Das in Sillian auf der B100 fix beschlossene Dosiersystem sorgt weiterhin für hitzige Diskussionen. Während Bürgermeister Franz Schneider und das Baubezirksamt Lienz von einem „klaren Mehrwert“ für das Ortszentrum sprechen, sehen viele Bürgerinnen und Bürger die Maßnahme kritisch. Besonders deutlich wird das in einem Leserbrief von Johanna und Markus Spiegel, die direkt an der B100 wohnen.

„Es ist mir unbegreiflich, wie vernünftige und intelligente Menschen sagen und schreiben können, dass die Dosierampel eine Verbesserung für die Bevölkerung in Sillian bringt. Wir fordern den Gemeinderat auf, diese Entscheidung rückgängig zu machen“, schreiben die beiden. Sie berichten von täglichen Problemen: „Wenn die Dosierampel in Betrieb ist, stimmt es in keinster Weise, dass das Einfahren in die B100 leichter möglich ist.“ Das Ehepaar fordert Bürgermeister Franz Schneider, den Gemeinderat und Johannes Nemmert vom Baubezirksamt Lienz auf, bei der nächsten Inbetriebnahme gemeinsam vor Ort einen Lokalaugenschein durchzuführen.

Besonders kritisch sehen sie die politische Dimension: „Was das Ganze auf die Spitze treibt, ist der Umstand, dass mit dieser Gemeinderatsentscheidung die Tiroler Landesregierung einen Freibrief erhalten hat, um die jahrzehntelangen Versäumnisse in Bezug auf die Umfahrung in Sillian weiter fortzusetzen und es auf Jahre hinaus betrachtet, keine Veranlassung für die Tiroler Landesregierung geben wird, die Verkehrssituation in Sillian tatsächlich mit einer Umfahrung zu verbessern. Die Politik unter Landeshauptmann Anton Mattle ist einfach nur katastrophal.“ Abschließend kündigen Johanna und Markus Spiegel an, beim Sprechtag des Bezirksgerichts Lienz zu prüfen, ob ein Rechtsmittel gegen die Entscheidung möglich ist.

Unmut auch auf Facebook

Der Artikel der Kleinen Zeitung Osttirol vom 30. Oktober („Dosiersystem in Sillian fix beschlossen“) löste auch auf Facebook eine Welle an Reaktionen aus. Zahlreiche Nutzer äußerten ihren Ärger über die Verkehrsregelung.

So hieß es etwa, man habe „künstlich Stau produziert, der bis nach Innichen reicht“ und dass „die Anrainer entlang der B100 wegen des Dauerstaus noch mehr Abgase schlucken“ müssten. Andere meinten, das System koste „viel Geld und bringe keinen Erfolg“, und kritisierten, dass man „einen offensichtlichen Fehler nicht eingestehen“ wolle. Mehrere Stimmen forderten stattdessen eine echte Lösung: „Die Umfahrung wurde vor Jahrzehnten verschlafen – heute ist kaum mehr Platz dafür“, schrieb ein Nutzer.

„Klarer Mehrwert für den Ort“

Seitens der Gemeinde heißt es, das Dosiersystem habe sich im Probebetrieb bewährt. Ziel sei es, den Verkehr im Ortszentrum zu beruhigen, das Ein- und Ausfahren zu erleichtern und Fußgängern die Querung zu ermöglichen. Bürgermeister Franz Schneider betont, man habe alle Argumente abgewogen und sehe einen „klaren Mehrwert“ für den Ort. Auch das Land Tirol will das System weiterhin beobachten und bei Bedarf Anpassungen an den Intervallen vornehmen. Die Kosten teilen sich Land und Gemeinde.