Schutz vor Hochwasser und Lawinen oder der Erhalt des Schutzwaldes: Die öffentliche Hand investiert heuer 106,7 Millionen Euro, um den Lebensraum in Tirol vor Naturgefahren zu schützen. 36,9 Millionen Euro sind für den Schutz vor Tal- und Hauptgewässern reserviert, 34,8 Millionen Euro für Maßnahmen an den Wildbächen. 18,3 Millionen Euro sind für die Erhaltung des Schutzwaldes budgetiert. 12,1 Millionen Euro entfallen auf den Lawinenschutz und 4,6 Millionen Euro auf den Erosions- und Steinschlagschutz. Die Mittel kommen vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, der EU, dem Land, den beteiligten Gemeinden, von Infrastrukturträgern sowie von Grundeigentümern und Waldbesitzern.

Die Geschiebe- und Wildholzsperre am Villgratenbach wird im Rahmen des Hochwasserschutzes in Heinfels umgesetzt
Die Geschiebe- und Wildholzsperre am Villgratenbach wird im Rahmen des Hochwasserschutzes in Heinfels umgesetzt © Land Tirol

Osttirol ist „Spitzenreiter“

Der Fokus liegt wieder klar auf dem Bezirk Lienz, dort werden 26,1 Millionen Euro investiert – nicht zuletzt für die vielen Hochwasserschutzprojekte wie am Villgratenbach oder der Isel in Lienz. Große Pakete wurden zwar auch für die Bezirke Innsbruck-Land (16,2 Millionen Euro) und Schwaz (14,5 Millionen Euro) geschnürt, an das Budget für Osttirol reichen diese aber bei Weitem nicht heran. „Der Schutz vor Naturgefahren ist für Tirol von existenzieller Bedeutung. Ein wirksamer Hochwasserschutz bedeutet Sicherheit für Familien, für Gemeinden und für Betriebe“, sagt der aus Tristach stammende Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP). „Gemeinsam mit dem Land und den Gemeinden setzen wir gezielt Projekte um, die Menschen und Lebensräume nachhaltig schützen.“

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP) ergänzt: „Tirol ist ein sicheres Land. Wir leben seit jeher mit Naturgefahren und schützen Land und Leute, so gut es geht. 100-prozentigen Schutz wird es aber nicht geben. Das vergangene Jahr hat einmal mehr gezeigt, dass wir uns nicht in Sicherheit wiegen dürfen.“ Bei der Naturgefahren-Bilanz sticht der Abend des 30. Juni im Gschnitztal hervor. Stellenweise regnete es mehr als 100 Millimeter innerhalb von zwei Stunden. Daraufhin kam es an den Wildbächen zu Murereignissen. Der Gschnitzbach wurde vollständig verlegt, was massive Überschwemmungen zur Folge hatte. Die Aufräumarbeiten der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) starteten unmittelbar nach dem Ereignis. So wurden aus dem Gschnitzbach rund 32.000 Kubikmeter Geschiebe geräumt.

Großes Einzugsgebiet von Wildbächen und Lawinen

„Solche Ereignisse zeigen die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit. Von der Unterstützung in der Einsatzleitung bis zu schnellen Akutmaßnahmen war eine enge Abstimmung und Koordination erforderlich. Somit konnte den Betroffenen rasch geholfen werden“, betont Gebhard Walter, Leiter der Sektion Tirol der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV). Neben der Umsetzung solcher Sofortmaßnahmen hat die WLV bestehende Schutzbauten auf der Agenda. „Extremereignisse werden uns begleiten. Aus diesem Grund setzen wir das Erhaltungsmanagement konsequent fort“, erläutert Walter. 97 Prozent der Landesfläche liegen in Einzugsgebieten von Wildbächen oder Lawinen.

Von links nach rechts: Harald Oblasser (Vorstand Gruppe Forst), LH-Stellvertreter Josef Geisler, Markus Federspiel (Vorstand Abteilung Wasserwirtschaft) und Gebhard Walter (Leiter Sektion Tirol der WLV)
Von links nach rechts: Harald Oblasser (Vorstand Gruppe Forst), LH-Stellvertreter Josef Geisler, Markus Federspiel (Vorstand Abteilung Wasserwirtschaft) und Gebhard Walter (Leiter Sektion Tirol der WLV) © Land Tirol

Ein gutes Jahr für den Tiroler Wald

Nachdem der Tiroler Wald durch Extremereignisse in den vergangenen Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, berichtet Harald Oblasser (Vorstand Gruppe Forst) von einem guten Waldjahr 2025: „Es gab wenig neue Schäden und dank der Witterung ausreichende Feuchtigkeit in den wichtigen Sommermonaten – ein entscheidender Faktor für die Abwehrkraft von Bäumen gegenüber dem Borkenkäfer.“ Auch daher gab es erstmals wieder einen Rückgang bei frisch befallenen Bäumen. Das landesweite Monitoring über die Waldaufseher zeigt aber, dass der Bestand an Borkenkäfern weiterhin hoch ist.

Der Befall durch den Borkenkäfer war im Vorjahr erstmals wieder rückläufig
Der Befall durch den Borkenkäfer war im Vorjahr erstmals wieder rückläufig © APA / Weihrauch

Über den Landesforstgarten konnten mehr als drei Millionen standortgerechte Forstpflanzen vermarktet werden. Der Anteil der Fichte geht weiter zurück – zugunsten von Lärche, Tanne, Zirbe, Kiefer, Buche und anderen Laubhölzern. Für heuer stehen dem Forstbereich jedoch weniger Mittel als im Vorjahr zur Verfügung. Oblasser: „Umso klarer ist unser Fokus. Wir konzentrieren uns konsequent auf Objektschutzwälder im Siedlungs- und Wirtschaftsraum. Sie sind die effizienteste und zugleich kostengünstigste Methode, um Menschen, Infrastruktur und Betriebe nachhaltig zu sichern.“