2022 starben in Österreich 1276 Menschen durch Suizid, davon 117 Menschen in Tirol. Das sind dreimal so viele wie im Straßenverkehr. Und doch ist Suizid die am meisten tabuisierte Todesursache. Die Woche zum Thema Suizidprävention unter dem Motto „Reden rettet Leben“ sollte diesem Sterben entgegenwirken.
Präventiv sollten Erwachsene und Jugendliche gestärkt werden, bevor Suizidalität überhaupt entsteht. Gefördert wurde dabei die Hoffnung und Zuversicht das Schweigen zu brechen und zu zeigen, dass es immer einen Ausweg gibt. Die Gründe, warum sich Menschen das Leben nehmen, sind sehr unterschiedlich. Unbestritten ist, dass fast immer eine schwere psychische Krise vorausgeht, die aber häufig nicht in ihrem lebensgefährlichen Ausmaß wahrnehmbar ist. Doch nicht alle Menschen, die sich das Leben nehmen, leiden an einer psychischen Erkrankung.
Ausweglos erscheinende Lebenssituationen
Während der Zeit vor einem Suizidversuch erwägen viele Menschen diesen Vorgang vorerst oft nur als eine gedankliche Möglichkeit. Diese Phase einer ausweglos erscheinenden Lebenssituation ist oft auch von einer quälenden Orientierungslosigkeit geprägt. Daher kommt auf der Suche nach Lösungen in Lebenskrisen auch Hilfe von außen eine besondere Bedeutung zu. Krisen haben im Unterschied zu anderen psychischen Zustandsstörungen identifizierbare Auslöser.
Entweder hat ein Verlust oder eine erlittene Schädigung stattgefunden. Oder eine Bedrohung oder Überforderung liegt vor. Krisenanlässe rufen belastende psychische Reaktionen hervor. Unerwünschte Lebensveränderungen, bei denen sich sogar ein zunächst, als unter Umständen positiv bewertetes Ereignis, etwa die Geburt eines Kindes als Überlastung erweisen kann. Jede Äußerung diesbezüglich muss ernst genommen und als Hilferuf verstanden werden. Denn die meisten Menschen kündigen ihre Suizidabsichten an, direkt oder indirekt. Zur Bewältigung bedarf es materieller, sozialer und persönlicher Ressourcen, deren Verfügbarkeit variiert. Wichtig ist auch der Schutz für Angehörige.
Hinterbliebene fühlen sich zumeist durch Mutmaßungen und implizite Schuldzuweisungen der Umwelt sehr belastet. Angehörige brauchen den Schutz für einen vollständigen Trauerprozess. Um ein neues Bewusstsein zu schaffen, war die Wanderausstellung „Suizid - keine Trauer wie jede andere“ im Bildungshaus Osttirol für eine Woche kostenlos zugänglich. Sie trug sehr viel zur Aufklärung und Enttabuisierung des Themas bei. Begleitet wurde die Ausstellung von einem dichten Rahmenprogramm für Schulen sowie Abendvorträgen und Workshops für die breite Öffentlichkeit. Es konnten Ängste und Missverständnisse abgebaut werden.
Besonders positiv hervorzuheben ist, wie die Teilnehmer lernten, frühzeitig Anzeichen von Suizidgedanken zu erkennen und sich selbst sowie anderen aktiv zu helfen. Auch Jugendliche zeigten großes Interesse und Engagement, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es waren erlebnisorientierte Elemente, wie der Aufbau einer „Klagemauer“ vor dem Bildungshaus, um Belastendes und Schweres abladen zu können, sowie eine „Colorful Box“, um die Buntheit des Lebens zu spüren.