Mit dem 15. Juli schließt der Humanmarkt in der Feldkirchner Bahnhofstraße für immer seine Pforten. Das karitative Langzeitprojekt der ÖVP-Gemeinderätin und Obfrau des Seniorenbundes, Brigitte Bock, endet somit nach 34 Jahren. Begonnen hat es mit zwei Tischen, die zwei- bis dreimal im Jahr aufgestellt wurden. Angeboten wurde allerlei Flohmarktware. Durch den positiven Anklang in der Bevölkerung entwickelte sich der Flohmarkt rasch zu einem Fixpunkt in Feldkirchen. In den vergangenen 15 Jahren war der Markt dreimal die Woche geöffnet und gut besucht.
Gründe für das sich abzeichnende Ende, sind der mangelnde Nachwuchs und das Wegfallen der günstigen Geschäftsfläche. "Die Familie Rieder war selbst sehr sozial eingestellt. Es war für sie selbstverständlich, uns die leeren Geschäftsflächen zur Verfügung zu stellen. Bezahlen mussten wir nur die Betriebskosten, dafür waren wir sehr dankbar", erzählt die Gemeinderätin. "Und jünger werden wir auch nicht," ergänzt sie scherzhaft.
Ein starkes Netzwerk innerhalb der Feldkirchner Bevölkerung ermöglichte es dem Team, bestehend aus ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, solange zu bestehen, um mit den sozialen Einrichtungen rund um Feldkirchen zusammenarbeiten zu können. In ihrer Arbeit als Ordinationsgehilfin bei einem Arzt in Feldkirchen lernte sie zudem sehr viele Menschen kennen und die Gründe dafür, weshalb Menschen krank werden und nicht gesunden. Vieles davon verortet sie in den Sorgen und Nöten ihrer Mitbürger.
Zu ihren Kunden und Abnehmern zählten nicht nur finanziell schlechter gestellte Menschen, sondern auch die Opfer von Naturkatastrophen und Kriegen. Für "Kärntner in Not", eine Initiative der Kleinen Zeitung, sammelte der Humanmarkt in der Vergangenheit eine Summe im fünfstelligen Bereich. Wichtig dabei war ihr immer die direkte und unbürokratische Hilfe. Als im Februar letzten Jahres der Krieg in der Ukraine begann, habe sie binnen kürzester Zeit 18 Boxen mit Winterbekleidung, Sachspenden und Hygieneartikeln für die ukrainische Zivilbevölkerung gesammelt. Ihr war sofort klar, dass hier Hilfsgüter benötigt werden und sie keine Zeit verstreichen lassen möchte, indem sie auf Anfragen und Listen wartet.
Die Lebensmittel, die im Humanmarkt verteilt wurden, bezog das Team von den Lebensmittelketten aus der Region, entweder für einen Kleinstbetrag oder sogar geschenkt. Drei Tafeln Schokolade gab es für einen Euro und eine Packung Nudel für 50 Cent. Die Anzahl der Kunden habe sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert, was auffällt ist, dass selbst die niedrigen Preise für manche nicht zu stemmen sind. Bock erzählt, sie selbst sei in eher bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, arm gefühlt habe sie sich jedoch nie, "Wir hatten damals alle gleich wenig. Heute merkt man die Unterschiede viel deutlicher."
Seit 1991 ist die Ehefrau, Mutter und Großmutter im Feldkirchner Gemeinderat. Ihr Engagement bei den Senioren und der Frauenbewegung bleibt jedoch bestehen, um ihre soziale Anliegen weiterhin voranbringen zu können. Auf die Frage, wie sie ihre neugewonnene zusätzliche Freizeit verbringen möchte, gibt Bock an, dass sie liebend gerne alte Städte und das zugehörige Kulturangebot genießt. Regelmäßige Kurzaufenthalte in Wien bei ihrer Familie sind fix eingeplant, es gebe schließlich immer was zu entdecken.