Am Anfang weinte sogar der Himmel. Kaum sollte das heurige Olala mit dem Act „Flying Piano“ der „Cardinali Group“ aus Italien eröffnet werden, prasselten Regentropfen auf den Lienzer Hauptplatz. Und das auf den Tag genau ein Jahr nach dem plötzlichen Tod von Hans Mutschlechner – von „Mr. Olala“, als der er in einer ganzen Region bekannt war. Über vier Jahrzehnte hinweg war Mutschlechner Mastermind und Gesicht des internationalen Straßentheater- und Zirkusfestivals, das er einst selbst erfand.

Das „Flying Piano“ sorgte für zauberhafte Momente

Inzwischen haben seine Töchter Elisa und Theresa Mutschlechner die Leitung des Olala übernommen und lange nach einer passenden, poetischen Eröffnungsshow gesucht, ehe die Wahl auf das fliegende Piano fiel. Und dann, nach nicht einmal einer halben Stunde, hörte der Regen auf, die Pianistin stieg in den Lienzer Nachthimmel empor. Bis auf drei Meter Höhe, scheinbar nur von einer Handvoll Luftballons hochgezogen und in der Luft gehalten. Klassische Klänge, aber auch moderne Stücke verzauberten die Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem prall gefüllten Hauptplatz. Das weiße, bodenlange Kleid, die Lichteffekte und das gefühlvolle Spiel der Italienerin machten die Szenerie perfekt, ein wahrer „Magic Moment“ und ein mehr als würdiger Auftakt des heurigen, ganz besonderen Olala.

Nach „anstrengenden und intensiven Tagen“ freut sich Elisa Mutschlechner über den gelungenen Olala-Auftakt in Lienz
Nach „anstrengenden und intensiven Tagen“ freut sich Elisa Mutschlechner über den gelungenen Olala-Auftakt in Lienz © André Schmidt

Eine Show im Gedenken an den Papa

Auch für Elisa Mutschlechner war der Auftakt natürlich bewegend: „Ich war schon sehr nervös, muss ich ehrlich sagen. Vor allem als der Regen kam. Die Show ist mir sehr am Herzen gelegen, weil sie ein Gedenken an meinen Papa war.“ Dabei seien die Tage vor dem Auftakt „sehr intensiv, sehr anstrengend“ gewesen. „Der Start war schon auch besonders, weil es das erste Olala unter unserer Verantwortung ist. Diesen ersten Abend werde ich nie vergessen.“ Mutschlechner betont aber, dass Olala ohne die vielen helfenden Hände ein Ding der Unmöglichkeit wäre: „Unser Team hat uns super unterstützt, sonst wäre es nicht gegangen. Alles ist aufgebaut, fast alle Gruppen sind schon da und haben ihre Sachen vorbereitet.“

„Dreamer“ von Ozzy Osbourne als Abschluss

Als sich Piano samt Pianistin wieder zum Boden senkten, lief dem ein oder anderen noch eine Extra-Gänsehaut herunter: „Dreamer“ von Ozzy Osbourne – der britische Rockstar, Sänger der Band Black Sabbath, verstarb wenige Stunden zuvor – erklang als Abschlusslied. Elisa Mutschlechner: „Ich hatte der Pianistin vorher ein paar Lieder ‚untergeschmuggelt‘, die mein Papa besonders mochte. ‚Dreamer‘ war sein Lieblingslied.“

„Wise Fools“ aus Finnland und Südafrika wirbelte vor der Liebburg in die Luft
„Wise Fools“ aus Finnland und Südafrika wirbelte vor der Liebburg in die Luft © André Schmidt

Akrobatik am Mittwochmorgen in der City

Noch vor diesem im mehrfachen Sinne bewegenden Abend ging es am Dienstagabend los mit der französischen Gruppe „Les Choses de Rien“ und ihrem metaphysischen Zirkus in einem extra dafür aufgebauten, zwölf Meter hohen Silo am Festivalgelände. „So eine aufwändige Show hat es bei Olala noch nicht gegeben“, erzählte Mutschlechner im Vorfeld. Der Mittwochmorgen in der Innenstadt zeigte dann die bewährte Mischung aus Artistik und Spaß. Den Auftakt bildete die finnisch-südafrikanische Power-Frauen-Gruppe „Wise Fools“, die mit beeindruckender Luftakrobatik für offene Münder sorgte. Nicht minder spektakulär drehte sich danach „The Tea Company“ durch eine stählerne Mischung aus Kreisel und Spirale, ehe der chilenische Kult-Clown „Murmuyo“, ein Olala-Stammgast, auf seine Art in der City für Chaos sorgte. Spiel und Spannung für die Kids gab es am Johannesplatz: Aus recycelten Materialien haben die Künstler der „Katakrak Company“ wundersame Spielgeräte geschaffen, die ausgiebig ausprobiert wurden.

Photo : Stéphane Bourgeois
Wer die „Flip Fabrique“ aus Kanada erleben will, kann noch Karten erstehen © Olala/Stéphane Bourgeois

Es gibt noch Karten für diverse Shows

Dass man auch an kommenden Tagen mit Regen rechnen muss, sorgt Elisa Mutschlechner nicht: „Das Wetter können wir nicht beeinflussen, die Woche müssen wir so nehmen, wie sie ist. Aber wir schauen, dass wir so viele Shows wie möglich durchbringen.“ Für die Acts mit dem Dach über dem Kopf gibt es übrigens noch teilweise Tickets, etwa für die „Flip Fabrique“: Die Kanadier, Vertreter des sogenannten Neuen Circus, treten mit ihrem verspielten, zeitgenössischen Zirkusspektakel „Six“ in der Dolomitenhalle am Mittwoch- und Donnerstagabend auf. Auch für die „Specials“ in der Halle – fünf ganz verschiedene Acts, die so noch nie zu sehen waren – sind am gelben Olala-Häuschen am Johannesplatz noch Restkarten für den Freitag- und Samstagabend zu bekommen.