Darf es ein Gläschen Champagner sein? In Velden gibt es dieses gleich im Package und zu einem Preis, der nichts für den Durchschnittsbürger ist. Das sogenannte „St. Tropez Special Package Deluxe“, bestehend aus mehreren Wodka- und Champagnerflaschen sowie Energiegetränken, kostet im Lokal „Rosamunde“ stolze 2550 Euro. Bestellt wird das Angebot, wie die Chefs zur Kleinen Zeitung sagen, im Vergleich zur „Platzhirsch Alm“ in Schladming, eher selten. Getrunken wird aber dennoch in Unmengen. Vorreiter bei den Getränken sind auch heuer Weißer Spritzer und Aperol-Spritz. Wie tief man für die Drinks in die Tasche greifen muss, zeigt ein Lokaltest um den Wörthersee.
Aperol um zehn Euro am Seecorso
Wir bleiben gleich in Velden, der Tourismushochburg am Wörthersee. Ein Gast reiht sich auch an diesem Wochenende an den anderen. Die Preise sind hier nebensächlich. „Wer nach Velden kommt, schaut nicht auf die Preise“, sagt eine Anrainerin. Sie soll recht behalten, denn der Konsum reißt trotz Preissteigerungen zum Vorjahr nicht ab. Der Aperol-Spritz knackt die Zehn-Euro-Marke am Seecorso teilweise und kostet im Schnitt 8,50 Euro. Im „Sol Beachclub“ stößt man zum Beispiel mit einem 9,80 Euro Aperol Spritzer oder dem Sol-Hugo um 12,50 Euro an, der Gin Tonic schlägt sich mit 18 Euro zu Buche. Alkoholfreie Cocktails, wie der „Fruit Punch“ starten ab elf Euro.
Im eingangs erwähnten „Rosamunde - Platzhirsch am See“ werden gerne Cocktails, wie der „Pornstar Martini“ um 15 Euro, Klassiker wie Aperol-Spritz um 7,80 Euro, oder der Hugo um 8,80 Euro getrunken. „Es darf gerne fruchtig werden bei unseren Gästen. Cocktails aus Mango, Erdbeere, Drachenfrucht oder Maracuja waren vergangenes Jahr schon beliebt und sind es heuer auch“, erklärt Inhaber Franz Böhm. Das Glas Prosecco um 4,80 Euro wird genauso gerne bestellt, wie der klassische Kaffee. „Zum Lebensgefühl am See passt auch ab und zu eine Flasche Champagner“, sagt Böhm. Die günstigste kostet hier 120 Euro (Moët).
Bei den Gästen des Seerestaurants „Rosé“ in der Villa Bulfon in Velden scheint ein Wein besonders beliebt zu sein. „Unser Dauerbrenner ist immer der Rosé Bellini“, weiß Geschäftsführer Florian Boke aus Erfahrung und nennt mit 14,80 Euro auch den Preis für ein Glas. Neu auf der Karte ist der „Garibaldi“, ein Mix-Getränk aus Aperol, Campari, Orangensaft, Rosenwasser und Red Bull Sommer Edition, für 9,80 Euro. Klassiker wie Aperol-Spritz kosten 9,50 Euro, Hugo 11,60 Euro und ein weißer Spritzer 5,30 Euro. Einen Cappuccino bekommt man dort übrigens für 5,20 Euro, Mineralwasser still/prickelnd kostet 4,20 Euro (für 0,33 Liter) und Thalheimer Heilwasser 8,60 Euro (für 0,75 Liter).
Spritzerzeit im „Weißen Rössl“
Wir verlassen das teuerste Pflaster und testen uns weiter. Angekommen im „Weißen Rössl“ an der Süduferstraße bei Schiefling zeigt sich eine ganz andere Lokalwelt. Das Strandcafé fühlt sich nicht nach der typischen Wörthersee-Schickeria an. Bierbänke und Bodenständigkeit laden ein, das ist, was vielen gefällt und warum viele einkehren. „Wir wollen auch für Einheimische leistbar sein“, sagt Chefin Angelique Majer. Die Getränkepreise wurden heuer um 20 Cent angehoben, die Dauerbrenner finden sich auf der Preisliste wie folgt: Aperol mit Wein 6,30 Euro und mit Prosecco 7,20 Euro. Weißer Spritzer 4,10 Euro und das große Bier kostet 5,10 Euro.
10-Euro-Marke auch in Pörtschach geknackt
Ob After-Work-Drinks in der Bar oder köstliche Menüs am Steg: Das Jilly Beach an der Pörtschacher Wörthersee-Promenade ist mit seinem beeindruckenden Ambiente die passende Location für jeden Anlass. Geboten werden Signature Drinks, Aperitifs und sommerliche Gerichte. „Heuer geht der ,Italicus`(Anm. ein Likör hergestellt nach einem alten Rezept aus dem Jahre 1850) wieder besonders gut“, weiß Restaurantleiter Hannes Pischler zu berichten. Auch der Limoncello-Spritz würde wieder ein großes Comeback feiern. Die Preise bleiben in der Top-Lage: Für einen Aperol legt man 10,90 Euro ab, für den weißen Spritzer 4,60 Euro und ein großes Mineral 7,70 Euro.
Im Hotel Restaurant Bootshaus Werzers in Pörtschach ist der Veneziano Spritz (Aperol, Prosecco, Soda) um 7,50 Euro beliebt. „Neben dem ‚Lillet Pink Grapefruit‘ um 7,90 Euro, erfreut sich unser neuer Sanddorn-Bellini mit Pfirsich-Püree um 7,90 Euro großer Beliebtheit“, berichtet das Restaurant. Ein Weißer Spritzer kostet 4,20 Euro für einen Hugo zahlen Gäste 7,50 Euro, für einen Cappuccino für 4,30 Euro und ein Mineralwasser gibt es für 3,60 Euro (0,33 Liter).
Auch das Bad Saag bei Pörtschach lockt Gäste – Touristen wie auch Einheimische – an das Ufer des Wörthersees. Die Preise für die Getränke bewegen sich laut Restaurantleiter Niklas Buchmann im mittleren, eher noch günstigeren Preissegment: „Den Aperol servieren wir für 7,60 Euro“.
Die Diskussion um das Leitungswasser
Das Restaurant Soleo in Krumpendorf überzeugt seine Gäste mit dem aktuellen Sommergetränk „Das Wachau Ding”, Gin aus der Wachau mit Wachauer Marillennektar und Prosecco gespritzt um 9,50 Euro. Aperol mit Prosecco kostet 9,50 Euro, ein Weißer Spritzer 4 Euro, ein Hugo 8,50 Euro, ein Cappuccino 4,20 Euro und ein große Flasche Mineral 6,50 Euro. Für Leitungswasser wird nichts verrechnet.
Im Seerestaurant Maiernigg bleibt „Aperol-Spritz“ auch in diesem Jahr auf Platz eins der Getränkewahl. „Daneben sind auch Campari oder ein Limoncello-Spritz sehr gefragt, wir bieten immer Empfehlungen an“, gibt Hausherr Johann Zeppitz Auskunft. Ein Aperol kostet 5,90 Euro, ein Hugo 7,20 Euro und ein weißer Spritzer 4,70 Euro. Für ein kleines Mineralwasser zahlt man 4,20 Euro, für ein großes 7,10 Euro. Wer „nur“ ein Leitungswasser bestellt, muss ebenfalls die Brieftasche zücken – für einen halben Liter legt man einen Euro ab.
Spitzenkoch Hubert Wallner schwärmt von der umfassenden Weinkarte, die er zusammen mit Partner Klaus Michael Dolleschall im Gastronomiebetrieb „Bistro Seensucht“ beim Aenea Designhotel in Sekirn etabliert hat „Wir haben uns vor allem auf den Kärntner Wein spezialisiert“, erklärt dazu Dolleschall, der mittlerweile 60 verschiedene edle Tropfen von 17 Kärntner Winzern im Angebot hat. Seit Anfang Mai hat das Bistro wieder geöffnet und ein Trend zeichnet sich ab, nämlich der Griff zum alkoholfreien Getränk. So bietet Dolleschall den alkoholfreien Gin-Tonic für 9,90 an, jenen mit Alkohol für 15 Euro. Den alkoholfreien Aperol-Spritz gibt es für 8,50 Euro, einen Euro mehr jener mit Alkohol. Bei ihm wird übrigens nur die erste Karaffe Wasser verrechnet.
Warnung vor Vergleichen mit Italien
Am Ende der Tour werden einige verleitet sein, Preisvergleiche anzustellen. Dafür warnt Gastronom und Wirtesprecher Stefan Sternad. „Jeder kalkuliert für sich und hat eine andere Ausgangslage, andere Fix- und Personalkosten. Die Saison ist kurz und so individuell die Locations sind, so individuell sind auch die Preise“, sagt er. Auch Vergleiche mit Italien kommen in der Branche nicht gut an. „Man muss auch hier Äpfel mit Äpfeln vergleichen und nicht mit Birnen. Wenn ein Lokal nur eines statt drei WCs hat oder seit 40 Jahren gleich ausschaut, kann man das nicht mit unseren Lokalen vergleichen. Es gelten in Österreich auch andere Auflagen“, sagt Sternad. Trotz Teuerung und Klagen über Preise zeigt sich abschließend eines: Die Getränke scheinen dennoch zu schmecken und letztlich ist es der Kunde, der auch den Preis entscheidet.