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Einzigartig in Österreich Hier lebt das alte Handwerk der Sensenschmiede weiter

In Himmelberg steht die letzte noch erhaltene Sensenschmiede Österreichs. Früher wurden dort Tausende Sensen für ganz Europa und darüber hinaus produziert. Heute ist es ein Geheimtipp für Museumsliebhaber.

Hans Slivsek senior macht Führungen durch die alte Sensenschmiede © Weichselbraun
 

Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben – als befände sich ein Teil der Ortschaft Himmelberg in der Gegenwart, der andere im 18. Jahrhundert. So fühlt es sich an, wenn man das erste Mal den alten Lehmboden der ehemaligen Sensenschmiede Zeilinger, die zwischen Tiebel und Gemeindeamt empor ragt, betritt. Im rußigen Flammofen, wo früher die „Bröckl“ erhitzt wurden, knistert noch das Feuer. Die leicht rostigen Werkzeuge und die originalen Maschinen liegen noch an ihrem Platz. Würde draußen die Welt nicht so modern erscheinen, könnte man meinen, die Sensenschmiede machen gerade Mittagspause.

„Alles wurde so belassen, wie es bei der Einstellung des Betriebes vorgefunden wurde. Es ist dies die einzige noch im Originalzustand erhaltene Sensenschmiede Österreichs“, sagt Hans Slivsek senior während der Eisenkopf des Federhammers zum Breiten der Sensen mit 150 Schlägen pro Minute laut aufschlägt. „Sie müssen sich vorstellen, wie laut es hier war, wenn erst alle Hämmer an waren. Die Schmiede hatten deshalb Watte in den Ohren“, sagt Slivsek. Als Bub habe er sich immer in die Schmiede geschlichen, um die Arbeiter zu beobachten, erinnert er sich. Heute gibt der 83-Jährige auf Anfrage exklusive Führungen durch das Schmiede-Museum.

Sensenschmiede Himmelberg

In der Hochblüte im 18. und 19. Jahrhundert wurden hier pro Jahr Tausende Stück Sensen produziert – das Eisen dafür kam aus Hüttenberg. Gesamt lieferte Österreich von den damals benötigten elf Millionen Stück Sensen weltweit 80 Prozent. Unter den Abnehmern waren Länder aus ganz Europa, aber auch Russland und früher die Tartarei und Preußen. Die Geschichte der Sensenschmiede selbst reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Slivsek: „Erstmals wurde sie 1503 als Schmiede auf der ,Tradten‘ erwähnt. ,Tradten‘ war eine grüne Wiese.“

Seit 1874 befindet sie sich im Besitz der Familie Zeilinger, einem aus Oberösterreich und der Steiermark stammenden Sensenschmiedegeschlecht. Sie zog es an die Tiebel, da dies Europas einziger Fluss in der Gefrierzone ist, der im Winter nicht zufriert. Über 100 Betriebe – von Pappenfabriken über Kupferpfannenschmieden bis hin zu Sägewerken – profitierten entlang des Tiebelverlaufes von der Wasserkraft. Der Fluss entspringt in Himmelberg und mündet in den Ossiacher See.

Himmelberg: Sensenschmiede

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1898 wurde in der Sense auf elektrischen Strom umgestellt, sie ist das drittälteste E-Werk Kärntens. Einfach war die Arbeit als Schmied dennoch nicht. „Um 23 Uhr haben die Kohlenbuben die Feuerstelle eingeheizt, damit die Schmiede um drei Uhr in der Früh mit der Arbeit beginnen konnten. Ihr Arbeitstag dauerte bis 19 Uhr. Im Schnitt waren 25 Arbeiter pro Schmiede beschäftigt“, sagt Slivsek. Erst nach einem Streik 1908 wurde der Arbeitstag auf 12 Stunden reduziert. Vom Kaiser auferlegte Zunftregeln gab es auch. So mussten die Schmiede einen Pfund Bienenwachs Strafe zahlen, wenn sie Lehrlinge falsch ausbildeten, am Sonntag nicht in der Kirche waren oder ab 21 Uhr noch im Gasthaus Karten spielten.

Besiegelt wurde das Ende der Sensenschmieden nach der Einführung des Rasenmähers. So musste auch die Zeilinger-Schmiede 1958 schließen. Die Besitzerin, Johanna Offner-Zeilinger (90), wird weiterhin alles daran setzen, den besonderen „Zeitzeugen“ für die nächsten Generationen zu erhalten.

Die Geschichte

Erasmus Karl Zeilinger erwarb 1874 die Sensenschmiede in Himmelberg und führte diese bis zu seinem Tode 1911. Er erzeugte auch die bekannte „Naturgraue Himmelberger Sense“.

Sein Sohn Hans Zeilinger stellte während des ersten Weltkrieges neben Sensen auch Hufeisen her. Heute gehört das Werk Johanna Offner-Zeilinger. Es ist nicht nur Museum, sondern auch Werkstätte für Kunstschmiede. Nach wie vor ist die Familie in der Metallverarbeitung tätig.

Führungen nur auf Anfrage: (04276)-2254

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