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HermagorUnwetter-Betroffene: "Mir blieben nur ein paar Schuhe"

Lokalaugenschein: Die Erdgeschoße von 25 Häusern in Rattendorf gleichen nach der Flut Rohbauten. Auf die Bewohner kommen hohe Sanierungskosten zu.

Roman und Elfi Urbancic: "Das war einmal unser Wohnzimmer" © Leopold Salcher
 

Die Realität ist brutal und schmerzt. An die 35 Häuser in Rattendorf und Jenig sind von der Unwetterflut betroffen, 25 davon schwer. Die gefluteten Erdgeschoße gleichen mittlerweile Rohbauten. Sämtliches Mobiliar in Vorräumen, Küchen, Wohnzimmern, Bauernstuben, selbst die Böden, alles musste herausgerissen werden und landete in riesigen Containern.

Im Hause Urbancic betraf das auch alle Türstöcke. „Wir haben nichts mehr“, sagen Elfi und Roman Urbancic. „Mir sind nur ein Paar Schuhe geblieben. Alles andere ist weg“, kämpft der 86-Jährige, in jungen Jahren ein toller Fußballer, mit den Tränen. 82 Zentimeter hoch stand das Wasser im Haus. Am 30. Oktober um zwei Uhr früh hatten Feuerwehrleute an die Tür gepocht: „Ihr könnt nicht bleiben, die Gail steigt“. Die fünfköpfige Familie musste sofort ins Feuerwehrauto steigen und alles zurücklassen: „Da ging es um unser Leben.“ Der erlittene Schaden ist extrem hoch und von der Versicherung wenig zu erwarten.

"Wasser stand uns bis zur Brust"

Die Heizkanonen laufen auch im Haus Wassertheurer vulgo Stapfl auf Hochtouren. Altbäuerin Elfi Gasser: „Küche, Bauernstube, Arbeitsräume, alles ist ausgeräumt, der Keller ausgepumpt, die Elektrogeräte kaputt, die Vorräte vernichtet.“ Arno Wassertheurer und Helfern gelang es noch, die Rinder aus dem Stall zu retten: „Die Flut stand uns bis zur Brust“. Der Stall ist schwer beschädigt, sämtliche Technik zerstört.

Alarm geschlagen

Zehn Zentimeter hoch stand das Wasser im Erdgeschoß bei Familie Dorf-Zankl. Ihr Hof steht nah am Ringdamm. „Die Einrichtung von Küche und Wohnzimmer ist entsorgt“, sagt Albert Zankl. Jungbauer David war kurz zuvor im Feuerwehreinsatz, hatte das Steigen des Wasserpegels vom Traktor aus gesehen, als erster Alarm geschlagen und sofort Sicherungsmaßnahmen eingeleitet.

Die gesamte Einrichtung ist auch im Nebenhaus von Franz Schegula kaputt, Stall und Garage schwer in Mitleidenschaft gezogen, ebenso die Heizung. „Das schlammige Wasser drang in die kleinsten Mauerritzen“, sagt Schegula. Für die Betroffenen heißt es jetzt, so knapp vor dem Winter, die feuchten Mauern halbwegs trockenzulegen.

Hermagor: Lokalaugenschein bei Hochwasserbetroffenen

So hoch stand das Wasser beim Bauernhof vulgo Stapfl. Arno Wassertheurer gelang in letzter Minute die Rettung seiner sechs Milchkühe.

Leopold Salcher

Franz Schegula: "Das Schlammwasser drang in alle Ritzen."

Leopold Salcher

In der Pfarrkirche Rattendorf laufen die Heizstrahler auf Hochtouren.

Leopold Salcher

Albert Zankl: "Die Einrichtung ist bereits entsorgt."

Leopold Salcher

Elfriede Gasser: "Gegen das Wasser hatten wir keine Chance."

Leopold Salcher

Roman und Elfi Urbancic: "Das war einmal unser Wohnzimmer."

Leopold Salcher
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Hilfe ist beispielgebend

Den freiwilligen Helfern, allen voran den Feuerwehren, sind alle dankbar. „An die 200 Gailtaler Feuerwehrleute waren über Feiertag und Wochenende im Einsatz“, weiß Albert Zankl, früher selbst Gemeindefeuerwehrkommandant. „Sie haben Unvorstellbares für uns geleistet.“ Beispielgebend ist die Nachbarschaftshilfe. „Wir werden von unseren Nachbarn mit Mahlzeiten versorgt“, sagt etwa Roman Urbancic.
Entfeuchten, neue Böden, neue Einrichtung, neue Elektrogeräte, neuer Hausrat – diese Kosten übersteigen vielfach die Möglichkeiten der Hochwasseropfer. Das Land hat Hilfe avisiert, ebenso die Caritas und der Kleine Zeitung-Hilfsfonds „Kärntner in Not“.

Straßenteile wieder geöffnet

Unterdessen laufen die Aufräum- und Sicherungsmaßnahmen auch auf den Straßen auf Hochtouren: Nach der Beseitigung von losem Wurzelmaterial und Steinen durch einen Spezialkran konnte Mittwoch Vormittag die B 111 ins Lesachtal von Kötschach-Mauthen bis Podlanig frei gegeben werden. Ebenso ist das Lesachtal von Osttiroler Seite bis Maria Luggau wieder befahrbar.

Rattendorf kämpft gegen das Hochwasser

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