Fluglinien und Kreuzfahrtschiffe machen in der Regel einen weiten Bogen um Kriegsgebiete. Seit Samstagmorgen gibt es auf den globalen Tourismusrouten jedoch grobe Verschiebungen - und plötzlich finden sich auch Kärntnerinnen und Kärntner am Rande von Kriegs- und Krisengebieten.

Nach den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran, holte dieser zu Gegenschlägen aus – und trifft damit seither auch Ziele in den beliebten Urlaubsregionen Dubai, Abu Dhabi, Bahrain, Katar oder Jordanien. „Wir haben zuerst den Rat bekommen, in unserem Hotel zu bleiben und Abstand von Fenstern zu nehmen“, erklärt eine Kärntnerin gegenüber der Kleinen Zeitung.

Sie will anonym bleiben, war nur auf der Durchreise und ist nun in Dubai gestrandet. „Eigentlich ist die Lage ruhig, aber die Menschen sind natürlich angespannt. Alle wollen nach Hause.“ Ihr Flugzeug landete gegen 15 Uhr am Flughafen in Dubai, knapp eine Stunde später wurde dieser wegen der militärischen Eskalation geschlossen. Auch Treffer von mutmaßlich iranischen Raketen direkt am Flughafengelände wurden gemeldet.

Influencerin auf The Palm

Direkt vor Ort in Dubai ist auch die Kärntner Speakerin Ilse Grabner, sie befindet sich derzeit auf The Palm – jener berühmten künstlichen Insel, auf der am Samstag ein Hotel getroffen wurde. „Mein Hotel liegt nur etwa 100 Meter vom betroffenen Gebäude entfernt. Ich war zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise gerade auf einem Event an einem anderen Ort“, sagt Grabner. Die Speakerin hielt vor Ort gerade eine Rede auf einer Business-Konferenz, blieb am Samstag dann auch von ihrem Hotel entfernt. Es soll auf der Fluglinie in Richtung der US-Basis liegen.

Am Samstagvormittag stand Ilse Grabner noch auf der Bühne in Dubai, parallel dazu überschlugen sich die Ereignisse
Am Samstagvormittag stand Ilse Grabner noch auf der Bühne in Dubai, parallel dazu überschlugen sich die Ereignisse © Privat

Die Stimmung in Dubai sei aber nicht so dramatisch, wie man es glauben möchte. „Mir geht´s natürlich nicht sehr gut, man ist durchgehend in Alarmbereitschaft. Aber das Leben geht für die Menschen weiter, der Strand ist voll.“ Die Mitarbeiter vor Ort seien besonders hilfsbereit und engagiert: „Am Sonntag habe ich sofort Wein und Essenspakete aufs Zimmer bekommen, das Hotelgelände verlasse ich nämlich nicht mehr.“

Der Versuch, Normalität aufrechtzuerhalten, wurde aber etwa am Montagmorgen jäh unterbrochen: „Es gab Detonationen, die Menschen beim Frühstück sind alle erschrocken aufgesprungen.“ Nach Hause möchte Grabner sobald wie möglich. Ihr eigentlicher Flug mit den Austrian Airlines für Montagmorgen wurde bereits am Samstag gecancelt, der ihr weitervermittelte Ersatzflug mit Emirates fand ebenfalls nicht statt.

Gestrandet im Urlaubsparadies

Betroffen sind aber nicht nur Kärntnerinnen und Kärntner, die direkt im Mittleren Osten gestrandet sind. Probleme gibt es auch für jene, die etwa in Südostasien unterwegs waren – die übliche Rückreiseroute nach Österreich führt nämlich meist über den Mittleren Osten. Zu spüren bekommen hat das etwa die Kärntnerin Rita Bolesch. Sie war mit ihrem Partner zwei Wochen lang auf Sri Lanka, am Sonntag wäre die Rückreise am Plan gestanden. „Es gibt kaum Flüge und wenn, dann sind es exorbitant hohe Preise“, erklärt sie gegenüber der Kleinen Zeitung.

Rita Bolesch in Sri Lanka: „Wir sind nicht direkt vom Krieg betroffen, es ist paradiesisch entspannt. Trotzdem wissen wir nicht, wie es nun weitergeht.“
Rita Bolesch in Sri Lanka: „Wir sind nicht direkt vom Krieg betroffen, es ist paradiesisch entspannt. Trotzdem wissen wir nicht, wie es nun weitergeht.“ © Privat

Bei den Fluglinien selbst komme man aktuell nicht durch. „Per Mail haben wir die Option angeboten bekommen, einen anderen Flug kostenlos zu buchen. Das waren aber nur die regulären flydubai-Flüge über Dubai, die finden natürlich nicht statt - immer wieder wird gecancelt.“ Optionen über andere Routen waren allesamt bereits ausgebucht. „Wir haben dann endlich einen Flug nach Singapur buchen können, um von dort weiter nach Wien zu kommen. Kurz darauf war der Anschlussflug schon wieder ausgebucht“, schildert die Kärntnerin.

Nun herrsche auf der Insel extreme Nachfrage nach Benzin und Gas, Mopeds und Tuktuks stünden stundenlang vor Tankstellen. „Sie warteten stundenlang auf den Tankwagen.“ Sie wolle sich aber gar nicht beklagen, die Sonne strahlt bei heißen 33 Grad vom Himmel. „Wir sind ja nicht direkt vom Krieg betroffen, es ist paradiesisch entspannt.“ Wie es für sie weitergeht, ist indes unklar. „Das Außenministerium konnte uns nicht weiterhelfen. Sie haben uns nur klar gemacht, dass der Mittlere Osten auch in nächster Zeit keine Option für den Rückflug sein wird.“