„Als wir in dem Gebäude waren, schlugen unsere Messgeräte bereits Alarm“, erzählt Harald Geissler von der Hauptfeuerwache (HFW) Villach. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Vassach wurden die Kameraden am Donnerstag kurz vor 6 Uhr morgens zu einem Mehrparteienhaus im Villacher Stadtteil Lind gerufen. Die Erstmeldung sorgte für besondere Alarmbereitschaft bei den Einsatzkräften: „Gasaustritt, Person in Gefahr.“
Beim Eintreffen wurden die Feuerwehren schon von mehreren Anrainern erwartet. „Wir haben gleich einen verbrannten Geruch wahrgenommen und sind in das Haus gegangen. In einer der Wohnungen fanden wir eine Mutter und ihre achtjährige Tochter bewusstlos vor und brachten sie gleich via Crash-Rettung unter schwerem Atemschutz aus dem Gebäude“, sagt Geissler. Das Rote Kreuz führte die Erstversorgung durch und brachte die Patienten in den Schockraum des LKH Villach.
Da die Mehrgasmessgeräte eine sehr hohe gefährliche Kohlenmonoxid-Konzentration (CO) in der Wohnung und generell im gesamten Haus anzeigten, wurde das Gebäude – 13 Bewohner und eine Katze – unverzüglich evakuiert. „Gleichzeitig kümmerten wir uns um die Brandbekämpfung. In der Tiefgarage im Bereich des Heizraumes konnten noch höhere CO-Werte festgestellt werden.“ Da sich dort auch ein Pellets-Lagerraum befand, gingen die Einsatzkräfte davon aus, dass sich an dieser Stelle die Ursache für die hohen Messwerte befinden würde.
Brandursache steht fest
Der Einsatz dauerte bis Donnerstagnachmittag. „Wir mussten einige Kubikmeter Pellets und auch Glutnester absaugen. Parallel dazu wurden das Gebäude und die Tiefgarage permanent mittels Hochleistungslüftern belüftet“, sagt Geissler. Am Nachmittag waren dann die betroffenen elf Wohnungen soweit „durchgelüftet“, dass ihre Bewohner wieder gefahrlos ins Haus durften.
Das galt auch für die Brandermittler und -experten des Landeskriminalamtes (LKA). Mittlerweile haben sie ihre Ermittlungen beendet, die Ursache für den Schwelbrand fest fest: „Es war ein technischer Defekt bei der Pelletsheizung“, sagt Peter Isopp, Chef der Fachbereichsgruppe „Brand“ im LKA. Dadurch hat es keine richtige Verbrennung gegeben, das Kohlenmonoxid hat sich über die Lüftungsanlage im Haus verbreitet. Der Schaden an der Heizung ist behoben. Am Freitag wird es weitere Kontrollen durch die Feuerwehr geben, so Geissler.
„Zustand ist stabil“
Einigermaßen positive Nachrichten gibt es von den beiden Verletzten: Die wurden nach der Versorgung im LKH Villach nach Salzburg gebracht. Aufgrund des schlechten Wetters, das einen Flug nicht zuließ, erfolgte der Transport mit einem Rettungswagen. In der Stadt Salzburg wurden sie in der nächstgelegenen Druckkammer, jener des privaten Gesundheitszentrums Salvida, versorgt, bestätigt Salvida-Sprecherin Daniela Beck. Am Nachmittag wurden Mutter (45) und Tochter von der Druckkammer ins LKH Salzburg überstellt. „Ihr Zustand ist stabil. In den nächsten beiden Tagen folgen weitere Druckkammerbehandlungen“, sagt Beck.
Druckkammer-Therapie
Die Druckkammer-Therapie (hyperbare Sauerstofftherapie, HBO), ist die standardisierte Notfallbehandlung bei Kohlenmonoxidvergiftungen. Dabei atmen die Patienten 100 Prozent Sauerstoff bei einem erhöhten Umgebungsdruck. Der Sauerstoff verdrängt das Kohlenmonoxid deutlich schneller vom Hämoglobin (“rote Blutkörperchen“), wodurch das Risiko für Spätfolgen wie kognitive Defizite, neurologische Störungen oder Herzschäden deutlich reduziert wird.