Wer in Kroatien die Stadt Dubrovnik besucht - seit sie Drehort der Fantasy-Kultserie „Game Of Thrones“ war, boomt der Tourismus noch mehr - wird sich einen Rundgang auf der meterdicken Stadtmauer mit Blick auf die Altstadt und die Adria kaum entgehen lassen. Zumindest in den Sommermonaten erklimmen mehr als 20.000 Besucher täglich das Mauerwerk. Heuer werden allerdings bereits 40 Euro für den Spaziergang fällig. Damit ist der Eintritt für Erwachsene um fünf Euro teurer geworden, für Kinder und Jugendliche von sieben bis 18 Jahren bleibt der Preis mit 15 Euro unverändert zum Vorjahr. Das einträgliche Millionengeschäft wird also noch mehr Geld in die Kassen der Stadt spülen.
Jedoch: Die Rechnung stellt weiterhin nicht die Stadt Dubrovnik selbst, kassiert wird vom „Društvo prijatelja dubrovačke starine“ (DPDS), dem „Verein der Freunde der Altertümer von Dubrovnik“. Der wurde 1952 gegründet und kümmert sich seither laut Vereinsstatut um den Erhalt der Stadtmauer sowie der historischen Gebäude des UNESCO Weltkulturerbes. Neben Dubrovnik werden vom Verein auch die Mauern von Ston und die Festung Sokol erhalten.
Stadt und Verein angezeigt
Nun wurde in Kroatien eine politische Diskussion losgetreten, inwieweit es rechtens sein kann, dass ein Verein seit Jahrzehnten Millionen einnimmt, ohne dass es dafür je eine offizielle Ausschreibung gegeben hätte. Wie das kroatische Portal index.hr schreibt, hat der bekannte kroatische Anwalt Mladen Dragičević deshalb nun Anzeige bei der Korruptions-Staatsanwaltschaft (USKOK) gegen die Stadt und den Verein eingebracht.
„Angesichts jahrzehntelanger Millioneneinnahmen durch hohe Eintrittspreise und des großen Interesses der Touristen an der Besichtigung der Mauern, stellt sich die Frage nach der Transparenz und Rechtmäßigkeit einer solchen Verwaltungsmethode“, so Dragičević. Grundsätzlich kümmere sich nämlich das stadteigene „Dubrovnik Restoration Institute“ um den Erhalt des kulturellen Erbes von Dubrovnik, doch die Sanierungsarbeiten werden großteils vom Verein DPDS in Auftrag gegeben. Dieser ist allerdings als Verein nicht verpflichtet öffentliche Ausschreibungen durchzuführen, der Verein entscheidet alleine an wen die Aufträge vergeben werden. Kritiker sehen hier die Tore der Stadtmauer für Korruption weit geöffnet.
Verein kassiert seit 1998
Die aktuelle Regelung besteht im Grunde seit 1998. Grundlage ist ein Vertrag, den der damalige Bürgermeister Vido Bogdanović mit dem Verein geschlossen hatte. Bogdanović hatte diesen Schritt später mehrfach als Fehler bezeichnet, aber der Stadt habe nach dem Jugoslawienkrieg das Geld für die Wiederherstellung der Stadtmauern gefehlt und der Tourismus habe bereits Anlauf genommen. Bis 2009 gingen sogar die gesamten Einnahmen alleine an den Verein. Danach wurden die Einnahmen zwischen Stadt und Verein aufgeteilt, DPDS erwarb das Nutzungsrecht an der Stadtmauer. 2019 wurde dieser Vertrag für rechtswidrig erklärt. Ein neuer Vertrag regelt nun für 15 Jahre, dass 60 Prozent der Einnahmen, abzüglich der Steuern, an die Stadt gehen. Die anderen 40 Prozent gehen an DPDS für die Restaurierung und Instandhaltung der Stadtmauern und anderer historischer Bauwerke auf.
16 Millionen Euro jährlich
Die Einnahmen des Vereins beliefen sich 2024 auf über 16 Millionen Euro, der Gesamtüberschuss wird von DPDS mit 2.364.000 Euro angegeben. Wie index.hr berichtet besuchten im letzten Jahr 950.179 Menschen die Stadtmauer von Dubrovnik, davon wurden 510.636 Tickets durch DPDS verkauft. Der Gesamtumsatz aus den Ticketverkäufen belief sich auf etwas über 12 Millionen Euro. Die Stadt Dubrovnik erhielt 7,2 Millionen und der Verein 4,8 Millionen. Die Gesamtkosten für die Instandhaltung der Mauern und anderer verwalteter Standorte beliefen sich 2024 auf 3,8 Millionen Euro, teilte der Verband mit.