Wo steht Ihr Projekt eines "Floating Conference Center" derzeit?
HANNES JAGERHOFER: Wir haben unsere Planung ziemlich fertig. Am 10. Oktober haben wir in der Landesregierung eine Sitzung, da wird das Projekt wasserrechtlich näher angesehen. Schauen wir, was da zurückkommt. Ich hatte schon viele Behördenbesuche …

… mit welchem Echo?
Die erste Runde mit den Behörden war extrem positiv. Schau ma mal, würde der Beckenbauer sagen.

Haben Sie schon einen Ankerplatz, eine "Homebase"?
Es gibt vier Varianten. Da mache ich aber erst weiter, wenn es seitens der Behörde grünes Licht gibt, dass wir unser Schiff am Wörthersee zu Wasser bringen dürfen.

Die vier möglichen Standorte verraten Sie nicht?
Nein, das sind ungelegte Eier. Zwei Möglichkeiten sind besonders attraktiv, zwei okay.

Aber wäre es nicht klüger, transparent zu machen, wo das Konferenzschiff ankern soll?
Das machen wir, wenn wir wissen, ob wir wasserrechtlich eine Chance haben. Ein Platz ist dabei, den wir garantiert verschönern. Es ist ja architektonisch so, dass wir mit diesem Schiff einen Bilbao-Effekt auslösen können. Ich traue mir zu, mit dem Schiff auch schon aufgrund seiner Architektur in den Medien weltweit präsent zu sein.

Ihr Schiff wird wohl öfter an Land angelegt sein, als dass es im Wasser schwimmt ...
Das wäre natürlich schlimm, weil dann würde ich kein Geschäft machen. Wir haben 220 theoretische Auslastungstage.

Real soll die Auslastung zwischen 30 und 50 Prozent liegen.
Der Höhepunkt ist 52 Prozent Auslastung, wir beginnen mit 18 Prozent.

Sonst ist das Schiff quasi eine Land-Erweiterung, am Wörthersee freilich hochattraktiv.
Wie jedes andere Schiff auch.

Ihr stattliches Schiff misst immerhin 20 mal 40 Meter.
Es ist gleich lang wie das Linienschiff Klagenfurt, etwas breiter. Ein richtiges Schiff, und kein Floß.

Es geht um die schifffahrtsrechtliche, aber auch wasserrechtliche Bewilligung. Letztere sei eine Herausforderung, sagen die Verantwortlichen.
Schifffahrtsrechtlich planen wir ja so, dass wir alle Bedingungen laut Anforderungsprofil erfüllen. Die Entwicklung wird ja federführend von einem Zivilingenieurbüro, das alle Schiffe auch in Österreich überprüft, geplant. Wenn wir wasserrechtlich und wasserökologisch alle Auflagen erfüllen, dann hoffe ich, dass wir grünes Licht bekommen.

Sie rechnen also mit einer Zulassung?
Ich rechne mit gar nichts mehr. Ich komme mir in Kärnten etwas deplatziert vor mit meinen Projekten. Man fühlt sich als Bittsteller, der jemandem etwas wegnimmt. Ich brauche niemandem mehr etwas zu beweisen. Ich biete es dem Land an, wenn das will, freut es mich, wenn nicht, ist es zu akzeptieren.

Kaum zu glauben, dass da keine Emotionen im Spiel sind.
Man kann so etwas Großes wie unser Konferenzschiff in einem kleinen Land wie Kärnten nur dann heben, wenn alle am selben Strang ziehen. Das ist die Perversion der Liebe zur Heimat. In Kärnten ist jeder jedem neidig, speziell in der Politik. Keinem etwas zu vergönnen, ist in gewissen Bereichen in Kärnten tief verwurzelt, ausgenommen ist die ländliche Bevölkerung, die lebt noch das Motto: "Einer für alle, alle für einen."

Wenn Ihr Schiff nicht in Kärnten in See sticht, wo dann?
Gebaut wird es jedenfalls. Die Donau ist weiter ein Thema. Ich bin nach wie vor überzeugt, mit dem Konferenzschiff Kärnten gegenüber internationalen Konzernen neu positionieren zu können und damit auch eine echte Saisonverlängerung zu erreichen.

Sie veranschlagen für den Bau des Schiffs 13 Millionen Euro – bleibt es dabei?
Es gibt noch die Möglichkeit des "Downsizing", dass das Schiff um ein Drittel kleiner wird. Dann bekämen wir nur mehr 140 Leute hinauf.

Was sagen Sie Kritikern, die nach dem Ausverkauf des Seeufers jetzt das Zupflastern des Wörthersees befürchten?
Es ist ein Schiff, das man jederzeit wegbringen kann. Ob wir uns am See, speziell während unserer Hauptsaison September bis Juni, bewegen, wird niemandem negativ auffallen.

Trifft Sie ein Fluch der gescheiterten Seebühne?
Die Seebühne war eine "Me too"-Aktion. Unter dem Motto, was Mörbisch und Bregenz haben, will ich auch. So etwas funktioniert nie.

Was muss der Steuerzahler zu Ihrem Schiff dazuzahlen?
Aktuell null. Ich wüsste nicht, was. Das Einzige wäre, dass vielleicht einmal jemand dorthin einlädt. Ich hätte gerne die G7 dort. Ich denke, wie Sie sehen, in kleinen Dimensionen.

Falls Österreich je zu den G7 stößt. Passen in Zeiten, in denen viele Menschen ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, noble VIP-Buffets?
Die Frage ist, was man sehen will – das VIP-Buffet für rund 300 Personen wie heuer oder die 30.000 Leute beim Beachvolleyball, die glücklich sind, ihre Sorgen für ein paar Stunden vergessen und nichts zahlen. Das ist ein Fehler: Man sieht nicht das große Ganze, sondern das Kleine, in das man hineinhacken kann.

Sie haben Beachvolleyball in Klagenfurt groß gemacht – und das Beachvolleyball machte Sie groß. Ist der jähe Abgang 2017 eine klaffende Wunde?
Als ich gegangen bin, hat es mir sehr wehgetan. Jetzt bin ich glücklich, ich genieße das Willkommensein in Wien. Die Leute trauern dem Wörthersee nach, klar. Aber wenn hier in Zeitungen von "Shrimps-essenden VIPs" die Rede ist, ist das ein Schlag mitten ins Gesicht, auch für die Sponsoren. Da gibt es dann keine Basis mehr.