Seit knapp drei Monaten ist die Koralmbahn in Betrieb. Graz und Klagenfurt sind seither in nur 45 Minuten verbunden. Die sogenannte AREA SÜD, ein vollkommen neuer Wirtschaftsraum mit rund 1,8 Millionen Menschen, 730.000 Beschäftigten und über 150.000 Unternehmen mit einer Wirtschaftsleistung von rund 70 Milliarden Euro, wurde Realität. Die Hoffnungen der Klagenfurterinnen und Klagenfurter, insbesondere der Innenstadt-Kaufleute und der im Zentrum ansässigen Gastronomen, waren aufgrund fehlender Konzepte, finanziellem Chaos und politischen Blockaden dementsprechend gering. Zwei Drittel glaubten Anfang 2025 laut Konjunkturumfrage nicht an Vorteile für den eigenen Betrieb.
Jetzt, drei Monate später, zeigen sie sich nach wie vor verhalten optimistisch. Der erste Hype nach der Eröffnung und mitten im Weihnachtsgeschäft sei vorbei, ist man sich einig. „Dennoch finden immer wieder Besucher aus Graz den Weg nach Klagenfurt“, weiß Cornelia Hübner, Obfrau der IG Innenstadt. Diese würden allerdings vermehrt Gastro-Betriebe als Fachgeschäfte aufsuchen. Das bestätigt auch Ines Hrassnig von Optik Buffa: „Ich bemerke bis dato keinen großen Aufschwung durch die Koralmbahn.“ „Ab und zu hört man einen steirischen Dialekt unter den Gästen“, gibt Christoph Überbacher vom Restaurant Lendring zu Protokoll.
„Klagenfurter in die Innenstadt zurückholen“
Deshalb setzt das Stadtmarketing aktuell in erster Linie auf Events, um Gäste aus Graz nach Klagenfurt zu holen. Am 19. März startet das „Klamour“, eine Art „Klagenfurter Fashionweek“. 35 Betriebe – von der Gastronomie, über Mode und Beauty – sind mit an Bord. Rund 50 Veranstaltungen, wie beispielsweise Workshops, Stilberatungen oder Gastro-Specials und After-Work-Shoppings, stehen am Programm. Ansprechen will man damit die urban geprägten, mode- und lifestyleaffinen Klagenfurterinnen und Klagenfurter mit Interesse an Beauty, Wellness, Kulinarik und exklusiven Erlebnissen im kleinen Rahmen sowie Ausflugsgäste aus Graz.
„Im Vordergrund sollte stehen, dass wir wieder die Klagenfurterinnen und Klagenfurter in die Innenstadt holen“, schildert Hrassnig bei einer Zusammenkunft Montagabend aller Betriebe, die am „Klamour“ teilnehmen, ihre Sicht der Dinge. „Es ist toll zu sehen, wie die Betriebe der Innenstadt zusammenarbeiten und welche Synergien sich daraus ergeben“, wünscht sich Gregor Grüner vom gleichnamigen Modehaus mehr solcher Projekte. „Gerade solche Formate zeigen, wie stark unsere Innenstadt sein kann, wenn alle – Betriebe, Stadtmarketing, IG Innenstadt, Wirtschaftskammer – zusammenarbeiten und gemeinsam neue Ideen umsetzen“, ergänzt Franz Ahm, Obmann der Klagenfurter WK-Bezirksstelle.
Ein positives Detail am Rande: Die Zahl der tatsächlich verfügbaren Geschäftsflächen ist im vergangenen Jahr gesunken. Zu Beginn des Jahres 2025 wurden innerhalb des Rings rund 100 Leerstandsflächen gezählt. Aktuell sind es noch etwa 70. Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass nur ein Teil dieser Flächen tatsächlich kurzfristig am Markt verfügbar ist. Besonders gefragt sind derzeit kleinere Geschäftsflächen sowie Gastronomielokale. Große Verkaufsflächen hingegen lassen sich deutlich schwieriger vermieten. Gleichzeitig ist ein neuer Trend zu Concept Stores und Pop-up-Modellen zu beobachten, die vor allem in den Sommermonaten zusätzliche Frequenz in die Innenstadt bringen.