Opatija, das historische Seebad in der Kvarner Bucht, hat sich die meisten seiner Spitznamen redlich verdient. Und in mehr als 180 Jahren im Geschäft kommen da so einige zusammen: Als „Weltkurort“ pries man das Städtchen, als es noch Teil der Habsburger-Monarchie war und Abbazia hieß. Die lange Tradition hat Opatija aber auch einen weniger schmeichelhaften Beinamen eingebracht. Wer wird schon gerne „alte Dame“ genannt? Hübscher und zutreffender ist da wohl der Titel „First Lady“, der nicht nur geschichtlich zu verstehen ist. Opatija zählt nach wie vor zu den bedeutendsten touristischen Destinationen im heutigen Kroatien.
Mittendrin lebt und arbeitet Katica Hauptfeld, die sich mit ihrer Heimatstadt einen Titel teilt. Sie gilt als „First Lady des kroatischen Tourismus“. Die 71-Jährige hat nach dem Zerfall Jugoslawiens die Reiseagentur „Katarina Line“ gegründet, die auf Kleinschiff-Kreuzfahrten spezialisiert ist. Mittlerweile befördert ihr Unternehmen mit einer Flotte von 60 Schiffen pro Jahr bis zu 140.000 Gäste entlang der gesamten kroatischen Küste von Süddalmatien bis Istrien. An Land ist sie – über ihre Büros hinaus – erst seit Kurzem aktiv. Im Juni des Vorjahres eröffnete Hauptfeld ihr erstes Hotel, natürlich in Opatija.
Aus einem Lost Place am Busbahnhof wurde das Keight Hotel. Das Fünf-Sterne-Haus mit 54 Zimmern und dem mit 25 Metern längsten Indoor-Pool der Stadt ist das erste in Kroatien, das zur Curio Collection der Hilton-Gruppe gehört. Curio steht weltweit für Design, Kulinarik und regionale Individualität. „Das Hotel erzählt die Geschichte unserer Familie“, sagt Hauptfeld. Und das beginnt schon beim Namen: Englisch ausgesprochen klingt Keight wie Kate, der Vorname der Besitzerin. „Dazu kommt, dass die Glückszahl unserer Familie die Acht ist, auf Englisch: eight.“
Das Design des Hauses ist eine Hommage an den verstorbenen Ehemann der Unternehmerin. Miljenko Hauptfeld war ein leidenschaftlicher Sammler von Pierrot-Figuren aus aller Welt. Darstellungen des tragisch-komischen, sensiblen und melancholischen Clowns ziehen sich wie ein roter Faden durch das ganze Gebäude, vom Wellnessbereich bis zur Rooftop-Bar und dem -Pool mit Ausblick auf die zwei Gehminuten entfernte Adria. Und das auch für externe Gäste geöffnete Restaurant, das kulinarische Traditionen Kroatiens modern inszeniert, heißt natürlich Pierrot.
Hauptfeld selbst ist Melancholie privat wie beruflich fremd – sie arbeitet schon an zwei weiteren Hotel-Projekten. Zur leidigen Diskussion über die Preise in Kroatien hat sie eine klare Meinung: „Wenn die Qualität stimmt, ist der Preis kein Thema. Dass manche Anbieter kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, darf man nicht dem ganzen Land in die Schuhe schieben. Andererseits haben auch einige Urlauber ein falsches Bild von Kroatien. Es ist nicht mehr das billige Jugoslawien.“
Der Lungomare geht immer
Ihre Tipps für Opatija? „Ich glaube, den Lungomare, die 12 Kilometer lange Uferpromenade, kennt jede Österreicherin und jeder Österreicher. Da kann und soll man immer spazieren gehen, egal ob bei Tag, abends, im Frühling, Sommer, Herbst oder im Winter.“ Und dann ist da natürlich das Keight Hotel. Hauptfeld empfiehlt, ganz Marketingprofi, einen Cocktail in der Rooftop-Bar. Dort ist die Chance am größten, der Besitzerin persönlich über den Weg zu laufen. Oder eher umgekehrt: Sie läuft. Eine „First Lady“ ruht nie.