„Vor genau einem Jahr hätte ich mir nicht gedacht, dass ich jetzt hier sitze. Ohne den Papa.“ Mit emotionalen Worten leitete Elisa Mutschlechner, die Pressekonferenz zum 34. internationalen Straßentheater und Zirkusfestival Olala ein. Auch Elisas Schwester Theresa erinnerte an den plötzlichen Tod ihres Vaters und Olala-Mastermind Hans Mutschlechner vor einem Jahr: „Als unser Papa am frühen Morgen des ersten Festivaltages verstarb, hatten wir ein paar Minuten Zeit zu überlegen‚ wie es weitergeht. Es war auch eine persönliche Tragödie. ‚Mister Olala‘ war schließlich unser Papa, und wir mussten neben dem Festival auch eine Beerdigung durchführen.“
Nachdem sich die Schwestern schnell entschlossen hatten, das Erbe ihres Vaters fortzuführen, begannen im August des Vorjahres die Vorbereitung und die Auswahl der Künstler. „Der Papa hat immer das Programm geplant, über 40 Jahre ein Repertoire von Künstlern und weltweite Vernetzungen aufgebaut. Wir haben versucht, seine Ideen weiterzuleben. Wir haben seine E-Mails und seinen Youtube-Verlauf angeschaut, um herauszufinden, welche Acts er gerade spannend fand“, erklären die Mutschlechners, die ihre Vollzeitjobs als Lehrerin in Landeck (Theresa) und Event-Managerin in Salzburg (Elisa) behalten haben: „Olala ist zu unserem größten Hobby geworden.“
In Folge besuchten die beiden auch Messen und Veranstaltungen wie die Kulturbörse Freiburg, um Gruppen für die kommenden Jahre zu sehen und die Szene besser kennenzulernen. „Das war für mich sehr wichtig. Ich habe gesehen, wie stark die Betroffenheit international noch immer ist. Aber auch, wie groß die Wertschätzung, dass wir das weitermachen“, blickt Elisa Mutschlechner zurück.
31 Gruppen aus 18 Ländern treten auf
Das Programm für dieses Jahr steht mehr denn je unter dem Motto Abwechslung. 31 Gruppen aus 18 Ländern treten auf. „Auf diese Internationalität sind wir besonders stolz“, so die Schwestern. Wie in den Vorjahren wird es drei Festival-Hotspots geben: das Zirkusareal an der Dolomitenhalle, die Innenstadt und den Iselkai, der anstelle von Schloss Bruck an den beiden Schlusstagen (Freitag, 24. Juli und Samstag, 25 Juli) zu einem „Lichtergarten“ werden soll. Aber auch einen Moment der Entspannung lässt sich an der Isel finden, wenn sich das Karussell „Mini-Relaxerette“ dreht.
Los geht es am Dienstag, dem 22. Juli, mit der Cardinali Group aus Italien, die auf dem Hauptplatz und im Rahmen der Dienstagskonzerte mit dem „Flying Piano“ in die Luft gehen wird. Elisa Mutschlechner: „Das ist der erste Todestag unseres Papas, und wir haben sehr lange gesucht, um etwas Passendes zu finden. Es ist sehr poetisch und eine tolle Festivaleröffnung“. Generell passiert heuer viel in der City: „Wir sind mehr im Stadtzentrum als in den Jahren zuvor, am Mittwoch und Donnerstag treten alleine drei klassische Straßenshows auf.“ Eine zentrale Bühne gibt es dafür nicht. „Alle haben sehr aufwändige Aufbauten und brauchen ihren eigenen Platz. Wir werden alles beschildern, damit man diese gut findet.“ Interaktionsmöglichkeiten wie auf historischen Jahrmärkten sprechen besonders Kinder an und sind am Freitag und Samstag am Johannesplatz zu finden. „Zwei super Straßenbands“ und die Mittagsparade am Samstag runden das Spektakel „Downtown“ ab.
Als besonderes Highlight preisen die Organisatorinnen den „metaphysischen Zirkus“ der französischen Gruppe Les Choses de Rien an. „Das ist die aufwändigste Produktion, die wir je bei Olala hatten.“ Für die Vorstellungen wird ein zwölf Meter hoher Silo an der Dolomitenhalle aufgebaut, der 90 Zuschauer fassen wird. „Die Gruppe war sehr lange auf der Wunschliste unseres Papas. Das ist eine ganz andere Art von Zirkus, jeder sitzt in einer Spirale, hat eine andere Perspektive und wird zum Teil der Show.“ Dabei werden ernsthafte Themen angesprochen, und die Zuschauer zum Nachdenken aufgefordert. Für Kinder ist der Act daher nicht geeignet, ebenso wenig für Menschen mit Platzangst.
Weitere Höhepunkte sind zwei Darbietungen aus dem „Neuen Zirkus“, der seinen Ursprung in Kanada hat und Geschichten in Form von Akrobatik und Poesie erzählt. Die spanische Gruppe Cia.Pakipaya errichtet für ihre actionreiche Show eigens ein kleines Zelt, die sechs Franzosen von Flip Fabrique sind laut Theresa Mutschlechner „ein absoluter Weltklasse-Act.“ Auch die „Specials“ in der Dolomitenhalle – Shows, die so noch nie zu sehen waren – versprechen Hochgenuss: mit der Zauberei von Chris Stark (seine Eltern traten schon bei Olala auf), Balance-Akts auf einem Hoverboard der erst 14-jährigen Italienerin Trixie Zavatta, dem Cirque-du-Soleil-erprobten Luftakrobatikpaar Due Turkeev, der Highend-Patomime von Dekru sowie der österreichischen Jonglage von Jonglissimo.
Karten für die kostenpflichtigen Acts werden bereits knapp
Das Programmheft ist um zwei Euro beim TVB, bei den Trafiken Dobnig und Bahnhof sowie im Café Leibl erhältlich. Auch auf der Website www.olala.at können die Acts eingesehen werden. Tickets für die kostenpflichtigen Shows gibt es über oeticket.Light: „Bei einigen Veranstaltungen sind wir schon kurz vor Ausverkauf.“ Es sollen aber Restkarten für den Infostand zurückgehalten werden. Abschließend dankten Elisa und Theresa Mutschlechner den Sponsoren, dem Tourismusverband, vor allem aber ihrem Team: „Alle haben uns sofort unterstützt. Das hat uns Vertrauen gegeben, Olala weiterzuführen. Es ist so schade, dass der Papa nicht mehr dabei sein kann. Aber wir sind der Überzeugung, dass er durch das Olala weiterleben wird.“