Die Stadt Villach steht vor einem der größten Umweltprojekte ihrer Geschichte: Die ehemalige Mülldeponie im Stadtteil Auen wird vollständig entfernt, die Arbeiten dafür begannen Anfang März.

Temporäre Sortierhalle geplant

Zur Abwicklung der Entsorgung wird aktuell auf einer nahegelegenen Wiese eine temporäre Halle errichtet. In dieser Halle werden acht Boxen aufgestellt, in denen der ausgegrabene Müll nach Kategorien sortiert wird, heißt es aus der Pressestelle der Stadt Villach. Von dort aus soll das Material dann sortenrein abtransportiert und fachgerecht entsorgt werden. Die Halle ist befristet genehmigt und darf maximal bis zum 31. Dezember 2027 bestehen bleiben. Danach ist eine vollständige Renaturierung der Fläche vorgesehen.

Die Fläche soll renaturiert werden
Die Fläche soll renaturiert werden © KLZ/Katharina Pollan

Abtragung kostet bis zu 75 Millionen Euro

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 70 bis 75 Millionen Euro geschätzt. Der Bund übernimmt ein Drittel der Kosten, das Land Kärnten rund zehn Millionen. Für die Stadt Villach bleiben rund zehn Millionen Euro, ein Großteil davon wird aus Rücklagen finanziert. Auch der Halbleiterkonzern Infineon beteiligt sich mit bis zu 27 Millionen Euro. Nach der Sanierung plant das Unternehmen, das Areal zu erwerben, um seinen Standort zu erweitern.

So sah der „Problemberg“ aus
So sah der „Problemberg“ aus © KLZ/Alexandra Pöcher

Die Deponie entstand ab den 1960er-Jahren, als Hausmüll, Gewerbeabfälle und Bauschutt in ehemaligen Geländemulden und einem früheren Seitenarm der Gail abgelagert wurden. Insgesamt wurden damals bis zu 700.000 Kubikmeter Material eingebracht. In den 1980er-Jahren wurde der Müll umgelagert und zu einem rund 400.000 Kubikmeter großen Hügel aufgeschüttet, der 1984 mit einer Spezialfolie versiegelt und mit Erde bedeckt wurde. In den vergangenen Jahren wurde die Fläche begrünt und eine Photovoltaikanlage errichtet.

Warum jetzt abgetragen wird

Nach Untersuchungen von Grundwasser und Boden zu Beginn der 2000er-Jahre wurde eine intensive Bildung von Deponiegasen sowie erhöhte Ammoniumwerte festgestellt. Zudem kam es in Feststoffproben zu Überschreitungen bei Schwermetallen wie Cadmium, Blei und Zink. In der Raumluft angrenzender Hauskeller konnten hingegen keine Auffälligkeiten festgestellt werden und auch Messungen im Bereich des nahegelegenen Kindergartens zeigten keine Belastung. Trotzdem ist eine fachgerechte Sanierung und Entsorgung der Altlast erforderlich.

Die Arbeiten zur Entfernung der Deponie beginnen schrittweise. Zunächst wird die Hummusschicht abgetragen, anschließend startet der eigentliche Abbau des Mülls. Der Abfall wird vor Ort sortiert und je nach Material fachgerecht entsorgt. Verrotteter Biomüll, der sich über die Jahrzehnte zu Erde zersetzt hat, soll ausgesiebt und vor Ort belassen werden.