Wenn ein Transformator unterwegs ist, passiert das nicht unbemerkt. Vor allem dann nicht, wenn er 65 Tonnen wiegt und über mehrere Bundesländer transportiert werden muss. Doch für das Tiwag-Kraftwerksprojekt Tauernbach-Gruben ist genau dieses Schwergewicht ein entscheidender Schritt in Richtung Fertigstellung.

Für Projektleiter Martin Riedl war diese Lieferung ein Meilenstein: „Die letzten Kilometer wurden aus Sicherheitsgründen in den Nachstunden zurückgelegt.“ Das Bauteil startete seine Reise aus der Produktionsstätte im bayerischen Regensburg, rollte über Wien, Graz und Klagenfurt – und erreichte schließlich spätabends Osttirol. Mit der Ankunft des Transformators am Krafthaus steht jetzt fest: Die Bauarbeiten biegen in die Zielgerade ein.

Ein „Herzstück“ für das neue Kraftwerk

Im Krafthaus in Gruben dominieren derzeit die letzten Betonarbeiten. Schon in Kürze beginnen die elektrischen Installationen, für die der Transformator essenziell ist. Riedl wirkt erleichtert – und stolz: „Mit der erfolgreichen Anlieferung können wir nun mit den elektrischen Installationen beginnen.“

65 Tonnen auf Nachtmission
65 Tonnen auf Nachtmission © TIWAG/Droneproject

Auch oberhalb der Baustelle tut sich viel. Bei der Wasserfassung, also jenem Punkt, an dem das Wasser künftig zur Energiegewinnung abgezweigt wird, sind die großen Tiefbauarbeiten so gut wie abgeschlossen. Über den Winter folgen Montagearbeiten – von elektrischen Komponenten bis zur sogenannten Fischbauchklappe, die den Wasserfluss steuert.

Bald Strom für 20.000 Haushalte

Ein technisches Großprojekt ist bereits erledigt: der 2,3 Kilometer lange, unterirdische Druckstollen, durch den das Wasser zum Krafthaus fließen wird. Ebenso fortgeschritten ist die Druckrohrleitung, für die nicht nur der Tauernbach, sondern auch die Transalpine Ölleitung (TAL) unterquert werden musste. „Noch heuer starten wir mit den Rückbauten der Baustelleneinrichtungsflächen sowie den Rekultivierungsmaßnahmen“, sagt Riedl.

Die Tiwag betont, dass das Projekt nicht nur Strom, sondern auch ökologische Verbesserungen bringen soll. Dazu gehören gewässerökologische Maßnahmen und neue Lebensräume für Insekten und Kleinstlebewesen. Diese werden bis zum kommenden Sommer abgeschlossen sein.

Der Probebetrieb des Kraftwerks ist für Frühsommer 2026 angesetzt. Dann sollen jährlich 85 Gigawattstunden Strom erzeugt werden – genug für rund 20.000 Haushalte. Tiwag-Vorstand Alexander Speckle unterstreicht den regionalen Nutzen: „Wir leisten damit neben einer Stärkung der Versorgungssicherheit auch einen wichtigen Konjunkturimpuls für die Osttiroler Wirtschaft.“ Rund 175 Millionen Euro investiert die Tiwag in das Projekt.

Vorstandsdirektor Alexander Speckle
Vorstandsdirektor Alexander Speckle © TIWAG/Vandory