Wie viele Versuche benötigt Klagenfurt, eine Straße neu zu benennen? Zumindest drei, wie der Fall der Hermann-Gmeiner-Straße zeigt. Seit vier Monaten steht fest, dass diese nicht mehr so heißen soll. Zwei gestartete Anläufe einer Umbenennung scheiterten. Nun wagt die Stadt Versuch Nummer drei.
Die Hermann-Gmeiner-Straße soll zur Anna-Gröger-Straße werden. Den entsprechenden Vorschlag, ausgearbeitet von der Abteilung Präsidium, legte Bürgermeister Christian Scheider (FSP) diese Woche dem Stadtsenat vor. Gröger lebte von 1867 bis 1961, war SPÖ-Politikerin und beteiligte sich unter anderem an Frauenbewegungen. Zudem war sie die erste weibliche Abgeordnete zu einem Landtag in Österreich, sieben Jahre lang Gemeinderätin in Klagenfurt und Ehefrau von Florian Gröger, einst Landeshauptmann von Kärnten. Im Senat wurde die Idee positiv vorbesprochen. Das letzte Wort hat aber der Gemeinderat. Dieser dürfte die Debatte diesmal beenden.
SPÖ und Grüne signalisieren Zuspruch
Denn Gröger erfährt Zuspruch. „Endlich lenkt Bürgermeister Scheider bei der Umbenennung der Hermann-Gmeiner-Straße ein“, sagt Grünen-Chef Stefan Samonig. „Dass mit der Straßenumbenennung nun eine engagierte Politikerin geehrt wird, ist nicht nur symbolisch wichtig, sondern ein klares Signal: Freiheit, Courage und Menschlichkeit sind weiblich“, ergänzt Sonja Koschier, Gemeinderätin von den Grünen, die sich über die Erfüllung einer jahrelangen Forderung freut. Und weil auch die SPÖ ihre Zustimmung signalisiert, steht einer Mehrheit nichts im Weg. Trotz möglicher Verwechslungen mit der bereits bestehenden Florian-Gröger-Straße, die vereinzelt im Netz befürchtet wird. „Meiner Ansicht nach könnten die Hubertstraße und die Hubertusstraße für mehr Verwirrung sorgen. Diese gibt es beide bereits“, sagt Bürgermeister Scheider. Daher ist er optimistisch: „Wenn man nicht von politischer Schizophrenie ausgeht, dann geht der Antrag durch.“
Zweimal wollte Scheider die Straße nach Rudolf Wurzer benennen. Die vermutete Sympathie zum NS-Gedankengut sowie die Bevorzugung eines Mannes stimmten die SPÖ, Grüne, Neos und zwei Team-Kärnten-Mandatare aber kritisch und lehnten die Umbenennungsversuche ab. Im Dezember und Februar fanden sich deshalb keine Mehrheiten. Arnold Wurzer, Nachfahre des Architekten und Stadtplaners, äußerte damals wie heute seinen Unmut über die Entscheidung. Er spricht von einer „Sauerei“ gegenüber seinem 2004 verstorbenen Familienmitglied.