Seit 100 Jahren versorgt das Krankenhaus in Spittal die Menschen in Oberkärnten medizinisch – und blickt dabei keineswegs nur zurück. Im Jubiläumsjahr wird mit dem neuen Operationsroboter „Dexter“ eine neue Ära eingeläutet. „Das Krankenhaus ist 1925 von den beiden engagierten Ärzten Stylian Jatrou und Franz Albertini gegründet worden“, erzählt Andrea Samonigg-Mahrer. Sie ist seit 2014 als Geschäftsführerin und Verwaltungsdirektorin tätig und führt den traditionsreichen Betrieb inzwischen in dritter Generation. Ihre Großeltern Hermann und Maria Samonigg übernahmen im Jahr 1948 die Leitung der Anstalt. Ihr Großvater war Chirurg – ein „Allrounder“, wie sie sagt: „Von Knochenbrüchen über Blinddarmoperationen bis hin zu Geburten – er war für alles zuständig. Die Geburtshilfe hat er einfach selbst mitübernommen.“

Auch ihr Vater war Arzt und hat das Haus ab den 1980er-Jahren maßgeblich geprägt. „Er und meine Mutter Anna haben sich nicht beirren lassen und das Haus in vielen Baustufen auf- und ausgebaut“, blickt sie zurück. „In Spittal war man damals oft skeptisch, was das Krankenhaus betrifft. Aber mein Vater hatte eine Vision – und die hat er umgesetzt.“ Heute zählt das Spittaler Krankenhaus rund 570 Mitarbeitende, davon etwa 450 in Vollzeit. Es bietet ein umfassendes medizinisches Angebot für die gesamte Region Oberkärnten – darunter Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Anästhesie, Radiologie und Labormedizin. „Wir sind ein Akutkrankenhaus mit öffentlichem Versorgungsauftrag. Uns ist wichtig, dass wir in allen Bereichen modern und zukunftsfähig bleiben“, so Samonigg-Mahrer weiter.

Hightech im OP: Der Roboter kommt

Mit dem neuen Operationsroboter „Dexter“ wurde im Jahr 2024 ein großer Schritt in Richtung Zukunft gesetzt. „Wir arbeiten damit im dreidimensionalen Raum, es ist ein Präzisionswerkzeug – es zittert nicht“, sagt Gerald Bruckmann, ärztlicher Leiter des Hauses. Seit mehr als 30 Jahren ist er in Spittal tätig, die Entwicklung der chirurgischen Techniken hat er hautnah miterlebt. „Dexter“ unterstützt bei minimal-invasiven Operationen – derzeit hauptsächlich im Bauchraum. „Die Patientinnen und Patienten profitieren enorm: kleinere Schnitte, weniger Blutverlust, geringere Infektionsgefahr, bessere Wundheilung und schnellere Mobilisierung“, erklärt Bruckmann. Auch für das Operationsteam bringe die neue Technik Vorteile: „Man sitzt in einer ergonomischen Konsole und steuert das System über Joysticks. Das schont den Bewegungsapparat der Operateurinnen und Operateure enorm.“

Der Roboter arbeitet ohne Zittern – und dennoch immer unter der vollständigen Kontrolle der Chirurginnen und Chirurgen. Er verfügt über eine enorme Bewegungsfreiheit und kann sich in nahezu alle Richtungen drehen, sogar kopfüber operieren ist möglich. Die Eingriffe werden dadurch nicht schneller, aber wesentlich präziser durchgeführt. Die Ausbildung der Operateure dauert drei bis vier Monate. Zuerst wird an einem Simulationsgerät trainiert – dort muss ein gewisses Level erreicht werden. Erst dann darf direkt am Roboter operiert werden. Bisher wurden bereits 32 Eingriffe mit „Dexter“ erfolgreich durchgeführt. Drei Operateure des Hauses sind derzeit auf das System geschult. Die Operationen erfolgen dabei stets unter Aufsicht der Herstellerfirma. Zwischen dem Krankenhaus und dem Unternehmen herrscht eine enge Partnerschaft – das Spittaler Krankenhaus sei dabei nicht nur Anwender, sondern auch Mitentwickler.

Pflege mit Know-how und Teamgeist

„Unser Ziel ist, möglichst viele Operationen laparoskopisch und mit roboterassistierter Unterstützung durchzuführen – gynäkologisch wie allgemeinchirurgisch“, so der ärztliche Leiter weiter. Für die Pflegekräfte bedeutet der Einsatz neuer Technologien ebenfalls eine Umstellung – aber eine willkommene. „Immer wenn eine neue Technologie implementiert wird, ist das spannend und motivierend“, sagt Pflegedirektorin Michaela Wutti. Sie leitet den Pflegedienst im Haus und hebt die gute Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen hervor: „Gerade im OP ist Teamarbeit zentral. Es geht nicht nur um das Gerät – sondern um das Zusammenspiel.“

Die Familie Samonigg (von links): Doris Samonigg-Lackner, Anna Samonigg, Hermann Samonigg und Andrea Samonigg-Mahrer
Die Familie Samonigg (von links): Doris Samonigg-Lackner, Anna Samonigg, Hermann Samonigg und Andrea Samonigg-Mahrer © KK/KH Spittal

Aktuell sind fünf Mitarbeitende des Hauses speziell auf Roboterchirurgie eingeschult, das gesamte OP-Team wird laufend geschult. „Man kann sich das vorstellen wie bei der Formel 1 – nur nicht so schnell. Jeder Handgriff muss sitzen“, beschreibt Wutti den Ablauf. Trotz bundesweiter Herausforderungen in der Pflege sieht sie das Spittaler Krankenhaus gut aufgestellt: „Wir haben bis auf einzelne Stellen alles besetzt. Viele junge Leute, die bei uns ihre Ausbildung gemacht haben, bleiben auch hier. Das freut uns natürlich sehr.“ Ein Grund dafür sei die familiäre Atmosphäre im Haus – ein anderer die moderne Infrastruktur. „Wenn man spürt, dass sich etwas bewegt und dass man als Pflegekraft Teil dieses Fortschritts ist, dann wirkt das motivierend“, so Wutti weiter.

Investitionen mit Weitblick

Warum fiel die Wahl auf „Dexter“? Geschäftsführer Robert Erlacher, der seit 27 Jahren Teil des Teams ist, erklärt: „Wir haben uns 2022 intensiv mit Operations-Robotik beschäftigt. Für uns war entscheidend: einfache Bedienbarkeit, Nutzung der bestehenden Infrastruktur, hohe Mobilität.“ Dexter sei das System mit dem geringsten Gewicht und habe die baulichen Voraussetzungen am besten erfüllt. Das Krankenhaus Spittal ist das erste Haus in Österreich, in dem „Dexter“ eingesetzt wird. „Wenn man es sich auf zehn Jahre rechnet, dann liegt das Budget bei etwa 3,5 Millionen Euro – rund 20 Prozent davon entfallen auf die Anschaffungs- und Ausbildungskosten des Geräts“, sagt Erlacher. Bei der Anschaffung sei auch auf die Betriebskosten des Roboters geachtet worden.

Krankenhaus Spittal people & work 2017-07-18
So sieht das Krankenhaus heute aus © KK/KH Spittal

Zukunft mit Verantwortung

Die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte lassen sich auch in Zahlen messen: Die Nutzfläche des Krankenhauses ist von 11.000 auf 27.000 Quadratmeter gewachsen, das Personal wurde von etwa 300 auf 450 Vollzeitkräfte aufgestockt. Auch das Budget hat sich verdreifacht – von rund 25 auf heute 77 Millionen Euro. Doch bei aller Technik bleibt für Samonigg-Mahrer eines zentral: „Wir wollen ein offenes, innovatives Haus sein – aber mit Herz.“ Sie sieht es als Auftrag, eine moderne Versorgung für die Menschen in der Region sicherzustellen – und das mit dem besonderen Geist eines Hauses, das seit 100 Jahren tief in Spittal verwurzelt ist.

Noch bis 17 Uhr wird heute am Standort das Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Die Gäste erwarten Einblicke in die Spezialbereiche wie Dialyse, Intensivstation und Anästhesie, Mitmachstationen in der Ambulanz – vom Gipszimmer bis zur Reanimation –, persönliche Begegnungen mit den Teams sowie Impulsvorträge des Ärzteteams.