In Wolfsberg schrieb man das Jahr 1925, als Sepp Türk ein Einzelunternehmen gründete. „Mein Großvater mütterlicherseits hat nach seiner Wanderlehre zum Kaufmann ein kleines Geschäft am Weiher eröffnet, neben dem ehemaligen Gasthaus Dotschekal. Dort verkaufte er Futtermittel, Lebensmittel und Samen an umliegende Bauern“, erzählt Roland Sternat: „Mit einem Kapital von 2450 Schillingen hat er diesen Laden gegründet und konnte sich dank Krediten der Firma Offner und anderer bekannter Wolfsberger Firmen entwickeln.“ Sein Enkelsohn weiß das deshalb so genau, weil sein Opa eine Autobiografie geschrieben hat. „Beim Lesen brauchte ich zwar Hilfe, weil sie in Kurrentschrift geschrieben ist, aber darin hat er auch über die Anfänge seines Geschäftes geschrieben.“ Bis 1932 befand sich das Geschäft am Weiher, danach im ehemaligen Voglhaus gegenüber der heutigen Post in der Herberthstraße und ab den 1950er-Jahren am jetzigen Standort am Beginn der Wiener Straße. Seit Jahrzehnten kennen die Lavanttaler das Geschäft als „Türk & Sternat“, in dem Mode und Schuhe erhältlich sind. Doch der Reihe nach.
Das Gebäude an der Türkkreuzung, wie der Kreuzungsbereich in Anlehnung an den Firmengründer genannt wird, hat Sepp Türk 1939 gekauft, also mehr als zehn Jahre vor dem Umzug des Geschäftes dorthin. „Es war ein Zinshaus mit 25 Parteien darin“, weiß Roland Sternat aus der Biografie. 1950 verstarb Türk und so führten seine Witwe sowie seine beiden Töchter die Geschäfte fort.
In den 1950ern siedelte die Familie mit dem Geschäft von der Herberthstraße in die Wiener Straße und handelte nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit Wäsche. „Damals gab es Wolle, aber auch Hemden und Anfang der 60er auch Kurzwaren, wie Reißverschlüsse und Knöpfe. Nachdem es damals immer mehr Greißlereien gab, wurde der Non-Food-Bereich, wie er heute genannt wird, immer weiter ausgebaut“, erzählt Roland Sternat. Von der Witwe und den beiden Töchtern Roswitha und Sigrid Türk wurde der Laden bis 1958 geführt – bis ein gewisser Erich Sternat aus Maria Rojach in Roswithas Leben und in die Firma eintrat. „Erich und Roswitha Sternat waren meine Eltern, die mittlerweile leider schon verstorben sind“, erklärt Roland Sternat: „Seit damals wird das Geschäft mit dem Doppelnamen ,Türk & Sternat‘ geführt.“
Als Erich und Roswitha Sternat das Geschäft 1958 übernahmen, war es noch immer auch eine Lebensmittelgreißlerei. „13 Jahre später hat mein Vater den ersten Supermarkt im Lavanttal gegründet, den ,Supermarkt Nord‘. Es war ein Selbstbedienungssupermarkt mit den ersten Einkaufswagerln. Das gab es vorher nicht.“ Das war 1971 und der „Supermarkt-Nord“ befand sich direkt gegenüber von „Türk & Sternat“. „Dort, wo jetzt die Pagro-Filiale ist“, weiß Roland Sternat: „Damals wurde mit den Lebensmitteln in den neuen Supermarkt gesiedelt, also war im Stammhaus Platz für andere Bereiche. Und so wurde auf Textilien und Schuhe umgestellt, wie es heute auch noch ist.“
Anfang der 70er ging es wirtschaftlich im Lavanttal voran: Weitere Supermärkte, wie der „Allkauf“ (beziehungsweise der spätere „PamPam“) entstanden und 1972 das Euco-Center als erstes Einkaufszentrum im Lavanttal. „Wir waren damals die ersten Mieter im Euco und hatten dort bis 2019 eine große Schuhabteilung“, erzählt Rolands Frau Regina Sternat. Weitere Filialen folgten: Eine in St. Andrä sowie zwei Geschäfte am Weiher: „Milano“ und „Triumph“. „Wir haben die Filialen immer nach Zielgruppen aufgesplittet. Die Kundschaft vom Euco-Center wäre niemals zum ,Milano‘ gegangen oder umgekehrt. Und ,Triumph‘ war immer schon eine eigene Filiale, nachdem Dessous nicht ins Stammhaus passen“, erklärt Roland Sternat.
Doch nicht nur das Mode- und Schuhhaus expandierte damals, sondern auch der selbstständig geführte Supermarkt. „In den 70ern und 80ern waren wir in der Expansionsphase und haben überall Filialen eröffnet. In den 80ern hatten wir bis zu 60 Mitarbeiter in beiden Betrieben. Supermarkt-Filialen hatten wir auch in Bad St. Leonhard und Eberndorf, bis wir den Supermarkt schließlich Mitte der 90er-Jahre an Adeg verkauft haben“, sagt Roland Sternat, der die beiden Betriebe 1981 von seinen Eltern übernahm. Seine Frau Regina stieg 1992 ins Geschäft ein. „Seit 1995 sind wir nicht mehr im Lebensmittelgeschäft, sondern verkaufen nur noch Mode und Schuhe. In dieser Form gibt es uns nun also seit 30 Jahren“, erklärt Regina Sternat. Das Geschäft in der Wolfsberger Innenstadt, in dem klassische Alltagsmode für Damen, Trachten für Kleinkinder und Damen sowie Schuhe und Taschen verkauft werden, wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrmals modernisiert und umgebaut.
Im Laufe der Zeit wurden die Schuhfilialen geschlossen, „wenn unsere treuen Mitarbeiter in Pension gegangen sind“, so Roland Sternat. Seine Frau ergänzt: „Alle, die bei uns begonnen haben, sind bis zum Schluss geblieben und hier in Pension gegangen. Das ist eine Ehre für uns.“ Inzwischen sind Roland und Regina Sternat 65 Jahre alt. „Obwohl wir das Pensionsalter haben, denken wir noch nicht ans Aufhören“, sagt Regina. „Wie es nach unserer Pensionierung weitergeht, ist noch offen“, ergänzt ihr Mann, denn: „Wir haben keine familieninternen Nachfolger, unsere beiden Kinder haben sich beruflich anders orientiert. Vielleicht wird es einen externen Nachfolger geben. Aber nachdem wir noch fit sind, haben wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht“, lacht Roland Sternat, der im Haus in der Wiener Straße aufgewachsen ist. Bis 1983 haben auch seine Eltern über dem Geschäft gewohnt, ehe sie als zweite sowie die jetzige dritte Generation in die Altstadt gezogen ist.