Heute sind Wolfgang Puck und Hollywood so untrennbar miteinander verbunden wie der Wörthersee mit Kärnten. Aber jede große Geschichte hat einen kleinen Anfang. Zu Beginn der 1990er-Jahre war die Oscar-Verleihung noch ein kleines Event und eine ziemlich staubtrockene Gala. Puck hingegen verzauberte in seinem ersten Ur-„Spago“ am Sunset Boulevard schon die Hollywood-Schickeria, erzählt Hannes Tschemernjak, Wirt des „Tschebull“ am Faaker See, der seinem Freund Puck jahrelang bei der Oscar-Verleihung am Herd zur Seite stand.
Ikonen wie Barbra Streisand oder „Denver Biest“ Joan Collins posaunten die Qualität seiner Küche und seiner legendären mit Beluga-Kaviar veredelten Räucherlachs-Pizza in die Welt hinaus. Staragent Irving „Swifty“ Lazar, der die Deals für Humphrey Bogart, Cary Grant, Ernest Hemingway, Gene Kelly, Madonna oder die einstigen US-Präsidenten Richard Nixon und Ronald Reagan einfädelte, lud seine Stars in der Oscar-Nacht immer zu Freund Wolfgang ein. Man tafelte bei ihm am Nachmittag, ging kurz ins Theater, um sich einen Oscar abzuholen – und kehrte gut gelaunt ins „Spago“ zurück, um bis weit nach Mitternacht zu feiern.
Irgendwann schnallte die Oscar-Academy, dass der Kärntner Starkoch ein Gewinn für eine große Oscar-Gala wäre, lud ihn zu einem Gespräch und diktierte kulinarische Vorstellungen. „Wisst’s was. I red euch nix drein, wie ihr die Verleihung organisieren sollt‘s und ihr red’s mir nix drein, wie i kochen soll“, beschied Puck in seinem berühmten kärntnerischen Englisch dem überraschten Academy-Vorstand.
20.000 kleine Teller
Dieses Wochenende bekocht der Kärntner, der mittlerweile seinen eigenen Stern auf dem „Walk of Fame“ besitzt, schon zum 31. Mal die Hollywood-Stars. Dutzende Koch-Freunde aus aller Welt helfen ihm dabei präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, eine kulinarische Köstlichkeiten-Kette in Gang zu setzen. „Wir wissen, wann die Oscars für den besten Schauspieler, die beste Regie und den besten Film vergeben werden und beginnen etwa erst 30 Minuten vor dem Termin mit dem eigentlichen Kochen“, erzählt Tschemernjak von der Arbeit an unzähligen Kochstationen. 20.000 kleine Teller werden minutenschnell mit Gourmet-Häppchen garniert.
Monatelang haben sich Puck, sein Küchenchef Eric Klein und Sohn Byron bis zum D-Day schon mit der Gala beschäftigt. Denn Puck will seine Klassiker mit immer neuen Ideen aufpeppen. Dieses Jahr gibt es erstmals ein Gericht mit den „White Panther“-Gebirgsgarnelen der Kärntner Milliardärin Ingrid Flick.
Hannes Tschemernjak und Wolfgang Puck sind seit 1987 miteinander befreundet. Damals besuchte der „Tschebull“-Wirt mit einem Koch-Weggefährten, dem Mölltaler Hotelier-Sohn und später Oscar-Nominierten Regisseur Hubert Sauper, während einer kulinarischen Entdeckungsreise in Kalifornien auch das „Spago“. Unzählige Male stand Tschemernjak mittlerweile in Pucks Oscar-Küche und half, die Hollywood-Stars kulinarisch zu verzaubern.
Österreich steht auf jeder Oscar-Speisekarte. Heuer serviert Puck wieder das Kalbsrahmgulasch mit Eier-Nockerln als Mitternachtssnack. 2011 musste es Tschemernjak das erste Mal kochen. Und wurde von Puck dabei auf Herz und Nieren getestet. „Ich sollte einigen Köchen aus Asien zeigen, wie man das Fleisch portioniert, den Rahm anrührt und die Zutaten für die Eier-Nockerln mischt. Die Asiaten lauschten und nickten immer wieder zustimmend, bis ich nach 30 Minuten merkte, dass die überhaupt nichts verstanden haben“, erinnert sich der „Tschebull“-Wirt. Blamieren wollte er sich aber auch nicht. Sechs Stunden und zwei durchgeschwitzte Kochjacken später hatte er 1.600 Portionen Kalbsrahmgulasch im Alleingang zubereitet. Wolfgang klopfte seinem Freund anerkennend auf die Schulter, denn er hatte gerade eine kleine Prüfung bestanden.
Joaquin Phönix kam in Küche
Oscar-Preisträger Joaquin Phönix („Joker“, „Gladiator“, „Napoleon“) wollte nicht im „Dolby Theatre“-Saal speisen, sondern spazierte mit seiner Verlobten in die Küche zu Puck und ließ sich von Tschemernjak Delikatessen direkt an Wolfgangs Herd servieren. In der Gala-Nacht erfüllt Puck seinen vielen Hollywood-Freunden höchstselbst unzählige Sonderwünsche. Mehr Trüffel auf den Chicken Pot Pie von Barbra Streisand, eine spezielle Tomaten-Basilikum-Pasta für Martin Scorsese, nur Gemüse auf die Pizza von Harrison Ford, fast nichts ist unmöglich.
Auf Kärnten-Besuch
Dieses Jahr legt Tschemernjak eine Pause ein. Nächstes Jahr stehen wieder 20-Stunden-Arbeitstage in Hollywood auf dem Programm. Aber seinen Freund Wolfgang Puck sieht er Ende März in Kärnten wieder, wenn die Stadt St. Veit einen Platz nach dem erfolgreichsten Koch der Welt tauft und ihm am Wörther See der aus Spittal stammende „Falstaff“-Chef Wolfgang Rosam den „Werzer Award“ verleiht. Und kulinarisch gibt es am 22. Mai beim „Tschebull“ ein Puck-Déjà-vu bei einer weiteren „Culinaire L’Evrope“.