Als "Mafiamord" von Reigersdorf ist der Fall in die Kriminalgeschichte Kärntens eingegangen: Eine sehr gepflegte Frau wurde 2008 im Stadtwald von Völkermarkt geschlagen, erwürgt, erschossen (dreimal in die Brust, einmal in den Kopf) und mit Benzin angezündet. Der aufgefundene nackte Leichnam konnte erst 2012 identifiziert werden. Bei der Verstorbenen handelt es sich um die damals 49-jährige Italienerin Anna Todde. "Es ist ein Fall von Übertötung, den es so in Kärnten noch nie gegeben hat", sagt Mordermittler Siegfried Katholnig vom Landeskriminalamt. Die Vorgehensweise des Täters gleiche einer Hinrichtung.

Spurensicherung am Tatort im Stadtwald von Völkermarkt im Herbst 2008
© Eggenberger

Bis heute ist die brutale Tat ungelöst. Jetzt haben die Ermittler neue Erkenntnisse und erneuern die Fahndung. Servus TV hat den Fall am Originalschauplatz rekonstruiert und zeigt diesen ihn in der Sendung „Fahndung Österreich“ am Donnerstag, 22. Juli (20.15 Uhr). Ein Fahndungsaufruf im italienischen Sender Rai erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Umstände des Todes von Anna Todde werfen bei den Ermittlern bis heute Fragen auf: Die Italienerin dürfte mit ihrem letzten Freund eine Urlaubsfahrt oder einen Besuch bei Freunden unternommen haben. Am 3. Oktober 2008 hob sie in Italien, sie lebte in Turin, Geld ab. Ob sie in Österreich nur auf der Durchreise war oder sich hier aufgehalten hatte, ist unklar. Fest steht, dass die Italienerin am 4. Oktober mit ihrem Auto in den Stadtwald von Völkermarkt fuhr und dort getötet wurde. Am 5. Oktober fand der Kärntner Rudolf P. den unbekleideten Leichnam.

Mountainbiker Rudolf P. fand am 5. Oktober 2008 den Leichnam der Frau
© Servus TV/Götzhaber

Der Regen hatte viele Spuren, etwa Reifenabdrücke, vernichtet.  Allerdings verhinderte der Regen auch, dass die Frau trotz Brandbeschleuniger (Benzin) vollständig verbrannte und damit für immer unkenntlich bleibt. Damit hatte der Täter, der bewusst Spuren verwischte, nicht gerechnet.

Der Täter fuhr mit dem Auto seines Opfers zurück nach Udine, wo dieses den Besitzer wechselte. Und er schickte zehn Tage nach der Tat vom Handy des Opfers deren Schwester eine SMS. In dieser teilt „Anna“ mit, dass sie ihre Wohnung auflösen werde. Der Täter räumte diese komplett aus.

Hofft auf Hinweise: Mordermittler Siegfried Katholnig vom Landeskriminalamt
© Servus TV/Götzhaber

Männliche DNA vorhanden

Für die Ermittler in Kärnten blieb die Identität des Opfers bis 2012 unbekannt. Anhand des Gebisses des Opfers - es wurde die zahntechnische Arbeit analysiert - konnte man zwar vermuten, dass es sich um eine Italienerin handelt, aber gesichert war das nicht. Die sichergestellte männliche DNA des mutmaßlichen Täters - Anna Todde hatte kurz vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr - brachte bis heute keinen Treffer. Das DNA-Profil wurde europaweit ausgeschickt.

Beziehungstat

Anfangs wurde ein Zusammenhang der Tat mit Frauenmorden in der Steiermark und Niederösterreich vermutet. Mittlerweile ist diese Version aber vom Tisch. "Wir gehen stark davon aus, dass es sich um eine Beziehungstat gehandelt hat", sagt Katholnig. Anna Todde war zweimal verheiratet und hatte keine Kinder. Der Täter dürfte ihr letzter Freund gewesen sein.

Vom Fahndungsaufruf in Österreich, aber insbesondere von jenem in Italien, erhofft sich Katholnig neue Hinweise. "Es ist schwer verständlich, dass jemand auf Urlaub oder Besuch fährt und kein Mensch weiß etwas darüber", sagt er. "Das kann ich mir einfach nicht vorstellen."

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