Der Konsum von Drogen unter Jugendlichen bleibt in Kärnten wie auch in ganz Österreich ein sensibles und komplexes Thema, das unterschiedliche gesellschaftliche Akteure beschäftigt – von Eltern über Lehrkräfte bis hin zu Suchtpräventionsstellen. Die Drogenberatungsstellen schlagen Alarm: Die Zahl der am Markt verfügbaren Substanzen steigt stetig. Dabei spielt nicht nur die generelle Verfügbarkeit eine Rolle, sondern auch die altersbedingte Risikobereitschaft, insbesondere im Jugendalter.

Besonders auffällig ist die zunehmende Verbreitung sogenannter neuer psychoaktiver Substanzen (NPS), auch bekannt als „Legal Highs“. Diese werden häufig online verkauft und ähneln in ihrer Wirkung bekannten Drogen wie Ecstasy, Speed, Kokain oder Cannabis – sind jedoch chemisch verändert. Eine eindeutige Zunahme einzelner Substanzen lässt sich laut Beratungsstellen kaum bestätigen, da das Angebot sehr vielfältig und ständig im Wandel ist.

Nikotin, Alkohol, Cannabis und Snus

In Kärnten gehören Alkohol, Nikotin, Cannabis, Kokain, Heroin und Ecstasy zu den häufigsten konsumierten Substanzen. Dabei zeigt sich ein klarer Trend: Legale Drogen, wie Alkohol und Nikotin, bilden meist den Einstieg – trotz gesetzlicher Altersbeschränkungen. Unter Schülerinnen und Schülern sind vor allem Nikotin, Alkohol, Cannabis sowie Snus verbreitet.

Die österreichweite Quote der Drogenabhängigkeit liegt seit Jahrzehnten relativ konstant bei etwa 0,3  Prozent der Bevölkerung. Dennoch beobachten Fachleute regionale Unterschiede. Während die Drogenszene in Städten, wie Klagenfurt, kaum sichtbar ist, verlagert sie sich zunehmend in ländlichere Regionen. Auch der Schultyp scheint Einfluss auf das Konsumverhalten zu haben.

Jugendlicher Drogenkonsum beginnt häufig bereits im Alter von 14 bis 15 Jahren. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zwischen Genuss, Missbrauch, Gewöhnung und Sucht. Die Auswirkungen von Drogen auf das jugendliche Gehirn sind gravierend: Da es sich noch in der Entwicklung befindet, können Drogen zu Störungen der Hirnreifung, Depressionen, Angstzuständen, Schlafproblemen und weiteren psychischen sowie physischen Beeinträchtigungen führen. Auch die Aufmerksamkeitsspanne leidet erheblich, da Drogen die kognitiven Fähigkeiten einschränken und Denkprozesse negativ beeinflussen.

Im Rahmen einer Diskussionsrunde zum Thema Cannabis-Legalisierung wurden sowohl Risiken als auch mögliche Vorteile thematisiert. Befürworter argumentieren mit der Entkriminalisierung sowie der Möglichkeit besserer gesundheitlicher Kontrolle – insbesondere für Jugendliche. Illegales Cannabis ist oft mit gesundheitsschädlichen Stoffen verunreinigt und enthält mitunter deutlich höhere THC-Gehalte (15 bis 20  Prozent) als legales Cannabis (ca. 5  Prozent). In Kärnten fehlt es bislang an Möglichkeiten, kontrolliert und „sauberes“ Cannabis zu konsumieren – was zusätzliche Risiken birgt. Besonders problematisch sind illegale Ersatzstoffe und Importprodukte unbekannter Herkunft. Daneben spielen auch soziale Faktoren eine wichtige Rolle: Familiäre Probleme, schulischer Druck, Stress und Frustration werden häufig als Einstiegsmotive für den Drogenkonsum genannt.

Ein Betroffener erzählt

Ein Betroffener berichtete in der Runde offen über den eigenen Weg in die Abhängigkeit. Der Einstieg erfolgte mit Kokain zum Lernen, gefolgt von Cannabis zur Entspannung. Schließlich kam Heroin hinzu – mit verheerenden gesundheitlichen und sozialen Folgen. Ein Suizidversuch und der Verlust enger Beziehungen prägten diesen Lebensabschnitt. Heute lebt die betroffene Person seit Jahren clean und hebt die Bedeutung professioneller Hilfe, eines unterstützenden sozialen Umfelds und persönlicher Verantwortung hervor. Besonders der Freundeskreis wurde als entscheidender Faktor für den Ausstieg genannt. Zudem zeigte sich: Häufig stehen psychische Probleme wie Depressionen oder Schlafstörungen am Anfang des Drogenkonsums. In Kärnten wird das Arbeits-Trainingszentrum (ATZ) als wichtige Anlaufstelle für Hilfe genannt.

Der Kampf gegen Drogensucht bei Jugendlichen verlangt mehr als nur gesetzliche Regelungen. Prävention, Aufklärung und soziale Begleitung müssen Hand in Hand gehen, um gefährdeten jungen Menschen frühzeitig Perspektiven und Hilfsangebote aufzuzeigen – bevor aus Experimentierfreude eine gefährliche Abhängigkeit wird.