Frage in die Runde: "Hat jemand von Ihnen angekreuzt, er wolle, dass mit seinem Geld Hochrisikogeschäfte getätigt werden? Damals, als Sie Ihren AvW Genussschein gekauft haben?", will Rechtsanwalt Andreas Pascher wissen. Mehr als 200 Mal Kopfschütteln bedeuten ein kollektives Nein. "Dann wurden Sie von Herrn Auer von Welsbach getäuscht", poltert der Rechtsanwalt lautstark. Knapp bevor ihm die Luft ausgeht, setzt er den Satz aber fort: "Zumindest soweit uns das bisher bekannt ist." Aha. Der Anwalt, der Mittwoch Abend ins Klagenfurter Hotel Dermuth geladen hat, um AvW-Anleger zu einer Sammelklage zu bewegen, liest also auch nur Zeitungen und Anzeigen an die Staatsanwaltschaft.

Nicht Anwesend. Doch auf das angereiste Publikum wirkt die Polemik. Ein älteres Ehepaar erzählt, dass die Abfertigung, die der Mann vor vier Jahren nach vierzig Jahren in der Tischlerei bekommen hat, in AvW Genussscheinen steckt. "Damit wollten wir uns ein Zusatzgeld für die Pension schaffen." Jetzt stehen sie zwar nicht vor dem Nichts, aber "dem Herrn Auer von Welsbach würden wir schon einiges sagen, wenn er sich her getrauen würde." Macht er natürlich nicht. Ebenso wenig wie die einstigen Makler, die das Papier vertrieben haben. Oder die Banker, die Genussscheine als Tilgungsträger für endfällige Kredite akzeptiert haben.

Vollmachten für Alle. "Hat denn niemand die Risikohinweise hinten am Kaufvertrag gelesen?", will der Rechtsanwalt wissen. Wieder geht ein Nicken durch den Raum. Dass unter der Überschrift "Bonitätsrisiko" ziemlich eindeutig steht, dass ein Risiko besteht, will niemand verstanden haben. Die Bedeutung der Zeile "die Aktiengesellschaft könnte ihren Verpflichtungen nicht nachkommen", wird manchen erst an diesem Abend klar. Auf Kärnten umgemünzt bedeutet sie: Die AvW kann ihre Genussscheine nicht mehr zurückkaufen und keiner kann etwas dagegen tun. Auch ein Klagenfurter Strafverteidiger nicht, der lauthals ankündigt: "Ich werde eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermitteln." Den genauen Inhalt wird er sich wohl erst überlegen, ein nahe sitzender Herr rät ihm "sie wegen Verbandsverantwortlichkeit dran zu bekommen."

Genaues lesen. Über einen Homepage-Eintrag, an diesem Tag, in dem sich die AvW Gruppe bemüht, die Gemüter zu beruhigen, macht sich der Anwalt mit einer einstudierten Phrase lustig. "Damit ich diesem Schreiben Genüge tue, teile ich jetzt noch die Vollmachten aus, damit Sie sich von mir vertreten lassen können. Haha." Zur Beruhigung setzt er nach: "Eigentlich geht es uns ja nur darum, dass wir Ihr Geld wieder bekommen." Zumindest jetzt lesen die Leute die Klauseln ganz genau durch.