Unfassbare Szenen haben sich Samstagnachmittag in der Villacher Innenstadt abgespielt. Ein 23-jähriger Syrer hat dort im Bereich des Hauptplatzes mit einem Messer auf mehrere Passanten eingestochen. Die furchtbare Bilanz: Es gibt ein 14-jähriges Todesopfer und fünf Verletzte, zwei von ihnen schwer - alle aus dem Raum Villach. Zwei der Schwerverletzten wurden noch am Samstagnachmittag notoperiert, einer von ihnen soll mehrere Messerstiche in den Rücken erlitten haben.

Gegen 19 Uhr gab die Polizei bei einer Pressekonferenz erste Informationen zu der Wahnsinnstat bekannt. Diese hatte sich gegen 16 Uhr auf offener Straße ereignet. Die Bluttat macht sogar den langjährigen Pressesprecher der Polizei Rainer Dionisio fassungslos: „So etwas habe ich in 20 Jahren Pressearbeit noch nicht gesehen.“

Ein Essenslieferant, ebenfalls Syrer, ist am Samstag zum Helden geworden. Er ist auf den Täter mit seinem Wagen losgefahren, um ihn zu stoppen. „Es war wie in einem Horrorfilm. Alles ging schnell, eine Person soll aus einem Auto gesprungen sein und daraufhin sind mehrere Menschen geflüchtet. Unsere Mitarbeiterin hat das Lokal versperrt und die Gäste drinnen behalten“, schildert ein Gastronom.

Eine Festnahme

„Stimmung gespenstisch“

Die Polizei leitete umgehend eine Großfahndung nach einem möglichen zweiten Täter ein. Die Ermittlungen, ob es sich bei dem Syrer um einen Einzeltäter handelt, laufen. Zwei Polizeihubschrauber kreisten Samstagnachmittag über der Stadt. Das Einsatzkommando Cobra wurde alarmiert. Im Bereich der Innenstadt gab es weiträumige Absperrungen. Die Spurensicherung nahm die Arbeit auf. „Die Stimmung in der Stadt ist gespenstisch. Der Hauptplatz ist leer“, hieß es in Schilderungen von Augenzeugen. Unternehmer und Passanten stehen unter Schock. Die meisten Lokale in dem Bereich haben zugesperrt.

Motiv unklar

Über das Motiv des Täter herrscht nach wie vor Unklarheit. Auch ist nicht bekannt, ob es eine Beziehung zwischen Täter und Opfern gibt. Das Umfeld des Täters wird derzeit näher beleuchtet, die Einvernahmen laufen. Der 23-jährige Syrer soll ein Asylwerber mit aufrechtem Asylstatus sein. Er hatte eine Asylkarte bei sich. Laut Dionisio soll es Hinweise auf Allahu Akbar-Rufe des Tatverdächtigen geben. Dabei handelt es sich um eine islamische Gebetsformel, die zuletzt auch jener 24-jährige Afghane nach dem er in München am Donnerstag in einen Demonstrationszug gerast war. Wie mittlerweile bekannt wurde, gibt es dort 37 Verletzte und zwei Tote.

Zeugen sollen sich melden

Die Polizei bittet unterdessen Zeugen der Bluttat, sich umgehend zu melden und Fotos und Videos zur Verfügung zu stellen.

Polizeipräsenz erhöht, Faschingssitzung abgebrochen

Nach dem Anschlag in Villach hat die Polizei in ganz Kärnten ihre Präsenz erhöht und überwacht sämtliche Großveranstaltungen. Unter anderem wurden Polizeistreifen auch zum Stadttheater in Klagenfurt beordert. In Österreich herrscht derzeit Terrorwarnstufe 4 auf der fünfteiligen Skala. Die Faschingssitzung im Villacher Congress Center - es ist nur wenig hundert Meter vom Tatort entfernt - wurde am Abend aus Pietätsgründen abgebrochen.

Landeshauptmann fassungslos

Nach der Pressekonferenz gab es einen Krisenstab der Stadt Villach. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) zeigte sich Samstagabend nach den schrecklichen Vorkommnissen geschockt. Auch andere Parteien verurteilen die Tat auf das Schärfste.