„Umfahrung jetzt!“, fordert Harald Hopfgartner aus Sillian. Der Versicherungskaufmann hat sein Büro mit Parkplatz im Ortszentrum, direkt an der Drautalstraße B 100. „Früher konnte ich noch problemlos rückwärts auf die Bundesstraße ausparken. Inzwischen ist es manchmal unmöglich, sich überhaupt noch in den Verkehr einzuordnen.“ Hauptschuld sei das System der Dosierampeln, ärgert sich Hopfgartner. „Sillian erstickt seit Jahrzehnten im Verkehr. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie.“

Der Reiseverkehr komme durch den Testbetrieb des Ampelsystems völlig zum Erliegen, klagt der Anrainer. Die Tagesdosis von 5000 oder 6000 Fahrzeugen pro Tag gehöre in Sillian längst zum Alltag, die leidgeplagte Bevölkerung habe angesichts der Massen an Fahrzeugen resigniert. „Aber der Stau, der jetzt noch künstlich erzeugt wird, macht die Leute richtig zornig. Am Samstag muss man daheimbleiben und kann nicht einmal mehr zum Einkaufen fahren.“ Immerhin räumt der Bewohner ein, dass es durch das Dosiersystem wieder möglich geworden sei, im Ortskern gefahrlos die Hauptstraße zu überqueren.

Kritik am Testbetrieb von Dosierampeln in Sillian

Im vergangenen Sommer lief in der Marktgemeinde erstmals der Testbetrieb für ein Dosierampelsystem. Weil die Testphase aus Sicht der Landesstraßenverwaltung im Großen und Ganzen erfolgreich verlief, haben die Verantwortlichen beschlossen, auch im Winter einen Probebetrieb einzurichten. Die Erfahrungen aus den Sommermonaten sollten helfen, die Verkehrsspitzen vor allem beim Urlauberschichtwechsel in den Griff zu bekommen.

Doch die Autofahrer, die diesen Straßenabschnitt samstags nutzen, stehen offenkundig im Stau und haben ausführlich Zeit, die Umstände in Fotos und Videos zu dokumentieren. Am Samstag, dem 8. Februar, soll der Rückstau von der westlichen Dosierampel in Sillian bis zurück nach Innichen, weit auf italienischem Staatsgebiet, gereicht haben. Das wäre eine Länge von fast zwölf Kilometern.

Der Stau soll zeitweise von Sillian bis nach Innichen reichen
Der Stau soll zeitweise von Sillian bis nach Innichen reichen © KK/Privat

Fotos für den zuständigen Verkehrslandesrat René Zumtobel

An jenem Tag reihte sich auch Markus Sint, Klubobmann der Liste Fritz im Tiroler Landtag, unfreiwillig in die Autoschlange ein. Sint war auf dem Weg nach Kartitsch. Verärgert schrieb der Klubobmann vom Auto aus an den zuständigen Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ): „Ich weiß ja nicht, was ihr euch von der Dosierampel in Sillian erwartet habt. Ich kann von heute berichten, dass sich in Richtung Sillian ein Rückstau bis Winnebach (Südtirol) gebildet hat. Eine kilometerlange Schlange mit mehr als 20 Minuten Stau und vielen Autos, die im Stand ihre Abgase in die Luft blasen.“ 

Markus Sint, Verfechter des Direktzuges nach Innsbruck, stand im Stau
Markus Sint, Verfechter des Direktzuges nach Innsbruck, stand im Stau © Christoph Blassnig

Sint hielt in seiner Botschaft an Zumtobel fest, dass er „genau 37 Minuten für die kurze Strecke von Winnebach bis zur Dosierampel in Sillian gebraucht“ habe und verlangt vom Landesrat: „Da muss rasch reagiert werden. Wem und was soll diese Dosierampel etwas bringen?“ Der Politiker legte auch ein Foto vor, das ein Einsatzfahrzeug beim Durchschlängeln im Stau zeigt. Für die Betroffenen gehe es auch um die Sicherheit, betonte Markus Sint.

Einsatzfahrzeuge müssen am Stau vorbeischlängeln
Einsatzfahrzeuge müssen am Stau vorbeischlängeln © KK/Sint

Der Bürgermeister erwartet Einschätzung der Straßenverwaltung

Bürgermeister Franz Schneider rückte am Samstag aus, um an der Straße mit erbosten Betroffenen zu diskutieren. „Wir nehmen die Vorkommnisse auf und melden unsere Informationen an die Landesstraßenverwaltung“, sagt Schneider. Für seine Stellungnahme möchte er die Einschätzung der Zuständigen abwarten.

Die Ampelanlage ist übrigens nur an den Wochenenden aktiv, wenn sich Tausende Südtirol-Urlauber auf den Weg machen. An den Kennzeichen lässt sich erkennen, aus welchen Ländern der Großteil der Autofahrer zum Skiurlaub nach Südtirol reist: Es sind zumeist Fahrzeuge aus Tschechien, Polen, Slowenien, Kroatien, Ungarn und weiteren benachbarten Ländern. Diese Autokolonnen kennt man natürlich auch im Lienzer Talboden und im Drautal.