„Wo soll man mit Widerstand anfangen in dieser heutigen Welt“, fragte Historikerin Irmgard Bohunovskay bei der Vorstellung des Programms der Europäischen Toleranzgespräche im Mai in Fresach, wo „Widerstand und Verantwortung“ Thema sein werden. Widerstand habe weniger mit Heldentum als mit Vernunft zu tun, meinte Bohunovsky, die einen politischen Appell lancierte: „Widersprechen und Nein sagen zu allen, die uns ins nationale Gefängnis werfen wollen.“ Dazu bedürfe es der Demokratie, die Gespräche erlaube und in der Widerstand nicht mit dem Leben bezahlt werden müsse, betonte Kuratoriumspräsident Hannes Swoboda.

Als notwendiger Bestandteil des gesellschaftlichen Fortschritts sei Widerstand auch Aufforderung, miteinander zu reden. Das griff Landesrat Daniel Fellner auf: „Ich werde ‚natürlich mit den Freiheitlichen reden‘. Das Gespräch betrachte er als Grundlage für funktionierende Politik. Sorge bereite ihm die Entwicklung, dass in den letzten Jahren an die 50 Staaten in Richtung Autokratie gewandert seien.

Frage der Würde

Den Erfolg des stummen Widerstandes in Fresach, wo die Protestanten fast 200 Jahre im Untergrund wirkten, führte Margarethe Prinz-Büchl vom Denk.Raum.Fresach an, und der ehemalige Generalvikar Engelbert Guggenberger hob hervor, dass Widerstand in der Katholischen Kirche heute einen besseren Ruf habe als früher. Widerstand sei eine Frage der Würde und brauche Freiheit, für die eine starke und mündige Gesellschaft die Rahmenbedingungen schaffen müsse, sagte Astrid Körner von der Diakonie de la Tour. Es brauche Verantwortungsübernahme, dass Widerstand gestaltend werde und Engagement in Richtung Menschenwürde, Teilhabe und Nachhaltigkeit ermögliche.

Gerechtigkeit und Toleranz

Als Ziel des Widerstandes sieht Andrea Mattioli, Superintendentin der Evangelischen Diözese Kärnten, das Hoffnungsbild des biblischen Shalom, des Friedens. Jeder solle sein eigenes Handeln hinterfragen und aktiv für Gerechtigkeit und Toleranz eintreten, forderte Villachs Vizebürgermeisterin Gerda Sandrieser. Die Gesellschaft müsse gemeinsam Wege finden, um ein Umfeld zu schaffen, das von echtem Dialog und Respekt geprägt sei. Elke Fertschey