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Hilfe bei Suizidgedanken"Wer an Suizid denkt, sendet Signale"

Herwig Oberlerchner, Abteilungsvorstand für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Klagenfurt, rät anlässlich des heutigen Suizid-Präventionstages zum offenen Gespräch, wenn man sich Sorgen macht.

Suizid Hilfe Schild Bruecke September 2019
Es gibt Hilfsangebote für suizidale Menschen – etwa die Notrufnummern © Markus Traussnig
 

Über das Thema Suizid wurde lange geschwiegen. Aus Scham, aus der Angst vor Nachahmern, aus Unsicherheit. Nun sagen Sie: Man muss darüber reden. Warum?
HERWIG OBERLERCHNER: Weil die richtige Berichterstattung auch einen positiven Einfluss haben kann – Stichwort: Papageno-Effekt. Artikel über Betroffene, die Krisensituationen konstruktiv bewältigen konnten, haben einen positiven Effekt auf gefährdete Menschen.

Immer wieder gibt es das Gerücht: Kärnten hat die meisten Suizidfälle. Stimmt das?
Ja, leider. Gemessen an der Bevölkerungszahl stimmt das. 2018 haben in Österreich 1209 Menschen Suizid verübt, in Kärnten waren es 111 Menschen, davon 90 Männer. In den Jahren zuvor waren die Größenverhältnisse ähnlich. Wir haben nun noch weit genauere statistische Daten, auch, um in der Prävention wirksamer zu sein.

Beratungsangebote

Hilfe rund um die Uhr – die wichtigsten Notrufnummern.
Rat auf Draht: 147
Telefonseelsorge: 142
Not- und Krisendienst Kärnten
West: Tel. 0664/300 9003 und
Kärnten Ost: Tel. 0664/300 7007

www.plattformpsyche.at

Wichtige Infos für Jugendliche:
www.bittelebe.at

Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter: Seit 40 Jahren bietet HPE Unterstützung für Angehörige von psychisch Kranken. In Kärnten gibt es Beratungsstellen in Villach, Klagenfurt, Spittal/Drau und Hermagor. Neben telefonischer und Online-Beratung gibt es kostenlose Einzelberatung, Kontakt (0 42 42) 54 312:
www.hpe.at/kaernten

Bäuerliches Sorgentelefon speziell für Landwirte und Landwirtinnen: Tel. 0810-67 68 10 (an Werktagen 8.30 bis 12.30 Uhr)

Wer ist besonders gefährdet?
Männer zwischen 45 und 59 Jahren. Sehr häufig gibt es bei ihnen psychosoziale Probleme, sie sind arbeitslos, vereinsamt oder es gibt innerfamiliäre Schwierigkeiten. Auch unbehandelte psychische Erkrankungen und Alkoholkrankheiten kommen sehr häufig vor. Männer gehen traditionell weniger gerne zum Facharzt für Psychiatrie oder zum Therapeuten, sie sind nicht bereit, Hilfsangebote anzunehmen. Das erschwert die Situation. Die zweite Hochrisikogruppe sind alte Menschen. Hier sind es wiederum Männer, wobei Erkrankungen oder eine Verschlechterung der Versorgungssituation hier Verstärker sind. Auch über die Arten des Suizides, die geografische Verteilung und viele andere Parameter haben wir Daten. So können wir nun noch gezielter Risikogruppen erreichen, zu denen auch die oft zutiefst betroffenen Angehörigen zählen. Gemeinsam ist allen Suizidenten nicht die Sehnsucht nach dem Tod, sondern der Wunsch nach Veränderung und nach Linderung des Leidensdrucks.

Wie kann man helfen? Und vor allem wann?
Immer, wenn man das Gefühl hat, man müsste helfen. Besser einmal zu viel jemanden auf seine Situation ansprechen, als sich hinterher Vorwürfe machen.

Herwig Oberlerchner, Primarius Foto © Kabeg

Wie spricht man diese Sorge an?
Einfach und offen. Gehen Sie zu dem Menschen hin und sagen: Ich mache mir Sorgen um dich. Wie geht es dir? Kann ich dir helfen. Auch ganz offen ansprechen, dass man sich sorgt, jemand würde Suizid verüben. Wenn man aus Schamgefühl zurückhaltend ist, hält man keine Katastrophe auf. Wer an Suizid denkt, sendet Signale an seine Umgebung, sie ziehen sich zurück, werden unnahbar für ihre Umgebung. Man muss diesen Menschen sagen, dass es Hilfe für sie gibt. Es gibt Psychologen, den Krisendienst, die Telefonseelsorge, die Abteilungen in den Krankenhäusern, es sind Menschen mit Erfahrung da, die helfen können.

Reicht das vorhandene Angebot?
Wir wollen niederschwelliger werden. Viele suizidale Menschen haben kein Umfeld, sind einsam. Hier müssen wir mit Ambulatorien, die im regionalen Strukturplan vorgesehen sind, leichter erreichbar werden. Die Krankheiten und die Krisen, die zu einem Suizid führen können, sind medikamentös oder durch Therapien sehr gut behandelbar.

Caritas sucht Mitarbeiter

Die Zahlen sind alarmierend: Kärnten hatte, im Vergleich zu den anderen Bundesländern, im vergangenen Jahr die höchste Suizidrate. Im Vorjahr haben sich laut Statistik Austria 111 Menschen (90 Männer und 21 Frauen) – elf mehr als im Jahr davor – das Leben genommen. Neben Männern im Alter zwischen 45 und 59 sind besonders Menschen in der Altersgruppe zwischen 55 und 85 Jahren gefährdet. Darauf weist die Caritas zum heutigen Weltsuizidpräventionstag hin.
Die Caritas ist es auch, die die Telefon-Seelsorge Kärnten trägt. Rund um die Uhr stehen Ansprechpartner unter der kostenfreien Telefonnummer 142 für Hilfesuchende in schwierigen Lebenssituationen und in Krisen zur Verfügung.
Die Anonymität ist bei Anfragen über Telefon, E-Mail oder Chat gesichert. Derzeit sind 70 ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz, weitere werden gesucht.
Der nächste Ausbildungskurs startet Anfang 2020. Wer Interesse hat, kann sich unter der Telefonnummer (0463) 55 560, DW 23 oder 33, oder per E-Mail unter telefon@caritas-kaernten.at melden.

Termin. Am 10. September findet im Konzerthaus in Klagenfurt die Fachtagung zur Suizidprävention statt (9 bis 15 Uhr). Eine Reihe von Experten wie Prim. Christa Rados („Suizidalität bei Demenz“) und Prim. Herwig Oberlerchner („Suizidalität – Daten, Fakten, Emotionen“) werden Vorträge halten.

Kommentare (12)

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GordonKelz
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GORDON S CAFE DER NÄCHSTENLIEBE....

...4 x in Kärnten...Cafe Luis in Villach,
Arcobaleno in Klgft., Schlosscafe Spittal/ Drau und Cafe Hahn in St.Veit. Wenden Sie sich vertrauensvoll ans Personal.
Gordon Kelz
Initiator der Initiative Gordon s Cafe der Nächstenliebe in Kärnten

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selbstdenker70
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...

Täglich!!! nehmen sich 3 bis 4 Österreicher das Leben. Das die Medien darüber nicht berichten wollen, dürfen, ist das eine Thema. Auf der anderen Seite gibt es hunderte Diskussionssendungen über irgendwas, aber nichts zu diesem Thema. Und das gehört dringend geändert. Vielleicht einmal die tausendste Kriegsdoku , oder die Doku über das Schlafverhalten des Vogels xy auslassen und dafür etwas bringen was dem Menschen wirklich hilft

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KLZthomascik
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1
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Eine Bitte

Liebe/r Leser/in,

uns ist Ihr Anliegen sehr wichtig, und wir würden das Thema gerne in unserer "Chefredakteurs-Antwort" am Sonntag in der Kleinen Zeitung behandeln. Könnten Sie uns das Thema bitte nochmals mit Ihrem Klarnamen an klagenfurt@kleinezeitung.at schicken?

Herzlichen Dank,
Thomas Cik, Mitglied der Chefredaktion

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GordonKelz
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DIE TABUISIERUNG.....

...ist das schlechteste Signal das man dazu senden kann!
Gordon Kelz

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solder
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dass es unangenehm ist

3x mal so viele suizide wie verkehrstote zu argumentieren, ist nachvollziehbar. was man nicht weiß, existiert nicht.

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KLZthomascik
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Nixalsverdruss
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Ein aussagekräftiges Foto!

Traurig genug, dass man diesen Menschen nur schwer helfen kann bzw. dass sie in der scheinbar ausweglosen Situation oft den Freitod wählen.
Allerdings müssen auch die ASFINAG bzw. die Straßenerhalter in die Pflicht genommen werden, dass Brücken etc. dementsprechend abgesichert werden.

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KLZthomascik
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Civium
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Es wird ZEIT dass man

öffentlich darüber spricht, man stelle sich vor da sterben 111 Menschen durch die eigene Hand und keiner kriegt es mit ! Also gibt es dieses Problem bei uns nicht, mit 10 Drogentoten ist das Land schockiert, auch zurecht!
111 Suizide lassen die Alarmglocken läuten um ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu wecken, jeder kann betroffen sein und braucht vielleicht unsere Hilfe!

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KLZthomascik
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onyx
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Danke für Ihren Kommentar!

Mich stimmt das sehr nachdenklich. Es erzeugt eine seltsame Optik, wenn Vorfälle über Drogentote in die Welt hinaus posaunt werden und bei den vielen Menschen, die durch die eigene Hand sterben bekommt es keiner mit.

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KLZthomascik
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