Ende September dürfte es bei einer außerordentlichen Landesversammlung der Bergrettung Tirol hochhergegangen sein. Landesleiter Ekkehard Wimmer, erst seit rund 15 Monaten im Amt, musste sich einem Misstrauensantrag stellen. Dieser wurde von zehn der 91 Tiroler Ortsstellen eingebracht, darunter waren dem Vernehmen nach mehrere Ortsstellen aus Osttirol, von denen es acht gibt.
Anderes Verständnis von Kameradschaft
Der Antrag scheiterte chancenlos, 68 der 85 anwesenden Leiter beziehungsweise Vertreter der Ortsstellen bestätigten Wimmer im Amt – bei vier Enthaltungen und 13 Gegenstimmen, vornehmlich aus dem Bezirk Lienz. Für Zambra der Grund, sich nach nur wenigen Monaten als Oberhaupt der Osttiroler Bergretter, zurückzuziehen. Der ORF zitiert aus einem Schreiben Zambras, dass die Vorgehensweise der neuen Landesleitung nicht seinem Verständnis von Kameradschaft entsprechen würde. Gegenüber der Kleinen Zeitung sagte Zambra nun: „Ich kann mich nicht verbiegen, ich bin zu lange im Geschäft, ich bin zu ehrlich. Ich habe nach einer Woche Bedenkzeit den Schlussstrich gezogen, weil ich es nicht brauche, wenn mich etwas verfolgt.“
Bergrettung Osttirol funktioniert wie gewohnt weiter
Dass sich Zambra mit seinem Rücktritt hinter die Ortsstellen stellt, verwundert nicht. Der Pensionist, selbst lange Jahre lang Leiter der Ortsstelle Lienz, hatte bereits bei seiner Amtsantrittsrede Mitte Juni betont: „Ich bin eher das Ventil zwischen draußen und drinnen. Es gibt nicht einen Chef in Osttirol, sondern acht Chefs.“ Auch daher würde nach seinem Schlussstrich nun kein Vakuum entstehen. Zambra, der das Amt vom langjährigen Leiter Pete Ladstätter übernommen hatte: „Das Sprachrohr gibt es zwar jetzt nicht mehr, aber die Geschäftsstelle funktioniert weiterhin, die Ortsstellen laufen tadellos.“
Worum ging es beim Misstrauensantrag?
Die Hintergründe des Misstrauensantrags sind zumindest der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht worden. Laut mehreren Medienberichten ging es um die Suspendierung zweier Bergretter – darunter einer aus Osttirol – nach Vorfällen während eines Wochenendkurses der Hundestaffel im Frühjahr in Nordtirol. Der Vorwurf der sexuellen Belästigung durch einen der Bergretter stand im Raum. Ausgeschlossen wurde danach nicht nur der Bergretter, dem dies zulasten gelegt wurde, sondern auch der Kursleiter, da dieser seine Aufsichtspflicht vernachlässigt hätte. Vor allem dies stieß einigen Ortsstellen sauer auf. Auf die Details will Zambra nicht eingehen: „Aber es ist nicht meine Art, so mit Menschen und den Ortsstellen umzugehen.“
Landesleitung sieht sich bestätigt
Nach dem geplatzten Misstrauensantrag sah die Landesleitung in einem Blog-Beitrag hingegen „die offene Abstimmung als klares Zeichen des Rückhaltes für die Führungsspitze“. Wimmer sagte: „Für eine fundierte Entscheidung in der Vertrauensabstimmung ist es unerlässlich, alle Seiten anzuhören. Dass dabei manche Wortmeldungen emotional vorgetragen wurden, ist absolut nachvollziehbar.“ Dabei sei die Hand ausgestreckt: „Wir laden alle Ortsstellen ein – insbesondere jene, die uns heute nicht ihr Vertrauen ausgesprochen haben –, gemeinsam an einem Tisch Platz zu nehmen. Die Weiterentwicklung der Bergrettung Tirol gelingt nur im offenen Dialog und mit gegenseitigem Respekt.”
Auch Zambra hofft auf ein besseres Auskommen: „Ich bleibe Bergretter, ich mache weiter meine Einsätze. Und ich hoffe, dass sich das Ganze jetzt beruhigt, und dass die Kommunikation in Zukunft wieder auf Augenhöhe stattfindet.“