Kann sich eine Stadt nur zwei Wochen nach einem Terroranschlag in eine Partymeile verwandeln? Die Frage ist dieser Tage in aller Munde. Der 1. März ist mit dem jährlich stattfindenden Faschingsumzug der Höhepunkt der Villacher Narrenzeit. Zahlreiche Gruppen haben sich auch heuer bereits angemeldet, die Villacherinnen und Villacher ihre Kostüme gekauft oder genäht. Seit dem Terrorangriff in der Innenstadt hat sich die Ausgangslage selbsterklärend gänzlich verändert. Noch ist unklar, ob das Großspektakel mit 20.000 Besuchern stattfinden wird. Der Krisenstab der Stadt Villach hat die Entscheidung vertagt. Fixiert wurde bisher lediglich, dass die Umzugsroute nicht wie geplant verlaufen würde, denn der klassische Streckenverlauf führt direkt an den Tatorten vorbei. Drastischer formuliert: Der Tross würde über jene Bodenmarkierungen ziehen, die Mahnmal für einen Toten und fünf Verletzte sind.

Die Mehrheit fordert die Absage des Umzugs

Auch im Netz sorgt das Thema für Debatten. Der breite Tenor: Der Umzug sollte abgesagt werden. Viele Leserinnen und Leser der Kleinen Zeitung finden, dass es pietätlos sei, wenn tausende Menschen in der Innenstadt feiern, während 14 Tage vorher genau dort ein schreckliches Verbrechen stattgefunden hat. „Ein bisschen Verständnis und Mitgefühl für die betroffenen Familien. Nach so einem tragischen Vorfall ist es mehr als pietätlos, dort Fasching zu feiern, wo ein paar Tage davor ein junger Mensch sein Leben verlor und weitere schwer verletzt wurden. Auch wenn man eine andere Route für den Umzug wählt, wissen wir Villacher doch alle ganz genau, wie dieser Tag am Ende abläuft und ausartet“, heißt es auf Facebook.

Auch die Sicherheit der Teilnehmer und Besucher ist in vielen Kommentaren Thema. „Niemand kann entsprechend für Sicherheit sorgen und kein Politiker wird momentan die Verantwortung tragen wollen.“ Die Sorge um die Sicherheit begleitet die Frage nach der Trauer in vielen Beiträgen. „Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn das dort wieder passiert? Es wird niemand dafür seinen Kopf hinhalten wollen.“

Noch wurde keine Entscheidung getroffen
Noch wurde keine Entscheidung getroffen © KLZ/Dieter Kulmer

„Genau das wollen sie“

Es gibt aber auch (vergleichsweise wenige) Reaktionen, die für das Abhalten des Umzugs sind. „Das Absagen des Faschings macht die Tat nicht rückgängig und auch die Trauer um die Opfer des islamistischen Terroranschlages wird dadurch nicht weniger“, liest man in den Kommentaren. Weiters wird argumentiert: „Ansonsten hätte der Terror erreicht, was er erreichen will, dass wir uns einschränken lassen und vor Angst nicht mehr aus dem Haus gehen.“

Einigkeit herrscht darüber, dass man selbst nicht die Entscheidung darüber treffen wollen würde. „Ich bin sehr froh, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Ich stimme beiden Seiten zu. Es ist echt schwierig.“

Die Entscheidung zum Umzug soll in den kommenden Tagen fallen.

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