„Larifari-Antrag“, „mieser Trick“ oder „lächerlich“ – im Klagenfurter Gemeinderat überschlugen sich die Mandatare am Dienstag regelrecht mit negativen Superlativen. Und das alles aufgrund eines Zusatzantrages der Bürgermeisterpartei FSP. Was war also vorgefallen?
Es begann recht harmlos: Zum 50-jährigen Jubiläum des Ingeborg-Bachmann-Preises wollte die Stadt gemeinsam mit dem ORF einen Empfang inklusive Catering ausrichten und dazu maximal 25.000 Euro beisteuern. Das sollte, so Bürgermeister Christian Scheider, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten möglich sein. Eine Mehrheit dürfte dem zunächst zugestimmt haben.
Kein Catering und kein After-Work
Doch dann trat Vizebürgermeister Patrick Jonke (FSP) ans Rednerpult und präsentierte einen Zusatzantrag: Nicht nur der Empfang, sondern auch der sommerliche After-Work-Markt am Benediktinermarkt solle abgesichert werden. Trotz „zahlreicher Gespräche“ sei es heuer nämlich nicht gelungen, dafür private Sponsoren zu gewinnen. „Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 60.000 Euro, den Löwenanteil von 50.000 Euro tragen die Wirte“, erklärte Jonke. Die Stadt solle daher einspringen und auch diesen „Fixpunkt im Veranstaltungskalender“ mit 10.000 Euro unterstützen.
Was folgte, war heftiger Widerstand quer durch alle Fraktionen. Die Verknüpfung eines international renommierten Literaturereignisses mit einem Party-Event sorgte für Kopfschütteln. Kulturreferent Franz Petritz (SPÖ) sprach von einem „miesen Trick“, während ÖVP-Gemeinderätin Julia Löschnig irritiert anmerkte, es sei, „als würden wir eine Krankenhausreform diskutieren und gleichzeitig eine Hüpfburg beschließen“. Das Ergebnis: Weder der Zuschuss für den Bachmann-Empfang noch die Unterstützung für den After-Work-Markt wurde beschlossen.
Für Bürgermeister Scheider beginnt damit die Schadensbegrenzung. „Ich werde nun Gespräche mit dem ORF und auf politischer Ebene führen. Jetzt muss rasch geklärt werden, wie wir unseren Beitrag für diese Jubiläumsveranstaltung leisten können. Und auch der After-Work-Markt wird stattfinden“, kündigt er auf Nachfrage an. Im Landesstudio zeigt man sich angesichts der Neuigkeiten überrascht. „Was jetzt abgelehnt wurde, ist mir noch nicht ganz klar, da gibt es in den nächsten Tagen ein Gespräch mit dem Bürgermeister“, sagt ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard. „Ich bin aber froh, dass die Stadt weiterhin Mitveranstalter ist und das Preisgeld von 30.000 Euro stellt.“