Das Unternehmen Austrian Power Grid (APG) plant auf einer Länge von 190 Kilometern zwischen den Umspannwerken Lienz und Obersielach bei Völkermarkt eine 380-kV-Stromleitung zu errichten. Zudem ist die Mitführung einer 110-kV-Leitung von Kärnten Netz eingeplant. Mit diesem Vorhaben soll der österreichweite 380-kV-Ring geschlossen werden. 

Dieses Projekt sorgt seit geraumer Zeit für Interesse und auch Aufregung. Seitdem Informationen zur geplanten Grobtrasse veröffentlicht wurden, steht fest, welche Gemeinden von dieser Ringleitung betroffen sind. In den vergangenen Wochen gab es in den Regionen Info-Abende, bei denen Anrainer und Grundstückseigentümer informiert wurden. Bei der Info-Veranstaltung in St. Veit zeichnete sich aber ab, dass einzelne Ortschaften stark betroffen seien, wie etwa die Marktgemeinde Liebenfels oder die Ortschaft Projern in St. Veit an der Glan.

Gemeinderat mit Dringlichkeitsantrag

In Liebenfels wurde am Mittwoch eine Gemeinderatssitzung mit dem Punkt „Dringlichkeitsantrag – Resolution zum Schutz der Bevölkerung und des Gemeindegebietes der Marktgemeinde Liebenfels – Projekt: Netzraum Kärnten“ einberufen. Viele Gemeindebürger sind in den Kameradschaftsraum der Feuerwehr gekommen. „Diese Sitzung ist einberufen, da die Ortschaft Zweikirchen massiv betroffen ist. Hier gibt es bereits zwei 110-kV-Leitungen. Eine von den ÖBB und eine von der Kärnten Netz. Mit der 380-kV-Leitung wäre die Ortschaft von Leitungen umringt. Ich möchte mir dieses Knistern gar nicht vorstellen“, erklärt Bürgermeister Klaus Köchl (SPÖ) die Sachlage. „Wir wissen, dass die Leitung sicher gebaut wird, aber wir müssen darauf achten, dass das Unternehmen APG versteht, dass man die Ortschaft Zweikirchen nicht so stark belasten darf. Und, dass unsere Resolution Gehör findet.“

Schon beim Info-Abend hat der Vizebürgermeister Werner Ruhdorfer (SPÖ) gesagt: „Die APG ist meiner Meinung nach gesprächsbereit, aber nicht handlungsbereit. Und ich bin mir sicher, die Infoveranstaltungen hatten nicht umsonst einen Messecharakter, hier wollte man wohl keine Unruhe bei den Besuchern aufkommen lassen.“ Eine Kerbe, in die auch Vizebürgermeister Martin Weiß (SPÖ) schlägt. „Die Vorgehensweise der APG ist einfach bedauerlich. Bei diesem Projekt heißt es friss oder stirb. Daher bitte ich alle, für die Resolution zu unterschreiben.“

Infoabend zur 380 KV-Leitung Feldkirchen
Bei Infoabenden wurden die Bürgerinnen und Bürger aufgeklärt © Helmuth Weichselbraun

Auch Bundesrätin und Gemeindevorständin Sandra Lassnig (ÖVP) meinte: „Es ist ein sehr emotionales Thema. Die Trasse wird sicherlich kommen, aber nur gemeinsam schaffen wir eine Änderung.“ Ruhdorfer bat die Bundesrätin auch, Kontakt mit Politikern zu knüpfen, die im Aufsichtsrat der APG sitzen würden, um somit weitere Gespräche zu führen.

„Nur eine Resolution ist nicht genug. Wir müssen wohl auch Geld in die Hand nehmen, damit wir eine Änderung erzielen. In 14 Monaten möchte die APG in die Umweltverträglichkeitsprüfung gehen. Wir wussten das und haben bisher nichts getan. Eine Option wäre, dass die 380-kV-Leitung parallel zu bestehenden 110-kV-Leitung verläuft. Dann ist Zweikirchen nicht komplett umringt“, schlug Gemeinderat Harry Wipperfürth (Team Alternative für Liebenfels) vor.

Die Resolution wurde mit ein paar Abänderungen einstimmig vom Gemeinderat beschlossen. Eine Arbeitsgruppe zu dem Thema wurde einberufen.

Auch St. Veit verfasst Stellungnahme

Und auch in St. Veit ist man mit der Trasse nicht komplett einverstanden. Hier hätte man das gleiche Problem wie Zweikirchen, nur in der Ortschaft Projern. „Ich stimme meinem Kollegen Werner Ruhdorfer zu. Die APG ist meiner Meinung nach nicht handlungsbereit. Es wäre wichtig, eine Lösung zu finden, die für Mensch, Natur und Umwelt die bestmögliche Variante wäre. Wir sind dabei, eine Stellungnahme an die APG zu schicken“, erklärt Bürgermeister Martin Kulmer (SPÖ).

Auch vom St. Veiter Bürgermeister gibt es Bedenken
Auch vom St. Veiter Bürgermeister gibt es Bedenken © Markus Traussnig

APG hält sich bedeckt

Die APG weiß über die Einwände Bescheid. „Wir haben die Veranstaltungen gemacht, um zu wissen, wie die Bürger und ihre Vertreter das Thema sehen. Nun sind wir dabei, die Ergebnisse zu analysieren und es wird Gespräche mit Betroffenen und den Stakeholdern geben. In 14 Monaten wollen wir eine gute Feintrasse präsentieren. Aber zu einzelnen Gemeinden werden wir derzeit nichts sagen, weil wir den Gesprächen nicht vorgreifen wollen“, erklärt Unternehmenssprecher Christoph Schuh auf Anfrage.

APG, Christoph Schuh, Carolina Burger, Stefan Walehrach, Mara Schwarzovic, Fritz Woeber, Wolfgang Groeger, Verena Kerck, Martina Kukula, Lydia Geyrhofer
APG-Unternehmenssprecher Christoph Schuh © Wolfgang Wolak