Rund 7000 Kilometer trennen die amerikanische St. John‘s Northwestern Academy in Wisconsin und das Bundesrealgymnasium (BG) St. Veit voneinander. Doch die beiden Schulen sind miteinander verbunden, und zwar durch eine Kooperation, die einen Schüleraustausch beinhaltet.

Sechs Schülerinnen und Schüler von der militärischen Privatschule sind seit 18. März und leben bei Gastfamilien in St. Veit. Sie haben die „Austrian Experience". „Wir sind begeistert. Die Familien sind zu unseren Schülern so nett und nehmen sie großartig auf. Die Ausflüge, die wir nach Wien und Salzburg gemacht haben, waren unglaublich und die Österreicher sind einfach wundervoll. Unser Motto ist ‚One world, one people‘ und das erleben wir hier, dafür sind wir sehr dankbar“, erklärt der Lehrer Timothy Crain, der seine Schüler begleitet.

Und auch die Schüler kommen aus ihrer Komfortzone heraus. Warren Ding hat bei seiner Gastfamilie zum Beispiel eine Kuh gemolken. „Meine Gasteltern leben auf einem Bauernhof und haben mich gefragt, ob ich das gerne einmal ausprobieren nöchte“, erklärt der New Yorker. Auch Brielle McKinley hat eine tierische Erfahrung gemacht. „Ich bin mit einer Kuh spazieren gegangen und habe ein Reh gefüttert.“ Lola Gray durfte mit ihrer Gastfamilie reiten gehen. Sprachliche Barrieren gab es beinahe kaum.

Der Unterricht für die Schüler findet im BG St. Veit statt
Der Unterricht für die Schüler findet im BG St. Veit statt © KK/BG

Wien und Salzburg

Neben dem ganz normalen Alltag: Schule, Familienleben, fortgehen – reiste die Gruppe auch nach Salzburg und Wien. „Wir waren im Parlament und haben dort auf Englisch über die politischen Gegebenheiten mit den österreichischen Parteien gesprochen“, erklärt Pädagoge Helmar Wurzer, der für das Projekt am St. Veiter BG verantwortlich ist. „Finanziert haben wir die Ausflüge mit Spenden von Sponsoren. Diese Ausflüge waren wirklich interessant und wichtig.“

Zwischenstopp im Mirabellgarten in Salzburg
Zwischenstopp im Mirabellgarten in Salzburg © KK/Privat

Enorme Unterschiede

Der Unterschied zwischen Kärnten und den USA? „Eindeutig die Natur und die Gebäude. Es gibt hier Berge, Seen und viele Schlösser. Kärnten hat eine wunderschöne Landschaft. Auch das Leben bei den Gasteltern ist sehr ländlich“, sind sich die Amerikanerinnen und Amerikaner einig. Gray fügt noch an: „Ich bin aus New York. Doch hier wird man nicht ausgeraubt. Wenn ich in die New Yorker U-Bahn einsteige oder irgendwo in der Stadt bin, muss ich immer auf meine Sachen aufpassen und sie festhalten. Hier ist es ganz anders." Und Maksymilian Skatrud meint: „Unsere Schule befindet sich auch in einer kleineren Stadt, daher finden wir St. Veit großartig. Ebenso kann man hier auch billiger essen gehen, als in den USA.”
Und Lehrer Crain betont: „Wenn wir könnten, würden wir gerne noch länger bleiben.“ Wobei anfangs auch Bedenken mit dem Aufenthalt verbunden war: „Ich dachte, wie werden uns Österreicher aufnehmen, wenn man die derzeitige politische Lage der USA betrachtet, aber die Bedenken waren umsonst.“

Im Herbst wird im Gegenzug eine Schülergruppe aus St. Veit die St. John‘s Northwestern Academy besuchen. „Wir haben schon einiges geplant. Hier wird uns quasi der rote Teppich ausgerollt, daher haben wir etwas Druck“, scherzt Crain. Und auch die Schüler sind sich einig: „Das Schulsystem hier ist sehr entspannt, die österreichischen Schüler werden erst spüren, wie schnelllebig unser Alltag in den USA ist”, erklärt der Schüler Lotanna Chukwuelue. Ein weiterer Unterschied sei die Kleidung. „Hier sind die Schüler sehr stylisch angezogen. Wir tragen Schuluniformen“, fügt die Amerikanerin Evelyn Stransky an.

Lehrer unter sich: Tim Crain und Helmar Wurzer im Klagenfurter Pub McMullens
Lehrer unter sich: Tim Crain und Helmar Wurzer im Klagenfurter Pub McMullens © KK/Privat

Kärntner reisen in die USA

Organisiert hat den Schüleraustausch Professor Helmar Wurzer. „Ich bin durch meinen Cousin mit Justin Poupart zusammengekommen. Er ist für die internationalen Kooperationen der amerikanischen Schule verantwortlich. Er konnte sich auch eine Partnerschaft mit unserer Schule vorstellen und so entstand die Zusammenarbeit Und ich freue mich schon enorm auf die Reise in die USA. Es ist ein interessantes Schulsystem. Es ist wichtig, dass unsere Schüler auch einmal ein anderes System kennenlernen“, betont der Pädagoge: „So eine Reise steigert das Selbstbewusstsein der Schüler, öffnet den Geist und man lernt andere Kulturen kennen. Und wer weiß, vielleicht profitieren die Schüler einmal von den internationalen Freundschaften, die hier entstehen.“