Mit einer unglaublichen Klangfülle und gesanglichen Vielfalt begeisterte am Wochenende der Projektchor „ProjEGGt“ mit zwei Konzerten („Alte Lieder - stare pesmi“) im jeweils vollen Stadtsaal Hermagor das Publikum. 70 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Franz Mörtl, darunter aktive Chormitglieder und genauso Laien, berührten mit ihren slowenischen Liedern, die einst in der Kleinregion Egg im äußersten Westen des gemischtsprachigen Gebietes gesungen wurden, die Herzen der Besucher.
Organisator und Oisternig-Sänger Klaus Krieber hat sich im Rahmen einer Feldforschung schon vor Jahren auf die Spur dieses alten und überwiegend vergessenen Liedgutes begeben. Er wurde bei der älteren Generation auch fündig. Chorleiter Mörtl war „baff“, als er diese Lieder hörte und setzte die einstimmig vorgesungenen Lieder in vierstimmige Sätze für Chöre um. Die seinerzeit von Generation zu Generation in ihrer slowenischen Sprache und ihrem Dialekt überlieferten Lieder bringen die Lebensrealität der Menschen zum Ausdruck, es geht dabei um Glauben, Liebe, Erotik, Ehe, den Kirchtag, Tod und das Abschiednehmen – also alle Themen, die ein Menschenleben begleiten. Mit dieser Initiative wurden die Lieder vor dem Vergessen bewahrt. Mittlerweile findet dieses wertvolle Liedgut mehr und mehr Aufnahme in die aktuelle regionale Chorliteratur.
Laut Historiker Peter Wiesflecker – der gemeinsam mit dem ehemaligen ORF-Sprecher Hans Mosser mit viel Hintergrundwissen und feinem Humor die Veranstaltung moderierte – lassen die alten Liedtexte auch eine latente Insubordination der Untergailtaler gegen die Obrigkeit erkennen. Die beiden Chorkonzerte wurden durch Soli der international bekannten Mezzosopranistin Bernarda Fink veredelt. Mit dabei waren die Quintette Oisternig unter der Leitung von Christof Mörtl, „MundArt“ unter der Leitung von Petra Schnabl-Kuglitsch sowie die „5er-Gspan“-Blasmusik unter der Leitung von Christoph Glantschnig. Unter den Zuhörern waren unter anderem Bürgermeister Leopold Astner und Kulturreferent Wolfgang Wallner.