

Sie wollte schon immer erfahren, was uns Menschen ausmacht. „Unser Verhalten wird von so vielen unbewussten Prozessen gesteuert. Psychologie ist immer gegenwärtig. Ich finde einfach, dass das irrsinnig spannend ist“, kommt Kerstin Kulterer-Prodnik gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Woran sie sich aber immer erinnern wird, erzählt die 37-Jährige hier.

Meine erste Klientin in der eigenen Praxis war schon ein sehr aufregender Moment für mich. Ich habe heute noch immer Kontakt mit ihr. Wenn das erste Mal jemand kommt, dann will man natürlich, dass diese Person sich hier wohlfühlt. Darum versuche ich, es ganz besonders gemütlich zu gestalten. Es kann ja doch eigenartig für manche Menschen sein, das erste Mal zu einem Psychologen zu gehen. Wobei so richtig prägend sind jene Klienten, wo man merkt, dass man als Psychologin nicht mehr nur mit den vorbereiteten Methoden arbeitet und sich stattdessen immer mehr auf die professionelle Intuition verlässt. Heute habe ich schon die Kompetenz und Erfahrung, um ad hoc auf das zu reagieren, was mir der Klient bietet, und nicht nur mit dem zu arbeiten, was ich vorbereitet habe.

Zur Person

Kerstin Kulterer-Prodnik (37) aus St. Veit/Glan hat an der Universität Klagenfurt Psychologie studiert. Anfang 2018 hat sie ihre eigene Praxis in Villach eröffnet: praxis.prodnik.at.

Warum haben Psychologen immer eine Couch in ihrer Praxis stehen? Sind die Klienten redseliger, wenn sie liegen?

Ich habe auch diese klassische Couch in meiner Praxis, aber bei mir liegt keiner drauf. Dieses Bild ist wohl noch von Siegmund Freud und der Methode der Psychoanalyse hängen geblieben. Ich denke, dass es mit Gemütlichkeit und einem gewissen Wohnzimmercharakter zu tun hat. Bei mir ist es aber auch ein ganz praktisches Thema. Ich arbeite viel mit Paaren und die sitzen lieber gemeinsam auf einer Couch. Es herrscht aber natürlich freie Platzwahl.

Wie bleiben Sie an einem langen Tag aufmerksam?

Gespräche mit Klienten ermüden nicht, weil man ja auf Forschungstour ist. Ich teile mir meine Tage aber schon so ein, dass es nicht zu viele Klienten sind. Und, wenn mehrere hintereinander kommen, achte ich auf eine gute Zusammenstellung. Die schwersten Themen sollten nicht alle an einem Nachmittag besprochen werden, weil sich dann auch im Raum viel Schwere sammelt. Man merkt energetisch schon, dass da viel gearbeitet wurde.

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