Größer noch als die Aufregung ist die Vorfreude auf drei hoffentlich bis auf den letzten Platz ausverkaufte Vorstellungen im Stadtsaal Lienz. Das Bundesoberstufenrealgymnasium (BORG) in Lienz bündelt alle Kräfte, um erneut eine Musicalproduktion auf die Bühne zu bringen. Alle drei Jahre stemmt die Schule ein solches Projekt, in dem Schülerinnen und Schüler schulstufenübergreifend zusammenarbeiten. Und genau darum geht es auch inhaltlich in der aktuellen Produktion mit dem Titel „Time Out“: Zusammenhalt. Wobei eine kleine Liebesgeschichte auch diese Erzählung würzt, wie eine jede gute Geschichte.
105 Schülerinnen und Schüler erschaffen ihr eigenes Musical
Seit dem Herbst laufen die Proben intensiv. Das Schauspielteam übersiedelte für ein Training sogar in einen Gasthof im Lesachtal, um sich vorzubereiten. Rund 20 Schüler werden als Darsteller auf der Bühne zu sehen sein. Eine Gruppe aus weiteren 20 Schülern, die zu den jeweiligen Szenen eigene Tanzchoreographien einstudiert haben, trainiert ebenfalls seit Monaten. Rund 25 Sängerinnen im Chor verleihen dem Geschehen die nötige Atmosphäre. Das musikalische Fundament liefert die Band, ergänzt um Streich-, Holz- und Blechblasinstrumente. 23 Musiker erwecken bekannte Popmelodien zum Leben.
Arrangiert hat die Musikstücke der ehemalige Schüler Elias Schneeberger. Mit einem 20-köpfigen Stage-Team und den drei Bühnenbildnern brechen insgesamt 105 Schülerinnen und Schüler für jede der „Time Out“-Vorstellungen zu einer Zeitreise auf. Beim Titelsong handelt es sich um die einzige Eigenkomposition. Die Musik dazu lieferte Marius Ploner, der im Vorjahr selbst am BORG maturiert hat. Die gesamte Geschichte und alle Texte stammen ausschließlich von Schülern.
Warum sich im Bühnenstück gleich eine ganze Schulklasse gemeinsam von der Gegenwart aus aufmacht zu einer Zeitreise ins Mittelalter, soll nicht verraten werden. „Die Geschichte ist jedenfalls spannend bis zur letzten Minute“, verspricht Lea Hecke vom Schauspielteam, und sie garantiert dazu jede Menge Gänsehautmomente bis zum fulminanten Finale. Nur so viel noch: Abstecher sind unter anderem auch zum legendären 1969er-Musikfestival in Woodstock und in die Zwanzigerjahre geplant. Die Darstellerin liebäugelte früher übrigens mit einer Karriere als Musicaldarstellerin. Jetzt ist sie da nicht mehr so sicher. „Mal schauen, was kommt.“
Die Proben laufen auf Hochtouren:
Für die Mitwirkenden geht ein Traum in Erfüllung
Für die Schülerinnen und Schüler, die an der Produktion mitwirken, geht ein Traum in Erfüllung. Alle haben Aufführungen früherer Musicalproduktionen der Schule schon einmal aus den Reihen des Publikums miterlebt. „Ich besuchte damals die Mittelschule und saß in der dritten Reihe, ich erinnere mich genau“, erzählt Florian Amann, 17 Jahre, Hornist in der Musikkapelle Gaimberg und aktuell Mitglied des „Time Out“-Orchesters. „Das Zusammenspiel der einzelnen Leute auf der Bühne hat mich damals echt gepackt. Ich wusste, bei so etwas will ich auch einmal mitmachen. Großartig, dass es jetzt soweit ist.“
Auch Lena Niedertscheider hat bei früheren BORG-Produktionen gestaunt. Die tanzbegeisterte 18-Jährige maturiert in Kürze. Sie lächelt: „Es ist ein Glück, dass wir vor der Matura noch einmal eine solche Möglichkeit haben. Vor unserem Start ins Leben.“ Viele der Choreographien hat die Schülerin, die seit neun Jahren selbst tanzt, gemeinsam mit Elisabeth Troyer entwickelt. „Ich habe früher schon für Gleichaltrige choreographiert und dadurch Einblick in das Musicalbusiness gewonnen.“
Einige Unterstützung lieferte zusätzlich Niedertscheiders Tanzlehrerin Teresa Schneider. Es ist übrigens nicht ganz sicher, dass es die Maturantin zu allen drei Abendvorstellungen rechtzeitig zurück nach Lienz, und dann im Kostüm auf die Bühne des Stadtsaales schafft: Lena Niedertscheider bestreitet just an diesem Wochenende die Qualifikation für die Tanz-Weltmeisterschaften in Zell am See. „Ich gebe mein Bestes. Aber bei uns im Team hat jeder Einzelne jeden Tanz einstudiert. Es kann also überhaupt nichts schiefgehen, sollte ich wirklich eine Aufführung verpassen. Wir können es kaum erwarten, endlich auf der Bühne zu stehen.“
Die Stadtkultur übernimmt den Kartenvorverkauf
Erstaunlich ist, dass noch niemand der Teilnehmenden die eigene Produktion gesehen hat. Erst wenige Tage vor der Aufführungswoche treffen alle Teams, die sich getrennt vorbereitet haben, erstmals aufeinander. Die Publikumsvorstellungen sind an drei aufeinanderfolgenden Abenden angesetzt: 27., 28. und 29. März. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. In den drei Tagen unmittelbar vorher wird im Stadtsaal geprobt, damit schließlich alle Abläufe wie Puzzleteile ineinandergreifen und die „Time Out“-Zeitreisen für alle ein Abenteuer werden.
„Wir bedanken uns sehr bei der Eigentümerfamilie des Stadtsaales, Cathinka und Gerard van Tongeren-Hylkema, die uns bei der Produktion wieder maßgeblich unterstützen“, sagt Musiklehrer Michael Ploner. Als Partner für den Kartenverkauf fungiert die Stadtkultur. Erwachsene bezahlen 17 Euro für den Eintritt, Ermäßigte 12 Euro. Die Handlung ist auch für Kinder ab acht Jahren gut geeignet, sagen die Verantwortlichen.