Zehn Euro für einen Aperol Spritzer, knapp fünf Euro für einen Cappuccino. Die Preise am Wörthersee lassen seit geraumer Zeit die Wogen hochgehen, eine Lokaltour der Kleinen Zeitung machte nun erneute deutliche Preisanhebungen transparent. Dafür hat die Mehrheit der Leserinnen und Leser kein Verständnis mehr.

„Auf einmal um ein Drittel teurer“

„Von einem Monat auf den anderen kostet der Aperol Spritzer in einem Lokal am See statt 8,50 Euro plötzlich zehn Euro und der Kaffee, der in Italien nicht einmal zwei Euro kostet, 4,50 Euro“, mailt eine Leserin der Kleinen Zeitung. „Balkonien lässt grüßen. Die Flasche Aperol kostet gleich viel wie ein Glas am See“, schreibt eine andere. „Ich bin neugierig, wie viele Lokale es in ein paar wenigen Jahren noch geben wird, weil sich auch die Mittelschicht das gar nicht mehr leisten will. Die letzten überlebenden Gastronomen machen mit ihrer Preispolitik alles selbst kaputt“, sagt eine andere.

„Niemand muss das bezahlen“

Was auch aufstößt, ist das Kommunizieren von „leistbarer Küche am See“. „In Wahrheit bekommt man dann ein Nudelgericht um 30 Euro und soll Danke sagen, weil die Produkte regional sind“, schreibt ein Leser. Andere halten in Kommentaren in Sozialen Medien dagegen. Zusammenfassend halten sie fest, dass niemand gezwungen wird zu konsumieren, die Saison kurz und der See einfach ein teures Pflaster ist. „Nur meckern wie die Ziegen auf der Weide und im Leben gibt es nichts gratis oder kostenlos und ich finde es gut so. Am Wörthersee ist es halt so“, postet ein User. „Die Kuh gehört gemolken, wenn sie Milch gibt. Und ich glaube nicht, dass wer nicht weiß, wo er gerade ist“, ein anderer.

Hannes Markowitz, Geschäftsführer der Veldener Tourismus Gesellschaft
Hannes Markowitz nimmt die Politik in die Verantwortung © APA/Just

„Wir brauchen politische Antworten“

Wirtesprecher Stefan Sternad ersucht, die Preise in Relation zum Aufwand dahinter zu setzen. Lokalitäten wären mit jenen in Italien nicht vergleichbar, die Auflagen in Österreich anders und die Saison kürzer. An der Frequenz sind Preissteigerungen zum Beispiel in Velden nicht sichtbar, der Tourismusort freut sich über eine hohe Frequenz für den Sommer werden starke Nächtigungszahlen erwartet. „Der Tourismus ist stabil, das ist eine sehr schöne Konstante, aber mir tun die Betriebe leid. Uns rennen die Kosten davon und Österreich bekommt die Inflation nicht in den Griff. Die Unternehmen sind hier leidtragend, sie haben enorme Kosten zu stemmen, reich wird aktuell keiner. Wir brauchen Antworten von der Politik“, mahnt Veldens Tourismuschef Hannes Markowitz.

Ein Blick auf die wirtschaftliche Lage zeichnet tatsächlich ein ernüchterndes Bild. Laut der aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds wird Österreich 2025 das einzige Industrieland weltweit mit einer Rezession sein. Während die heimische Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um insgesamt 0,3 Prozent zurückgehen dürfte, soll die Euroraum-Wirtschaft leicht wachsen (0,8 Prozent). Auch die Inflation in Österreich bleibt trotz Entspannung zu Jahresbeginn weiter auf erhöhtem Niveau. Im April 2025 stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres um 3,1 Prozent, gegenüber März 2025 ebenfalls um 0,2 Prozent. Die größten Treiber sind Dienstleistungen und Wohnungspreise, wie auch Nahrungsmittel und Pauschalreisen. Die Politik will mit Steuersenkungen und Einmalzahlungen gegenwirken, den Unternehmen greift das viel zu kurz. Sie fordern etwa Entlastung im Bereich der Personalkosten, Entbürokratisierung und steuerfreie Teuerungsprämien.