Im „Internationalen Jahr zur Erhaltung der Gletscher“, das von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, wird erstmals am 21. März der „Welttag der Gletscher“ begangen. Anlass für GeoSphere Austria auf die dramatische Situation von Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze am Fuße des Großglockners, aufmerksam zu machen. Diese wird seit dem 19. Jahrhundert regelmäßig vermessen. Sie verliert durchschnittlich ein bis zwei Meter Eisdicke pro Jahr, im unteren Bereich bis zu zehn Meter.
„Ein-bis zweimal pro Jahr ermitteln wir auf der Pasterze und auf zwei Gletschern der Sonnblick-Region die Massenänderung“, erklärt Bernhard Hynek von der GeoSphere Austria, „dafür werden an mehreren Punkten Eisabschmelzung und Schneehöhe gemessen. Zusätzlich werden mittels Radar und Seismik die verbleibende Eisdicke gemessen und mittels Drohnen der jährliche Eisdickenverlust. Auch eine Wetterstation am Eis und einige automatische Kameras sind in das Gletscher-Monitoring eingebunden.“
Ein Video der GeoSphere Austria von der Gletscherzunge von 2016 bis 2024:
Die Pasterze ist mit ungefähr 15 Quadratkilometern Fläche Österreichs größter Gletscher. Die mittlere Eisdicke, über den gesamten Gletscher gesehen, beträgt derzeit rund 40 Meter. In den vergangenen 20 Jahren haben die Messungen der GeoSphere Austria eine durchschnittliche Abnahme der Eisdicke von rund eineinhalb Metern pro Jahr gezeigt. In den Jahren 2022, 2023 sowie im Vorjahr schmolz die Eisdicke der Pasterze mehr als zwei Meter pro Jahr.
Gletscherzunge zerfällt
Besonders markant sei das Schmelzen an der langen Gletscherzunge der Pasterze. Sie reicht bis ungefähr 2100 Meter Seehöhe hinab und verliert derzeit rund fünf Meter Eisdicke pro Jahr, im ganz unteren Teilbereich bis zu zehn Meter. „Der untere Gletscherteil der Pasterze, also die markante Gletscherzunge, wird bis 2050 weitgehend verschwinden“, sagt Bernhard Hynek von der GeoSphere Austria, „während die höheren Gletscherbereiche der Pasterze in stark verkleinerter Form noch länger bestehen werden.“
Außerdem zeichne sich ab, dass in den nächsten Jahren durch das fortschreitende Schmelzen die Verbindung zwischen dem unteren und oberen Teil der Pasterze verschwindet. „Wenn die Verbindung zum oberen Pasterzenkees, der Hufeisenbruch, in den nächsten Jahren ganz abreißt, wäre der untere Gletscherteil als eigener Gletscher zu bewerten“, erklärt Glaziologe Hynek, „dann wäre die Pasterze nicht mehr der größte Gletscher Österreichs, sondern der Gepatschferner in Tirol.“