In Nußdorf-Debant baut die Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Andreas Pfurner im Frühjahr 2025 die bestehenden Sammelinseln ab. In der jüngsten Ausgabe der Gemeindezeitung lässt Pfurner seinem Ärger über „versaute“ Anlagen freien Lauf: „Die als Wertstoffsammelstellen konzipierten Anlagen werden weiterhin vielfach zur illegalen Entsorgung von Rest- oder Sperrmüll missbraucht und insbesondere nach den Wochenenden herrschen im Bereich der Inseln unhaltbare Zustände.“
Debanter Bürgermeister zieht endgültigen „Schlussstrich“
Gezwungenermaßen werde die Gemeinde voraussichtlich im Frühjahr einen „endgültigen Schlussstrich unter diese Angelegenheit ziehen und alle noch bestehenden Sammelinseln im Gemeindegebiet abbauen“. Trotz zahlreicher Appelle habe man in den vergangenen Monaten keine Verbesserungen feststellen können.
Illegale Entsorgung kann bis zu 41.200 Euro kosten
Diesen Vorschlag unterstützt Gerhard Lusser, seit 20 Jahren Umweltberater des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol (AWVO). „Absichtliche Fehlwürfe sowie Ablagerungen neben den Sammelcontainern machen nicht nur das Recycling fast unmöglich, sie kosten die Gemeinden extrem viel Geld. Zu allem Überfluss verwirren sie auch noch jene Bürger, die richtig trennen.“ Lusser verweist auf den Strafrahmen für illegale Entsorgung, der zwischen 450 Euro bis 41.200 Euro liegt. Illegal entsorgte Problemstoffe führen außerdem immer wieder zu Umweltproblemen.
Der Berater befürwortet den Umstieg auf eine zentrale Abgabestelle in Nußdorf-Debant. Dank Kameraüberwachung, unterstützt von Künstlicher Intelligenz (KI), und kontrolliertem Zutritt lassen sich illegale Entsorgungen nämlich fast vollständig abstellen. „Kollegen in anderen Bezirken haben mir berichtet, dass sich das Volumen an Fehlwürfen von 30 auf unter drei Prozent verringert hat. Und zwar von einem Tag auf den anderen. Sie konnten es gar nicht glauben.“
Stand der Technik sind inzwischen Wiege- und Kamerasysteme, die der Gemeinde Verdachtsfälle umgehend melden. Die betroffenen Bürger können anschließend aufgeklärt und im Wiederholungsfall natürlich auch persönlich haftbar gemacht werden.
Die blauen Container verschwinden aus den Sammelinseln
„Es hat sich technisch im Bereich der Wertstoffwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren sehr viel zum Positiven verändert“, weiß Lusser. Die technischen Neuerungen beim Recycling sind auch der Grund dafür, dass in Osttirol die blauen Container aus den Sammelinseln verschwinden. In der Bezirksstadt Lienz dauert es noch bis Ende Jänner, bis sämtliche blaue Deckel auf den Sammelcontainern durch gelbe ersetzt sein werden.
„Die Wertstoffsammlung wird mit dem Jahreswechsel für die Bürger deutlich vereinfacht. Es gibt keine Ausreden mehr“, mahnt Lusser weiterhin zur Sorgfalt. Bisher war nämlich nicht immer eindeutig klar, welche Verpackung in welchen Container gehört. Kaffeeverpackungen sollten bisher zum Beispiel im blauen Container entsorgt werden, leere Chips-Säckchen dagegen im gelben. Ab sofort gilt: Sämtliche Verpackungskunststoffe und Metallverpackungen gehören in den gelben Container, also auch Blechkonserven, Deckel von Glasbehältern oder Getränkedosen. Durch die Einführung neuer Pfandsysteme im Handel soll sich die Wertstoffmenge generell um ein Drittel verringern.
Die Wertstoffsammlung soll vereinheitlicht werden
„Es ist in Österreich leider den Ländern und Gemeinden überlassen, wie sie die Wertstoffsammlung organisieren“, erläutert Lusser. „Das führte in der Vergangenheit zu unterschiedlichen Systemen, die vereinheitlicht gehören.“ In Osttirol bietet nur jede vierte Gemeinde überhaupt Sammelinseln an. Fast alle davon liegen im Lienzer Talboden, auch in Sillian gibt es Sammelinseln. Diese müssen regelmäßig, also etwa zweimal pro Woche, angefahren werden. Alle anderen Gemeinden nehmen Wertstoffe in Recyclinghöfen entgegen.
Virgen zum Beispiel teilt den einzelnen Haushalten eine gewisse Anzahl an transparenten gelben Säcken zu. Bei deren Übergabe an die Mitarbeiter der Recyclinganlage können diese durch die transparente Folie und anhand des Gewichts falsche Inhaltsstoffe leicht ausmachen. „Gartenschlauch, Hundesackerl und Windel sind keine Verpackung“, wird der Umweltberater deutlich. Blickdichte Säcke werden deshalb grundsätzlich nicht angenommen.
In Lienz ist der Bau eines großen Altstoffsammelzentrums geplant
Wie berichtet, ist in Lienz in Kooperation mit den Umlandgemeinden der Neubau eines großen Recyclinghofes geplant. „Zentrale Sammelstellen sind die Zukunft“, sagt Lusser. „Eben auch, weil sich durch die KI-Kameraüberwachung und den möglichen Rund-um-die-Uhr-Service die Effizienz massiv steigert.“ Die ehemalige Lastenstraße beim Bahnhof wird dann ausgedient haben.
Der Umweltberater äußert einen persönlichen Vorschlag: „Jeder Haushalt ist sinnvollerweise ohnehin zum Mülltrennen angehalten. Wenn jeder bei sich daheim auch anfallendes Altmetall wie Besteck oder Schrauben für das Recycling aussortiert, kommt bei 50.000 Bewohnern in Osttirol in einem Jahr einiges an Material zusammen.“