Bezirksinspektor Klaus Kurnik führt seit vielen Jahren Verkehrskontrollen durch. Am Sonntag entdeckten er und sein Kollege im Ortsgebiet von Völkermarkt einen „Stammkunden“. Oder anders gesagt: einen amtsbekannten Lenker. „Er fährt immer ohne Führerschein. Soweit ich weiß, hat dieser Mann noch nie einen Autoführerschein besessen“, sagt Kurnik. Trotzdem habe der 64-Jährige immer wieder Autos mit wechselnden Kennzeichen. „Er musste bereits viel Strafe zahlen und ihm wurde schon mehrmals die Weiterfahrt untersagt, wenn er aufgehalten wurde.“ Doch am Sonntag ließ sich der Lenker ohne Schein nicht bremsen. Im Gegenteil: Als Kurnik ihn stoppen wollte, fuhr er frontal auf den Polizisten zu. Der Beamte konnte ausweichen und nahm gemeinsam mit seinem Kollegen „die Nachfahrt auf“, wie es im Polizeibericht heißt.

Es folgten filmreife Szenen und eine hochgefährliche Verfolgungsjagd. „Der Lenker missachtete eine Stopptafel und ist fast in ein anderes Auto gekracht“, sagt Kurnik. Noch vom Polizeiwagen aus forderten die Polizisten Verstärkung an. „Die Situation war brenzlig“, meint Kurnik. „Im Freiland raste der Mann mit teilweise 160 km/h. Er überholte waghalsig andere Autos, ohne auf den Gegenverkehr zu achten und brachte unbeteiligte Verkehrsteilnehmer in Gefahr.“ Mehrere Lenker mussten ausweichen oder bremsen. Kurnik sagt ganz offen: „Aus meiner Sicht grenzt es an ein Wunder, dass es zu keinem Frontalzusammenstoß mit Verletzten kam. Es hätte auch Tote geben können.“ Etwa 25 Minuten lang habe die Verfolgungsjagd gedauert. Sie führte durch einen Tunnel und durch Ortsgebiete mit einer 30-km/h-Beschränkung. Zweimal sei der Lenker aus Unterkärnten gegen eine Leitschiene gekracht, dennoch setzte er seine Flucht fort. Neben ihm – am Beifahrersitz – saß die ganze Zeit über seine Lebensgefährtin.

Nicht einmal eine Polizeisperre konnte ihn stoppen. Im Bereich der St. Kanzianer Landesstraße haben Polizisten eine Straßensperre errichtet. Doch der Fahrer ignorierte diese und raste auf die Sperre zu. Die Beamten mussten ausweichen, um nicht überfahren zu werden. Erst als der 64-Jährige mit seinem Auto gegen einen Baum krachte, endete seine Flucht. „Bei der Festnahme hat er sich dermaßen gewehrt, dass zwei Kollegen leicht verletzt wurden“, schildert Kurnik. Gesagt habe der Mann nichts. Er verweigerte den Alkotest. „Aber ich habe Alkoholgeruch wahrgenommen.“ Die Beifahrerin und Lebensgefährtin des Mannes „hat geschockt gewirkt“. Der Lenker wird angezeigt – ihm droht unter anderem ein Prozess wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Nach einer Nacht im Verwahrungsraum wurde er am Montag in die Justizanstalt Klagenfurt gebracht.