Russlands Krieg gegen die Ukraine bewegt die ganze Welt. An den Grenzen spielen sich emotionale Szenen ab, Frauen müssen ihre wehrfähigen Männer und Söhne zurücklassen. Die Kinder müssen sich von ihren Vätern verabschieden, mit der Hoffnung, dass sie sich nicht zum letzten Mal gesehen haben. "Die Situation ist erschreckend und traurig", sagt Nataliya Schretter (48). Die Ukrainerin kam 2003 nach Kärnten und lebt seit sieben Jahren in Wolfsberg. Sie verfolgt rund um die Uhr das Geschehen in ihrer Heimat.

Ihr Bruder mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt noch in Wynohradiw, in einer Stadt im Westen der Ukraine. Ans Flüchten dachte seine Frau nicht: "Sie möchte meinen Bruder nicht verlassen. Sollte Putin den Krieg fortsetzen, muss wohl leider auch mein Bruder irgendwann einrücken", sagt Schretter. Sie selbst habe sich durch den Krieg auch mit ihren russischen Freunden zerkracht: "Die Russen sind desinformiert. Was mich nicht wundert, da ja die Medien nur das veröffentlichen dürfen, was Putin erlaubt", sagt Schretter, Betreiberin einer Klavierschule in Wolfsberg und Chorleiterin vom Singkreis Seltenheim Klagenfurt.

Nataliya Schretter, Initiatorin der Spendenaktion für die Ukraine
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Um den Soldaten in ihrer Heimat zu helfen, initiierte Schretter jetzt eine Spendenaktion. "Es geht vorwiegend darum, dass wir die medizinische Versorgung sicherstellen. Wir brauchen keine Kleiderspenden", sagt Schretter. Gesammelt werden die Spenden bei  Familie Fellner in Paierdorf 57 in St. Andrä. Gefragt sind unter anderem Verbandszeug, Schmerzmittel, Kühlspray, Schlafsäcke, Wärmewäsche, Taschenlampen und Ferngläser.

"Ich bin überwältigt, wie viele Menschen helfen möchten. Das Lager füllt sich, ich möchte spätestens am kommenden Samstag mit dem Transport starten", sagt Schretter. Bis dahin hofft die 48-Jährige, dass geeignete Transportmittel organisiert werden konnten. "Wenn es sein muss, fahre ich mehrmals selbst. Bis zur Grenze dürfen wir ja", sagt Schretter. Ihr jetziger Mann, den sie in Österreich in ihrer Nachbarschaft kennenlernte, besitze selbst einen Lkw-Führerschein.

Die ersten Spenden sind schon eingetrudelt
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Die Aktion möchte auch der langjährige Feuerwehrmann Wolfgang Arzberger (70) aus St. Stefan im Lavanttal unterstützen. "Ich helfe gerne mit, das Ganze muss gut durchgeplant sein", sagt Arzberger. Aber auch weitere Helfer haben sich bei Schretter bereits gemeldet. Zudem stehe sie mit einer ukrainischen Hilfsorganisation in Kontakt. Weitere Infos unter 0664/516 85 65.

Spenden für die Ukraine werden vielerorts gesammelt. Auch die Caritas oder "Nachbar in Not" rufen zur Mithilfe auf. Die Stadt Wolfsberg nimmt an der übergeordneten Hilfsaktion des Landes Kärnten teil. "Beim Bauhof wird eine Sammelstelle errichtet", gibt Wilfried Truppe, Pressesprecher der Stadt, bekannt.