Der jüngste Riss einer Rehgeiß in Kärnten hat auch zu Diskussionen rund um die sogenannte virtuelle Leine geführt. Seit rund einem halben Jahr ist diese gesetzliche Realität und soll es ausgebildeten und gehorchenden Hunden ermöglichen, sich ohne physische Leine zu bewegen. Viel geändert habe sich durch die Novellierung der Hundehaltungs- und Wildschutzverordnung im Oktober des Vorjahres nicht, heißt es vom Kärntner Jagdaufseher-Verband. „Eine virtuelle Leine heißt in der Realität einfach nur gar keine Leine“, sagt Landesobmann Bernhard Wadl.
Bitte an Hundehalter
Laufend bekomme der Verband Berichte und Bilder von gewilderten Wildtieren. „Diese Hunde wurden alle an der virtuellen Leine gehalten“, sagt Wadl. Dass das Problem nicht weniger geworden sei, zeige auch eine Aktion der Jagdaufseher für ihre Mitglieder. Um die Hundehalter in sensiblen Gebieten darum bitten zu können, ihren Hund an die physische Leine zu nehmen, wurden dreisprachige Infotafeln produziert. Man hat damit gerechnet, ein paar 100 dieser Tafeln zu brauchen. Stand jetzt wurden 2200 ausgegeben, die nun in den Kärntner Wäldern hängen.
Hunde erlegen keine Lösung
Ein positiver Punkt der Novellierung sei, dass es erstmals eine kärntenweit einheitliche Regelung gebe. Davor wurden von den Bezirkshauptmannschaften Verordnungen erlassen. „Wir wären mit der virtuellen Leine auch einverstanden, wenn sie funktionieren würde. Sie funktioniert aber nicht und wird nie funktionieren“, urteilt Wadl. Das liege auch daran, dass viele Hundehalter gar nicht erst wüssten, was die virtuelle Leine überhaupt sei.
Am Ende habe man einen politischen Kompromiss geschaffen, der niemandem nütze. „Ich jage in den Nockbergen. Immer wieder sehe ich dort Hunde - und ein paar Minuten später auch ihre Halter mit der virtuellen Leine“, erzählt Wadl. Gesetzlich ist es einem Jäger erlaubt, einen wildernden Hund zu erlegen. Für den Jagdaufseherverband sei das aber der falsche Weg. Man wisse, dass Tiere, die wildern, daheim die liebsten Familienhunde sein können und die Trauer groß ist. Ähnlich groß, wie in manchen Fällen auch die mediale Aufregung, sollten vermehrt Hunde geschossen werden.