„Ich habe mich in das Haus verliebt“, sagt Gottfried Kogler. Zufällig habe es sich ergeben, dass er das sogenannte „Jägerhaus“, das zuletzt im Besitz der Familie Bressnik war, im Gmünder Stadtzentrum kaufen konnte. Seit Jahresanfang läuft die Kernsanierung des Gebäudes mit mittelalterlichem Ursprung auf Hochtouren. Im Juli muss das Erdgeschoß für den ersten Mieter, die Grazer Wechselseitige Versicherung, bezugsfertig sein. Ebenfalls im Sommer werden Martina Leitner und Anna Unterrainer jeweils einen Kosmetiksalon eröffnen. Auch für den gesamten ersten Stock gibt es laut Kogler ein „vielversprechendes Unternehmen“ als Mieter. Um wen es sich handelt, könne er noch nicht sagen.
Im 2. Stock sind drei bis vier Mietwohnungen in der Größe zwischen 50 und 100 Quadratmetern geplant. „Die künftigen Mieter haben jetzt noch die Gelegenheit bei der Raumaufteilung und speziellen Wünschen mitzureden.“ Kogler spricht von einer sehr attraktiven Lage: „In Gmünd herrscht eine hohe Lebensqualität. Geschäfte, Ärzte, gastronomische Einrichtungen und Apotheke sind fußläufig erreichbar.“ Nachdem der öffentliche Verkehr erweitert wurde, sei ein Auto nicht mehr erforderlich. Auch der Dachboden ist noch ausbaufähig. Insgesamt hat das Stadthaus, das neben dem Rathaus steht, 1000 Quadratmeter Nutzfläche zu bieten. „Mit der Stadtgemeinde gibt es Überlegungen, einen gemeinsamen Lift zu errichten“, sagt Kogler, der in Gmünd das Unternehmen „KHB Kogler Holzbau“ betreibt und Bürgermeister der Gemeinde Krems ist.
Gmünds Bürgermeister Claus Faller ist dieser Idee nicht abgeneigt: „Ein gemeinsamer Lift wäre ein Mehrwert für beide Häuser. Die Finanzierbarkeit und technische Machbarkeit sind noch nicht geklärt. Es freut mich aber sehr, dass das Haus generalsaniert wird. Dass dort gleich mehrere Firmen und Mieter einziehen werden, trägt zu einer weiteren Belebung des Zentrums bei.“
Denkmalschutz hat in Gmünd Vorbildcharakter
Kogler, der beim Umbau tatkräftig von seinem Sohn Christian unterstützt wird, hebt besonders die gute Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt hervor. Landeskonservator Gorazd Živkovič sagt, dass die Bauforschung noch nicht ganz abgeschlossen sei. „Erste Untersuchungen haben ergeben, dass Teile des Mauerwerks auf das Ende des 13. Jahrhunderts zurückreichen. Der Kernbau dürfte im 14. Jahrhundert errichtet worden sein. Um 1500 erfolgte der Ausbau, ein zweites Geschoß und der Keller wurden errichtet. Die damals eingebauten Gewölbe wurden im Erdgeschoß im Rahmen eines erneuten Ausbaus im Jahr 1915 wieder entfernt. In der letzten Ausbaustufe wurden das zweite Stockwerk und ein Dachboden errichtet. Dach sowie Fassade wurden erneuert und das namensgebende Jägerzimmer wurde eingebaut. Es existiert heute noch und sticht mit einer besonderen Holzvertäfelung und Schnitzereien hervor.“
Živkovič lobt die Initiativen zum Erhalt der historischen Bausubstanz in Gmünd: „Seit Jahrzehnten gibt es diesbezüglich eine sehr positive Entwicklung. Das Ensemble der historischen Altstadt wurde 2016 unter Denkmalschutz gestellt. Jede Revitalisierung denkmalgeschützter Gebäude brachte wertvolle Erkenntnisse. Das Zusammenwirken der Stadtgemeinde und der Hauseigentümer hat wirklich Vorbildcharakter.“