Der Alltag von Christian Allerstorfer teilt sich in einen 14-Tage-Takt. 14 Tage Leoben – „meine Freundin studiert noch“. 14 Tage auf der „Maersk Resolve“, einer Ölbohrinsel 150 Kilometer von der niederländischen Küste entfernt. Genauer gesagt vor dem Ort Den Helder. Wie ein vergessenes Klettergerüst für Riesen trotzt sie dort den Stimmungsschwankungen der launischen Nordsee. Allerstorfers Aufgabe als Bohringenieur ist es sicherzustellen, dass jene Bohrprogramme, die im Büro errechnet wurden auf der Anlage umgesetzt werden. Verständlich, dass er sich noch immer daran erinnern kann, als das Team das erste Mal auf Erdgas stieß.

Man arbeitet an so einer Bohrung teilweise monatelang. Wenn man die Lagerstätte schließlich erreicht und sich die Prognosen der Geologie bewahrheiten, dann ist das schon ein sehr erhebendes Gefühl. Dann wird einem erst der enorme Aufwand bewusst, der betrieben wird und wie wertvoll diese Ressourcen sind. Das ist etwas, was man sich als Verbraucher gar nicht vorstellen kann. Aber es war auch sehr faszinierend, das erste Mal auf eine Bohrinsel zu kommen.

Warum?

Man muss sich das so vorstellen: Man fliegt teilweise über eine Stunde lang mit dem Hubschrauber nur über Wasser und wenn man sich im Landeanflug befindet, macht man dann langsam die Bohranlage als winzigen Punkt aus, der dann immer größer wird. Wenn man dann an Deck steht, sieht man erst, wie riesig die Anlage eigentlich ist. In der südlichen Nordsee – also England, Niederlande, Deutschland und Dänemark – arbeiten wir meist in Wassertiefen von circa 40 bis 50 Metern. Die Anlage wird dafür auf rund 30 Meter über den Meeresspiegel hochgefahren. Die Spitze des Bohrturms ragt auf über 120 Meter über den Meeresspiegel. Auf der Maersk Resolve arbeiten 90 Mann in Zwölf-Stunden-Schichten. InlineBild (898d670b)Wie sieht der Alltag auf einer Bohrinsel aus – abgeschnitten von der Außenwelt und Wind und Wetter ausgeliefert?

Schlechtes Wetter gehört in der Nordsee zum Arbeitsalltag. In den Wintermonaten sind Schneestürme mit Orkanwindstärken und sehr hohen Wellen Normalzustand. Andererseits: In Herbst und Frühling kann es Flauten geben, wo dafür dann Nebel einzieht. Da werden alle unruhig, weil wir mit dem Hubschrauber zur Bohrinsel gebracht werden. Nebel ist so ziemlich das Einzige, das den Hubschrauberflug verhindern kann. Da kann es vorkommen, dass man ein paar Tage festsitzt. Es wird selten langweilig. Besonders beim Bohren gilt es, ständig alle Parameter im Auge zu behalten. Kleinste Veränderungen können Hinweise auf sich anbahnende Probleme mit Bohrwerkzeugen oder unerwartete Veränderungen der Geologie geben, dann gilt es, rechtzeitig zu reagieren. Arbeitssicherheit und Umweltschutz stehen an oberster Stelle und sind wichtigster Bestandteil von Planung und Umsetzung von Bohrprojekten.

Was passiert mit der Anlage, wenn das Projekt abgeschlossen ist?

Der in der südlichen Nordsee am häufigsten eingesetzte Typ Bohranlage ist das „Jackup Rig“, die Hubbohranlage. Sie steht auf drei Beinen am Meeresboden und ist für Wassertiefen bis zu 170 Metern ausgelegt. Nach Abschluss eines Projekts wird die Anlage zu Wasser gelassen, die Beine nach oben aus dem Wasser gezogen und dann mittels Schleppern zum nächsten Einsatzort gezogen. Was zurückbleibt, ist eine zumeist sehr viel kleinere, fest installierte Förderplattform.

Sind durch die Montanuniversität Leoben viele Österreicher vertreten?

Auf jeden Fall. Absolventen der Montanuniversität sind weltweit gefragte Experten, es gibt diese klassischen Ortschaften, wo sich die Erdöl- und Erdgasindustrie angesiedelt hat. Stavanger oder Bergen, aber auch in Holland oder England gibt es einige. Das sind dann auch die Hotspots in dem Bereich, wo man Steirer trifft. Man kennt sich ja auch untereinander.