Einstimmig fasste der Gemeinderat in Hermagor in seiner Sitzung Dienstagabend den Beschluss, zwei verdienten Hermagorer Persönlichkeiten die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Wie berichtet, wird diese Ehre dem Literaten Engelbert Obernosterer und dem akademischen Bildhauer Herbert Unterberger zuteil. Beide haben auf ihren Gebieten Herausragendes geleistet. Die offizielle Verleihungsfeier wird in nächster Zeit stattfinden.

Ebenso einhellig bekannte sich der Gemeinderat dazu, eine „Erbsünde“ aus den Dreißigerjahren ein für alle Mal, wenn auch nur symbolisch, zu tilgen. Denn Adolf Hitler war zur Überraschung vieler noch immer Ehrenbürger Hermagors. Erst vor kurzem stieß der heimische Politikwissenschaftler Bernhard Gitschtaler, Gründer der Vereine „Gailtaler Zeitbilder“ und „Erinnern Gailtal“, im Zuge seiner Recherchen auf diese Tatsache und beantragte umgehend die Aberkennung. Laut Historiker Alfred Elste habe Anfang Juni 1938 Gemeindeverwalter Georg Kandolf den Ratsherren stolz berichtet, dass „der Führer die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes dankbar annehme“. Hermagor zählte im Zuge der „Anschluss-Abstimmung“ zu den 100-Prozent-Gemeinden, der Hauptplatz wurde gleich in „Adolf Hitler Platz“ und die Hauptstraße in  Hubert Klausner-Straße (ein Gauleiter) umbenannt.

Der Gailtaler Politikwissenschaftler Bernhard Gitschtaler
Der Gailtaler Politikwissenschaftler Bernhard Gitschtaler © Leopold Salcher

 „Nach allgemeiner Rechtsmeinung ging man bisher davon aus, dass eine Ehrenbürgerschaft automatisch mit dem Tod des Trägers erlischt“, sagt Bürgermeister Leopold Astner (ÖVP). Zuletzt hätten, so Astner, auch andere betroffene Kärntner Städte eine solche Aberkennung beschlossen. Die Verleihung selbst geht auf einen aktiven Beschluss des Gemeinderates im Juni 1938 zurück. „Deshalb wollen auch wir durch einen aktiven Beschluss diese Ehrenbürgerschaft wieder aberkennen.“

Gedenkstätte für Opfer des Naziregimes

Dass diese Aberkennung noch vor dem 8. Mai, dem Jahrestag der Befreiung aus der Naziherrschaft, erfolge, sei laut Gitschtaler, ein wichtiger Schritt. An diesem Tag wird in Hermagor nahe des Bundesschulzentrums ein neu geschaffenes Denkmal übergeben, das künftig  an 66 Menschen aus dem Bezirk Hermagor erinnern wird. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg vom Naziregime ermordet. Diese Namenlosen erhalten endlich ihre Identität zurück.